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Gesund leben

Atemwegserkrankungen bei Kindern

So schützen und behandeln Sie Ihr Kind richtig

Der Herbst naht und mit ihm die Erkältungszeit – da bleibt kaum ein Kind verschont. Nicht umsonst sind Atemwegserkrankungen die häufigsten Erkrankungen bei Jungen und Mädchen. Ob Bronchitis, Keuchhusten oder grippaler Infekt. Wir zeigen, wie Sie Atemwegserkrankungen bei Ihren Kindern am besten vorbeugen und behandeln können.

Der Kinder- und Jugendreport 2018 der DAK-Gesundheit zeigt, dass die häufigsten Erkrankungen im Kindesalter Atemwegserkrankungen sind. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) aller Jungen und Mädchen litten beispielsweise an einer Erkältung oder Bronchitis. Doch wie können Kinder am ehesten vor diesen Erkrankungen geschützt werden? Und was hilft, wenn es unsere Kleinen so richtig erwischt hat? Gemeinsam mit der Kinderärztin Dr. Annette Lingenauber klären wir über den Umgang mit Atemwegserkrankungen auf.

Grippaler Infekt

Sechs- bis zehnmal im Jahr erwischt Kleinkinder eine Erkältung. Verantwortlich sind Viren, die per Tröpfcheninfektion übertragen werden. Die Ansteckung kann also beim Husten und Niesen oder bei einem direkten Kontakt wie dem Händeschütteln und Spielen geschehen. Da für den kindlichen Körper die meisten Viren noch unbekannt sind, ist er diesen recht schutzlos ausgeliefert. Im Laufe der Erkrankung werden Abwehrkräfte gebildet, die das Immunsystem dann ein Leben lang stärken.

 

Grippaler Infekt oder Grippe? Eine Erkältung beziehungsweise ein grippaler Infekt ist keine „echte” Grippe (Influenza). Sie beginnt plötzlich mit hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl. Im Gegensatz zu den Erkältungsviren weiten sich Influenza-Viren jedoch häufig auf Lunge, Gehirn oder Herz aus. Es gibt die Möglichkeit, sich gegen Grippe impfen zu lassen – im Unterschied zum grippalen Infekt, gegen den es keine Impfung gibt.

 

Symptome
Die meisten Erkältungen beginnen mit einem wässrigen Schnupfen und einem verstärkten Niesreiz. Oft kommen dann ein Kratzen im Hals, leichte Schluckbeschwerden und Husten hinzu. Weitere Symptome können Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber sowie Abgeschlagenheit, Unwohlsein und Frösteln sein. Wenn die Schnupfenviren sich in der Nasenschleimhaut festsetzen, entsteht das Gefühl der verstopften Nase. Erkältungsviren schädigen auch die Schleimhaut der Atemwege. Es wird mehr Schleim gebildet, der zäher als üblich ist, und der Schutzreflex „Husten“ wird ausgelöst. 

Behandlung
Ein grippaler Infekt dauert in der Regel etwa sieben bis zehn Tage. Gegen Erkältungsviren gibt es keine Medikamente. Doch verschiedene Hausmittel können den kleinen Patienten Linderung verschaffen. Eine Kochsalzlösung für die Nase erleichtert das Atmen und selbstgemachter Zwiebelsaft hilft gegen den Husten. Bei Halsschmerzen ist das Gurgeln mit warmem Kamillen- oder Salbeitee wohltuend.

Generell empfiehlt sich viel zu trinken. Das macht den Schleim flüssig und lässt ihn leichter abfließen. Ruhe und Schlaf fördern die schnelle Genesung. Doch nicht alle Kinder wollen im Bett liegen. Fühlen sie sich gut genug zum Spielen, trägt bereits ein ruhigerer Tagesablauf zur Erholung bei. Bei sehr starken Beschwerden und Schmerzen oder hohem, langanhaltendem Fieber sollte unbedingt ein Kinderarzt aufgesucht werden.

Vorsorge
Da es keine Impfung gegen Erkältungsviren gibt, besteht die beste Vorsorge in der Stärkung des Immunsystems. Regelmäßige Bewegung im Freien, bei jedem Wetter, sowie eine vitaminreiche und ausgewogene Ernährung unterstützen die Abwehrkräfte. Besonders Vitamin C, das zum Beispiel in Zitrusfrüchten wie Kiwis vorkommt, tut dem Immunsystem gut.

