Bild zum Beitrag 'Vorhang auf!'
Beruf & Bildung

Vorhang auf!

Mit Businesstheater starke Impulse setzen
Veröffentlicht am | Schlagwörter: , , ,

Egal ob Sie sich in Ihrem Unternehmen mit Veränderungsprozessen oder aber mit gesundheitlichen Themen beschäftigen: Theatertechniken lassen sich ideal auch im Businessalltag einsetzen. Bringen Sie Kreativität in Ihr Unternehmen!

 „So geht das nicht!“ Probenleiter Sebastian Freese schaut seine beiden Musiker an. Die Cellistin und Sängerin Maria Lopez konnte nicht im Vorfeld üben, da sie einer Kollegin helfen musste und andere Termine zugesagt hatte. Pianist Henschel ist wütend, macht nur noch Dienst nach Vorschrift. Dem Oldenburger Stadtorchester fehlt vor den nächsten Auftritten das Repertoire. Nachdem die staatliche Förderung gestrichen wurde, soll nun Popmusik das Ensemble retten. „Absoluter Blödsinn!“, echauffiert sich Henschel. „Das muss man sich mal vorstellen!“

Diese Szene ist Teil einer Performance des Scharlatan Theaters zum Thema Resilienz, der Fähigkeit zur Vorbeugung und Bewältigung von Stress. Im Publikum sitzen Existenzgründer und Arbeitgeber, eingeladen vom Vertriebsgebiet Nord der DAK-Gesundheit. Das Motto der Veranstaltungsreihe: „Geschützt gegen Stress“. Das Scharlatan Theater stellt kurze Szenen aus dem Probenalltag des Orchesters dar, die dann von einem Experten für Betriebliches Gesundheitsmanagement fachkundig kommentiert werden. Eine anschließende Podiumsdiskussion schließt an die Darbietung an.

Eine Prise Humor

Das Scharlatan Theater nutzt Konzepte aus dem Businesstheater, um Veränderungsprozesse zu begleiten. Dem Ensemble gelingt es, Unternehmensthemen mit einer Prise Humor zu versehen. Das schafft Distanz und stößt Denkprozesse an. „Mit unseren Theater-Formaten holen wir das Publikum emotional ab“, erklärt Ali Wichmann, Gründer des Scharlatan Theaters und seit über 30 Jahren aktiv. „Wir zeigen Situationen aus dem Tagesgeschäft, in denen sich viele wiederfinden können. So visualisieren wir Problemstellungen, geben Lösungsimpulse und stoßen Prozesse an.“

 

Businesstheater begeistert

Klassischerweise kommen theaterpädagogische Elemente im Rahmen von Veränderungsprozessen zur Anwendung, beispielsweise wenn neue Prozesse in Unternehmen initiiert werden, eine neue Marketingstrategie entwickelt wurde, Teams umstrukturiert werden oder ein Motivationsdefizit wahrgenommen wird. „Businesstheater begeistert“, sagt Wichmann. „Und diese Begeisterung schafft eine Offenheit, in der wir Neues verankern und nachhaltig sichern können.“ Die Einsatzmöglichkeiten von Businesstheater-Elementen reichen von Teambuilding-Maßnahmen über die Sensibilisierung für Führungsstile bis hin zu individuellen Coachings.

Dabei schöpft das Unternehmenstheater aus dem Repertoire von über 3.000 Jahren Theatergeschichte. Denn: Konflikte, Lösungen und Charakterwandlungen gab es im Theater schon immer. 

 

Gemeinsam kreativ

Einen weiterführenden und interaktiven Charakter bringen Techniken aus dem Improvisationstheater in Unternehmen ein. In Workshops werden die Beschäftigten selbst zu Schauspielern und finden einen geschützten Rahmen, um sich selbst und das Team mit allen Sinnen neu zu erleben. Improvisationstheater schult die Kreativität und das Miteinander. Denn nur gemeinsam können Szenen entstehen, die bewegen. Es gilt, die Ideen des anderen wertzuschätzen und zusammen Neues zu schaffen. Und natürlich geht es auch darum, gemeinschaftlich zu lachen. Denn dies bildet eine Grundlage für die Lösung von Konflikten und die Eröffnung neuer Perspektiven und Denkansätze. Probieren Sie es doch einfach einmal aus – Sie werden überrascht sein.

Drei Fragen an Sandra Schmidt,
Expertin Betriebliches
Gesundheitsmanagement
der DAK-Gesundheit

Wie ist die Idee entstanden, Businesstheater zum Thema Resilienz einzusetzen?

Bei uns war das Scharlatan Theater schon mehrfach intern als Businesstheater eingesetzt. Die guten Erfahrungen brachten uns auf die Idee, dass dieses Format sich großartig für eine lebensnahe Auseinandersetzung mit gesundheitsbezogenen Themen eignet. Das macht nicht nur Spaß, sondern kann auch eine Alternative zu verbreiteten Klischee-Vorstellungen über betriebliche Gesundheitsförderung als freudlose Maßnahmen zur Verhaltensänderung à la „Man muss mehr Obst essen und die Currywurst grundsätzlich liegen lassen“ darstellen.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Businesstheater-Formaten?

Intern haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht: Das Businesstheater eröffnet neue Perspektiven auf humorvolle Art – auch im Bereich BGM.

Wie war das Feedback auf die Veranstaltungsreihe?

