Das Gesundheits-Magazin
Bild zum Beitrag 'Die größten Gesundheitsmythen'
Gesundheit & Fitness

Die größten Gesundheitsmythen

Um gesund und fit zu bleiben, sollten wir 10.000 Schritte am Tag gehen. Karotten sind gut für die Augen und Wunden heilen am besten an der frischen Luft. Es gibt zahlreiche Gesundheitsmythen, die fast alle kennen. Doch was ist dran? Ein Faktencheck der bekanntesten Gesundheitsmythen.

Um unseren Körper und unsere Gesundheit ranken sich unzählige Mythen. Viele dieser Behauptungen haben wir schon als Kinder gehört, haben sie übernommen und weitergegeben, ohne so recht zu wissen, was dahintersteckt. Wir haben acht Gesundheitsmythen auf den Prüfstand gestellt.

10.000 Schritte am Tag sind gesund

Schrittzähler sind im Trend – das große Ziel: die magische Marke von 10.000 Schritten am Tag zu knacken. Denn diese sind der vermeintliche Schlüssel zu einem gesunden Leben. Doch woher kommt eigentlich der Glaube an diese Zahl? Tatsächlich handelt es sich um eine Behauptung aus der Werbung, die bereits in den 1960er Jahren in Umlauf gebracht wurde. Eine japanische Firma brachte damals den ersten transportablen Schrittzähler auf den Markt. Das Gerät trug den Namen „Manpo-kei“, was im Japanischen 10.000 Schritte bedeutet. Daraus entstand zu Werbezwecken die Behauptung, 10.000 Schritte am Tag seien gesund, woraus schnell eine allgemeingültige Empfehlung wurde. Inzwischen wird diese von Expertinnen und Experten hinterfragt und angezweifelt. Wichtiger seien Intensität und Dauer der Bewegung, sodass auch schon weniger Schritte einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System haben können. Völlig unbestritten ist hingegen, dass Bewegung für einen gesunden Lebensstil unerlässlich ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, das kann zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen sein. Das doppelte Pensum, also 300 Minuten Sport mit moderater Intensität oder 150 Minuten intensives Training die Woche, kann die Leistung von Herz und Lunge verbessern, die Muskelkraft steigern und das Depressionsrisiko senken.

Wunden heilen besser an der Luft

Ein Mythos, der sich recht hartnäckig hält, jedoch so nicht stimmt. Wunden heilen am besten, wenn sie feucht bleiben. An der Luft trocknen sie aus und es bildet sich Schorf. Dieser behindert die Bildung neuer Haut und damit die Wundheilung. Deswegen werden heute meist Wundauflagen ohne großen Saugeffekt verwendet, die die Wunde länger feucht halten. Das Wundsekret kann in Ruhe fließen und Enzyme, Hormone, Wachstumsfaktoren und Antikörper in die Verletzungsregion bringen. Je weniger von dem Sekret abgetupft wird oder verdunstet, desto besser kann die Heilung verlaufen und es kann sich ungestört neues Gewebe bilden. Außerdem ist die Wunde so vor äußeren Einflüssen geschützt. Größere Verletzungen sollten deswegen unbedingt abgedeckt werden, um Entzündungen zu vermeiden. Kleine Kratzer können auch gut ohne Pflaster heilen – schneller geht es ohne aber nicht.

Viel Essen am Abend macht dick

Zu diesem Mythos gibt es unterschiedliche Studienergebnisse. Entscheidender als die Uhrzeit scheint aber die über den Tag aufgenommene Energiemenge zu sein. Wichtig ist, dass die Energiezufuhr dem eigenen Energiebedarf entspricht – wir also nur so viel essen, wie unser Körper am Tag verbraucht. Wer tagsüber schon reichlich Kalorien zu sich genommen hat, sollte abends eher zu etwas Leichtem greifen, um die Energiebilanz im Gleichgewicht zu halten. Wenn aber morgens und mittags die Mahlzeiten eher klein ausfallen, kann es am Abend ruhig eine Hauptmahlzeit geben. Vorsicht jedoch vor potenziellen Kalorienfallen durch über den Tag verteilte Snacks. Wer zwischendurch und während der Arbeit viele Kleinigkeiten zu sich nimmt, fühlt sich nie richtig satt, isst dann am Abend mehr als nötig und nimmt dadurch zu. Auch können üppige Speisen am späteren Abend das Ein- und Durchschlafen erschweren, da unser Körper nachts viele Stoffwechsel- und Organfunktionen einschränkt. Das Essen liegt uns dann buchstäblich schwer im Magen, weil es über Nacht schlechter verdaut werden kann.