 

Keine Chance für Viren
Hat die Erkältungszeit erst begonnen, kommen wir ständig mit Viren in Kontakt. Eine sehr einfache und doch besonders wirkungsvolle Maßnahme ist deswegen das regelmäßige Hände waschen. Denn indem man sich die Hände wäscht – insbesondere vor dem Essen 20 Sekunden lang –, lassen sich viele Infekte vermeiden. Kinder lieben Rituale und können spielerisch an das regelmäßige Händewaschen herangeführt werden.

Bronchitis

Eine Bronchitis gehört zu den häufigsten Kinderkrankheiten in Herbst und Winter. Wenn viele Viren kursieren und die Atemwege durch die kalte Luft angegriffen sind, führt dies schnell zu einer Bronchitis. Auch im Laufe einer Erkältung kann es zu einer Bronchitis kommen. Es entsteht eine Entzündung der Schleimhaut, die von den Bronchien ausgekleidet wird. In der Regel dauert der Infekt nicht länger als zwei Wochen. Hält eine Bronchitis deutlich länger an oder tritt über das Jahr häufiger auf, spricht man von einer chronischer Bronchitis.

 

Mögliche Ursachen für eine chronische Bronchitis
  • Vorschädigungen der Schleimhaut durch Giftstoffe in der Atemluft, z. B. Zigarettenrauch
  • Angeborene Fehlbildungen der Atemwege
  • Angeborene Stoffwechselstörungen mit erhöhter Infektanfälligkeit, z. B. Mukoviszidose (Cystische Fibrose)
  • Enzymmangelerkrankungen (a1-Antitrypsin-Mangel)
  • Allergien

 

Symptome
Bei einer akuten Bronchitis hat das Kind zunächst trockenen (unproduktiven) Husten, später kommt Auswurf hinzu, der schleimig-eitrig werden kann. Atemnot und typische Rasselgeräusche treten auf, erhöhte Temperatur oder Fieber dagegen meist nur im Anfangsstadium. Eine chronische Bronchitis bei Kindern zeigt ähnliche Symptome wie eine akute Bronchitis, hält aber über lange Zeit an und kommt immer wieder. Nicht selten erkranken Kinder in den ersten drei Lebensjahren an einer sogenannten obstruktiven (verengenden) Bronchitis. Sie wird durch Viren hervorgerufen und geht mit Atemnot einher, die auch sehr stark bis bedrohlich werden kann. Beim Ausatmen tritt ein typisches, pfeifendes Geräusch auf.

 

Unser Tipp für gesunde Atemwege
In der kalten Jahreszeit sind Räume häufig überheizt. Die trockene Luft schadet unserem Atmungsapparat und macht ihn anfällig für Erkrankungen. Achten Sie auf eine angenehme Luftfeuchtigkeit und sorgen Sie mit regelmäßigem „Stoßlüften“ und feuchten Handtüchern über der Heizung für ein wohltuendes Raumklima.

 

Behandlung
Falls Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind unter einer Bronchitis leidet, sollten Sie einen Kinderarzt aufsuchen. Dieser kann oft bereits beim Abhören feststellen, welche Art der Erkrankung vorliegt. Die Therapie einer akuten Bronchitis besteht bei einer rein viralen Infektion meist in der Gabe von schleimlösenden Medikamenten.

Vorsorge
Gegen Bronchitis gibt es keine Impfung. Den besten Schutz bietet ein starkes Immunsystem und ein gesunder Atmungsapparat.