Den Teilnehmenden hat die Veranstaltung sehr gut gefallen, denn sie blieben noch lange danach sitzen, um angeregt zu diskutieren. Anhand von Beispielen aus dem Stück tauschten sie sich über verschiedene Aspekte aus ihren eigenen Unternehmen aus.

 


 

Vier kleine Theater-Übungen fürs Büro

Improvisationstheater-Elemente eignen sich hervorragend, um die Kreativität anzuregen, den Kopf frei für Neues zu bekommen und fest gefahrene Situationen aufzulockern. Unsere vier kleinen Theater-Übungen können Sie einfach und unkompliziert einmal vor dem kommenden Meeting ausprobieren. Alles, was Sie brauchen, sind fünf Minuten Zeit und Ihre Mitarbeiter oder Kollegen.

Übung 1: Assoziationskreis

Der Assoziationskreis ist eine klassische Aufwärmübung im Improvisationstheater. Die Teilnehmer bilden einen Kreis – im Meetingraum stehen alle einfach kurz von ihren Stühlen auf. Der Erste sagt irgendeinen Begriff und deutet auf einen Kollegen, zum Beispiel „Pizza“. Der Kollege wiederholt den Begriff, deutet auf einen weiteren Mitarbeiter und sagt das erste Wort, das ihm zu „Pizza“ einfällt, beispielsweise „Italien“. Der Mitarbeiter nimmt den Begriff „Italien“ an und gibt seinen neuen Impuls an einen weiteren Teilnehmer. Wichtig ist, dass der Assoziationskreis schnell durchgeführt wird. Zeit zum Überlegen sollte nicht gegeben sein. Und: Die Begriffe müssen nicht kausal miteinander verknüpft sein. Wenn einem Kollegen auf „Pizza“ der Begriff „Autoreifen“ einfällt, ist das vollkommen in Ordnung. Die Ideen sollten nicht bewertet oder kommentiert werden.

Die Ziele der Übung:

  • Sich nicht selbst zensieren
  • Die Ideen des anderen aufnehmen und fortführen

 

Übung 2: Ein-Wort-Geschichte

Die Teilnehmer stehen im Kreis. Alle erzählen in der Übung reihum eine gemeinsame Geschichte. Der Clou: Jeder darf nur ein Wort sagen. Zum Beispiel startet die Geschichte mit einem „Es“. Dann fügt der nächste Kollege ein „war“ hinzu, der links neben ihm ein „einmal“ usw. Ein kleiner Tipp: Im Rahmen dieser Übung kommt selten eine gute Geschichte zustande. Vielmehr geht es darum, die Ideen der anderen anzunehmen und mit ihren Impulsen zu arbeiten. Wer eine vollständige Geschichte bereits im Kopf hat, wird schnell merken, dass sich die Ein-Wort-Geschichte ganz anders entwickelt. Das schafft Flexibilität im Kopf und zeigt, dass Ideen auch gemeinsam ohne Vorgaben entstehen können.

Die Ziele der Übung:

  • Teambuilding-Prozesse initiieren
  • Auf den anderen eingehen
  • Sich selbst von starren Denkmustern befreien

Übung 3: Merkkreis

Die Teilnehmer stehen im Kreis. Der Erste gibt einen Begriff zu einem vorher definierten Themenfeld, zum Beispiel „Lieblingsurlaubsland“ zu einem Kollegen und macht dabei eine einladende Geste mit der Hand. Der Zweite gibt einen neuen Begriff an einen Kollegen weiter, der Dritte an den Vierten usw., bis jeder einen Begriff eingebracht hat und eine feste Reihenfolge entstanden ist. Diese Reihenfolge wird nun mehrfach wiederholt. Dann wird eine neue feste Reihenfolge etabliert, zum Beispiel zum Thema „Lieblingsfarbe“. Anschließend werden beide feste Reihenfolgen im Kreis umhergegeben. Ein Tipp: Es hilft sehr, sich zu vergewissern, dass der Begriff beim Gegenüber angekommen ist. Denn alle Reihen sollen parallel laufen.

Die Ziele der Übung:

  • Konzentration schärfen/Fokussierung
  • Den anderen wahrnehmen

 

Übung 4: Whiskymixer

Die Teilnehmer stehen im Kreis. Alles, was für diese Übung benötigt wird, sind drei skurrile Begriffe („Whiskymixer“, „Wachsmaske“ und „Messwechsel“) und ein wenig Platz um den Kreis herum. Diese Übung eignet sich nicht für einen Konferenzraum mit einem großen Tisch. Und so funktioniert‘s: Nach links wird der Begriff „Whiskymixer“ von einem zum anderen weitergegeben. Möchte ein Teilnehmer die Richtung ändern, sagt er das Wort „Messwechsel“. Dann läuft der Begriff „Wachsmaske“ rechts herum. Wer lacht, muss einmal von außen um den Kreis laufen. Und glauben Sie mir: Es läuft jeder mindestens einmal …

Die Ziele der Übung:

  • Auflockern der Teilnehmer
  • Schaffung einer angenehmen Arbeitsatmosphäre (perfekt vor intensiven Meetings)
  • Gemeinsam lachen

Klicktipp:

Im Improwiki finden Sie eine große Auswahl an Improvisationstheater-Übungen und -Spielen. Das Improwiki in nicht kommerziell und wird gemeinsam von unterschiedlichen Impro-Gruppen aus ganz Deutschland gepflegt.

Fotos: SJSK, Marion von der Mehden

Stefan Suhr