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Zukunft & Innovation

Geld für Games

Eine neue DAK-Studie untersucht erstmals die Auswirkungen sogenannter In-Game-Käufe auf Kinder und Jugendliche
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Uta und Marco Gebler* machen sich Sorgen: Ihr Sohn Lukas spielt bis spät in die Nacht Computerspiele. Oft auch noch das gesamte Wochenende. Er wirkt müde und aggressiv, Freunde waren schon lange nicht mehr zu Besuch. Seit Kurzem gibt er sein ganzes Taschengeld für Extras in seinen Games aus: für eine bessere Ausstattung seines Computer-Charakters.

Wie Lukas Gebler geht es vielen Jugendlichen in Deutschland. Rund 465.000 Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren gelten in Deutschland als Risiko-Gamer, die mehr Geld ausgeben, häufiger in der Schule fehlen und mehr emotionale Probleme haben als unauffällige Spieler. Das ist das Ergebnis der aktuellen DAK-Studie „Geld für Games – wenn Computerspiel zum Glücksspiel wird“, die sich erstmals mit dem Phänomen der In-Game-Käufe befasst.

Die Studie, die in Kooperation mit dem Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) entstanden ist, zeigt, dass die Spieleindustrie die Aufmerksamkeit der Jugend clever fesselt und ihnen auch für vermeintlich kostenlose Spiele mehr und mehr Taschengeld entlockt. Über die Hälfte der regelmäßigen Gamer gab im Zeitraum von sechs Monaten vor der Befragung Geld für die Anschaffung von Spielen oder Extras aus.

Wie Eltern Indikatoren einer potenziellen Computersucht erkennen können und welche Handlungsoptionen es gibt – das haben wir für Sie zusammengestellt.

*Name von der Redaktion verändert

 
 
 
 
 

Warnsignale: Daran erkenne ich, dass mein Kind zu viel Zeit mit Computerspielen verbringt

Die ersten Anzeichen für einen übermäßigen Computerspielgebrauch werden häufig von den Betroffenen selbst gar nicht bemerkt oder zumindest lange Zeit nicht als störend empfunden. Sehr oft sind es Angehörige, die im Verhalten des betroffenen Jugendlichen Veränderungen wahrnehmen:

  • Es gibt deutlich weniger reale Sozialkontakte.
  • Freizeitaktivitäten werden vernachlässigt oder sogar ganz aufgegeben.
  • Der Jugendliche schläft deutlich weniger oder in einem anderen Rhythmus als früher, er ist sehr oft müde.
  • Der Jugendliche ist launisch, wütend, aggressiv, depressiv verstimmt, vielleicht auch ängstlich, vor allem, wenn er/sie keinen Internet-/Computer-Zugang hat.
  • Es kommt zu Versäumnissen bei der Erfüllung von Aufgaben und Verpflichtungen.

 

Wo finden Betroffene und Eltern Hilfe?

In einem ersten Schritt sollte jemand aufgesucht werden, der leicht und ohne längere Anmeldezeit erreichbar ist. Dies können folgende Personen und Einrichtungen sein:

  • Der Hausarzt oder die Hausärztin
  • Eine Suchtberatungsstelle (die Nutzung der Angebote ist in der Regel kostenlos)
  • Weitere spezialisierte Anlaufstellen in ganz Deutschland im Internet, die Webseite des Fachverbandes Medienabhängigkeit oder die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

 

Was kann ich als Elternteil tun?

Eltern sollten ihre Kinder zu einem möglichst sicheren und verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet und Computerspielen anleiten:

  • Eltern sollten informiert sein– hilfreich ist, Inhalte der Domänen, deren Suchtpotenzial und Alterskennzeichnungen zu kennen.
  • Eltern sollten Interesse zeigen– hilfreich ist, Spielmotive, Vorlieben und Spielverhalten zu ergründen.
  • Eltern sollten Grenzen setzen– hilfreich ist, eine Antwort auf das „Wann“, „Wo“ und „Was“ zu geben.
  • Eltern sollten Alternativen anbieten– hilfreich ist, Vorschläge für eine ausgewogene Freizeitgestaltung mit positiven Erlebnissen und Möglichkeiten der aktiven Stressbewältigung aufzeigen.

 

Wie lange darf mein Kind online sein?

Das Internationale Zentralinstitut für Jugend- und Bildungsfernsehen gibt für Kinder und Jugendliche Empfehlungen zur Nutzungsdauer, zum PC im eigenen Zimmer sowie zum Internetzugang und Chatten:

  • Nutzungsdauer(PC, Spielkonsolen) max. 45 Minuten am Tag für Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren, bzw. maximal eine Stunde für Kinder im Alter elf bis 13 Jahre und max. 1,5 Stunden am Tag ab 14 Jahre
  • PC im eigenen Zimmerab zwölf Jahre, Regeln vereinbaren (zum Beispiel nicht nachts spielen)
  • Internetzugangnicht unter acht Jahre, ab acht Jahre nur für Kinder geeignete Seiten unter Aufsicht, ab zwölf Jahre auch alleine
  • Chatten nicht unter acht Jahre, ab acht Jahre nicht ohne Kontrolle und nur für Kinder geeignete Angebote, ab elf Jahre Regeln vereinbaren

Unsere Forderung: Der Glückspielcharakter muss eingedämmt werden

„Aus Spaß kann schnell Sucht werden“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Deshalb muss der Glückspielcharakter in Computerspielen eingedämmt werden. Wir brauchen wie in Belgien und den Niederlanden ein Verbot von Loot-Boxen oder Glücksrädern.“ Loot-Boxen (Beute- oder Überraschungskisten) sind eine besondere Form der Belohnung in Computerspielen. Sie enthalten Spielgegenstände und werden als Auszeichnung für erfolgreiches oder langes Spielen offeriert. Die Überraschungskisten können aber auch käuflich erworben werden.

„Durch die Tricks der Industrie finden viele Jugendliche kein Ende und verzocken Zeit und Geld“, so Storm weiter. „Es sollten für Gamer Warnhinweise eingeblendet werden, wenn bestimmte Spielzeiten überschritten sind.“

Stefan Suhr