 

Empfehlungen zum Verhalten bei Atemwegserkrankungen von Kinderärztin Dr. Annette Lingenauber
  • Luftwegsinfekte sind häufig, insbesondere wenn das kindliche Immunsystem z. B. in der Kita stark gefordert ist.
  • Die meisten Luftwegsinfekte sind Virusinfekte und benötigen kein Antibiotikum.
  • Gönnen Sie Ihrem Kind Ruhe, geben Sie reichlich Flüssigkeit. Falls Ihr Kind diese gut trinkt und nicht erbricht, ist erst mal alles in Ordnung.
  • Alle Getränke sind erlaubt – Wasser, Tee, verdünnte Säfte oder auch Milch.
  • Viele Kinder haben bei fieberhaften Infekten wenig Appetit. Solange die Kinder trinken, ist dies kein Problem.
  • Fieber ist eine natürliche Abwehr des Körpers, um die Erreger zu bekämpfen. Es muss nur gesenkt werden, wenn es sehr hoch ist, oder Ihr Kind zu Fieberkrämpfen neigt.
  • Kontaktieren Sie Ihren Kinderarzt, wenn das Fieber seit mehreren Tagen besteht und nicht zu senken ist und wenn Ihr Kind nicht trinkt oder sehr matt und abgeschlagen ist.
  • Husten kann ein hartnäckiges Erkältungssymptom sein, er kann auch bei einem viralen Luftwegsinfekt bis zu vier Wochen dauern. Wenn er anfallsweise auftritt, bei Pfeifen oder anderen Nebengeräuschen kontaktieren Sie bitte Ihren Kinderarzt.
  • Zum Schleimlösen eignen sich die zahlreichen Hustensäfte kaum. Honig kann gute Dienste leisten. Ätherische Öle lindern Hustenreiz und können als Salben angewendet werden.
  • Halten Sie die Nase frei, geben Sie dazu eventuell abschwellende Nasentropfen.
  • Auch viele Mittelohrentzündungen sind virale Entzündungen. Lindern Sie Ohrenschmerzen, indem Sie Ibuprofen und abschwellende Nasentropen etwa dreimal täglich anwenden. Sollten die Schmerzen nach zwei Tagen immer noch vorhanden sein oder das Ohr vorher „läuft“, kontaktieren Sie bitte Ihren Kinderarzt.
  • Last but not least: Um Ihr Kind möglichst gesund aufwachsen zu lassen, lassen Sie es nach dem Impfempfehlungen der Stiko impfen und in nikotinfreier Umgebung aufwachsen. Dies reduziert die Zahl und Dauer der Infekte.

Keuchhusten

Keuchhusten ist eine akute bakterielle Infektion der Atemwege und sehr ansteckend. Die Übertragung erfolgt per Tröpfcheninfektion über die Luft zum Beispiel beim Sprechen, Niesen und Husten. Keuchhusten hat eine lange Inkubationszeit. Der Zeitraum von der Ansteckung bis zum Ausbruch beträgt circa sieben bis 20 Tage. Für Säuglinge ist Keuchhusten eine lebensbedrohliche Erkrankung. Erst nach der Grundimmunisierung durch Impfung besteht ein Schutz.

Symptome
Das charakteristischste Symptom sind heftige Hustenanfälle, die mehrere Wochen andauern. Typischerweise verläuft Keuchhusten bei Kindern in drei Phasen. Zunächst ähnelt der Keuchhusten einer normalen Erkältung, bevor es nach ein bis zwei Wochen zu den typischen krampfartigen Hustenanfällen kommt, die bis zur Atemnot führen können. Oft folgt einem Keuchhustenanfall Erbrechen oder zumindest wird zäher Schleim herausgewürgt. Diese zweite Phase ist meist von Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit begleitet. Fieber ist selten. In der dritten Phase nehmen die Hustenattacken allmählich ab, doch bis zum Ausheilen der Krankheit kann durchaus ein Vierteljahr vergehen. Kalte Luft, Zigarettenrauch oder körperliche Anstrengung können monatelang Reizhusten auslösen.

Behandlung
Falls Ihr Kind länger als eine Woche hustet, sollten Sie unbedingt einen Kinderarzt aufsuchen. Mit Ihrem Säugling sollten Sie hingegen schon bei den ersten Erkältungsanzeichen ärztlichen Rat einholen. Ein an Keuchhusten erkranktes Kind sollte viel trinken und bevorzugt flüssig-breiige Nahrung erhalten. Aufgrund des Würgereizes und Erbrechens sind mehrere über den Tag verteilte kleine Mahlzeiten empfehlenswert. Auf Toben und Sport sollte verzichtet werden, da neue Hustenanfälle auslöst werden können. Spaziergänge an der frischen Luft sind dagegen zu empfehlen und tun gut. Regelmäßige Inhalationen mit Meersalz sowie warme Brustwickel mit Zitronensaft vor dem Schlafengehen können die Beschwerden ein wenig lindern. Insgesamt sind viel Zuwendung und Geduld nötig, da die Erkrankung durch die nächtlichen Hustenanfälle meist die gesamte Familie stark belastet.

Vorsorge
Der einzig wirksame Schutz vor einer Keuchhusten-Erkrankung ist die Impfung. Doch weder mit einer durchgemachten Erkrankung noch einer Impfung erlangt man lebenslange Immunität, so dass in Absprache mit einem Arzt Auffrischungsimpfungen notwendig sind.

Pseudokrupp

Bei dieser Atemwegserkrankung kommt es zu anfallartigem Husten. Unter Pseudokrupp-Anfällen leiden vorwiegend Säuglinge und Kleinkinder im Alter zwischen 18 Monaten und fünf Jahren. Jungen sind öfter betroffen als Mädchen. In den Herbst- und Wintermonaten sind Pseudokrupp-Anfälle deutlich häufiger als im Frühjahr oder Sommer. Virusinfektionen sind der häufigste Auslöser. Bakterielle Infektionen, allergische Reaktionen und Schadstoffbelastungen wie Tabakrauch können ebenfalls Ursachen sein.

Symptome
Oft treten Pseudokrupp-Anfälle ohne Vorwarnung auf – typischerweise in den Abendstunden oder in der Nacht. Tagsüber bleiben die Kinder in der Regel beschwerdefrei. Bei einem akuten Anfall leiden die Kinder unter trockenem, bellenden Husten, Heiserkeit und Atemnot. Charakteristisch ist das laute Einziehen der Luft beim Einatmen. Manchmal bekommen die Kinder Angst oder Panikattacken, aus Furcht vor dem Ersticken.

Behandlung
Ein Pseudokrupp-Anfall kann in unterschiedlichen Schweregraden auftreten. Obwohl diese manchmal bedrohlich wirken, verlaufen sie in der Regel harmlos. Droht jedoch akute Erstickungsgefahr, muss umgehend ein Notarzt gerufen werden. Egal wie schwer der Anfall ausfällt, wichtig ist immer, die Ruhe zu bewahren und das Kind zu beruhigen. Denn Angst kann die Beschwerden verschlimmern. Damit das Kind schnell wieder Luft bekommt, können einige Sofortmaßnahmen helfen. Auch nach einem überstandenen Pseudokrupp-Anfall ist es sinnvoll, einen Kinderarzt aufzusuchen, damit dieser abklären kann, ob weitere Erkrankungen vorliegen.

 

Sofortmaßnahmen bei einem Pseudokrupp-Anfall
  • Das Kind hochnehmen oder zumindest aufrecht hinsetzen.
  • Feuchtwarme Luft erleichtert das Atmen. Setzen Sie Ihr Kind auf den Badewannenrand und lassen sie es heißen Wasserdampf einatmen.
  • Auch ein offener Kühlschrank kann helfen. Setzen Sie Ihr Kind direkt davor. Die kühle, feuchte Luft lindert die Atemnot.
  • Ziehen Sie Ihrem Kind etwas Warmes über und stellen Sie sich an ein geöffnetes Fenster oder auf den Balkon. Frische Luft verstärkt die Sauerstoffzufuhr.
  • Beruhigt sich das Kind, sollte man ihm vorsichtig etwas Kühles zum Trinken geben. Gut sind Wasser oder Tee. Bitte keine Milch!
  • Ist der Anfall vorüber, sollte man mit dem Kind an die frische Luft gehen (bzw. sich ans offene Fenster stellen).
Wichtig: Bei schwerer Atemnot mit Erstickungsgefahr muss sofort ein Arzt gerufen werden.

 

Vorsorge
„Passiv-Rauchen“ macht Kinder besonders anfällig für Pseudokrupp. Verantwortungsbewusste Eltern sollten deswegen unbedingt auf das Rauchen in der Wohnung verzichten. Wie bei allen Atemwegserkrankungen gilt es außerdem, eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit in den Räumen zu vermeiden.