Karotten sind gut für die Augen

Diesen Mythos hat vermutlich fast jedes Kind schon mal gehört, schließlich soll er dazu ermuntern, beherzt zu dem gesunden Gemüse zu greifen. Doch uneingeschränkt wahr ist die Behauptung nicht. Richtig ist, dass Karotten reichlich Beta-Carotin enthalten, eine Vorstufe von Vitamin A. Dies erfüllt im Körper eine Vielzahl wichtiger Funktionen und ist unter anderem für ein ungetrübtes Sehvermögen zuständig. Vor allem für die Netzhaut des Auges ist Vitamin A wichtig. Jedoch lässt sich allein durch den Verzehr von Karotten weder das Sehvermögen steigern noch eine Sehschwäche beheben. Karotten könnten höchstens unterstützend wirken, falls ein Vitamin A-Mangel vorliegt, was in westlichen Ländern jedoch nur sehr selten der Fall ist. Eine Überversorgung mit Vitamin A kann weder das Sehvermögen steigern noch die Sehschärfe verbessern. Klassische Kurzsichtigkeit entsteht durch einen Brechungsfehler des Lichts im Augapfel, wenn dieser zu lang ist. Die Ursache ist noch nicht abschließend geklärt. Auch wenn Karotten kein Wundermittel für die Augen sind, bleiben sie ein sehr gesundes Lebensmittel, das viele wichtige Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe liefert. Diese wirken sich unter anderem positiv auf die Verdauung, den Sonnenschutz der Haut und die Immunabwehr aus.

Schnodder darf man nicht hochziehen

Kinder lieben es, Erwachsene finden es meist furchtbar eklig. Doch gibt es auch triftige Gründe, die gegen das Nasehochziehen sprechen? Bei einer dicken Erkältung, wenn die Nase schon ganz rot und wund vom ständigen Putzen ist, wäre es ja oft ganz schön, den Schleim einfach hochzuziehen, oder? Tatsächlich gibt es sogar zahlreiche HNO-Ärztinnen und -Ärzte, die genau dazu raten. Denn der Begriff „hochziehen“ ist eher irreführend, weil das Sekret dabei nicht nach oben, sondern über den Nasenboden nach hinten in den Nasenrachen gelangt und dort hinuntergeschluckt wird. Im Magen angekommen, werden die Keime von der Magensäure zersetzt und somit unschädlich gemacht. Das Nasehochziehen hat also durchaus gesundheitliche Vorteile. Beim kräftigen Schnäuzen hingegen kann das Sekret auch dort landen, wo wir es am wenigsten haben wollen: in den Nasennebenhöhlen und sogar im Mittelohr. Entschließen wir uns trotzdem, lieber ein Taschentuch zu benutzen, sollten wir dieses regelmäßig wechseln. In der warmen Hosentasche können sich die Krankheitserreger nämlich so richtig gut vermehren.

Direkt nach dem Essen sollte man Zähne putzen

„Nach dem Essen: Zähneputzen nicht vergessen.“ Diesen Ausspruch haben vermutlich viele von uns noch im Ohr. Grundsätzlich ist regelmäßiges Zähneputzen sehr wichtig. Unmittelbar nach dem Essen ist es jedoch nicht empfehlenswert. Insbesondere nach dem Verzehr säurehaltiger Lebensmittel wie Orangen, Zitrusfrüchten, Fruchtsäften oder Limonaden ist es besser, mit dem Putzen mindestens 30 Minuten zu warten. So lange dauert es, bis nach dem Essen die natürliche Remineralisierung der Zähne abgeschlossen ist. Nehmen wir die Zahnbürste zu früh in die Hand, besteht die Gefahr, dass Zahnschmelz abgetragen wird. Bakterien haben es dann leichter, die Zähne anzugreifen. Außerdem kann sich einmal abgebauter Zahnschmelz nicht wieder neu bilden, sodass schmerzempfindliche Zähne die Folge sind.

Wer mit nassen Haaren rausgeht, wird krank

Fast jede und jeder von uns kennt das Dilemma: Die Haare sind noch nass, doch wir sind sowieso schon viel zu spät dran. Sollen wir nun einfach rausgehen? Schließlich haben wir meist schon in unserer Kindheit zu hören bekommen, dass es krank macht, mit nassen Haaren nach draußen zu gehen. Doch so einfach ist es nicht. Nasse Haare an sich können uns nicht krank machen. Dafür verantwortlich sind Bakterien und Viren. Ein intaktes Immunsystem kann diese abwehren – auch mit feuchten Haaren. Doch in der Erkältungszeit, wenn die Temperaturen niedrig sind, leistet der Körper Schwerstarbeit, um die vielen kursierenden Krankheitserreger abzuwehren, und ist oft schon etwas angeschlagen. Wenn wir dann auch noch frieren, weil wir mit nassen Haaren draußen unterwegs sind, schwächen wir unseren Körper und unsere Immunabwehr zusätzlich, was eine Erkältung zur Folge haben kann. Die nassen Haare haben dies aber nur begünstig und sind nicht die Ursache.

Ein Apfel am Tag erspart den Arztbesuch

Schon lange ist die gesundheitsfördernde Wirkung des Apfels bekannt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der erstmals im 19. Jahrhundert in einer walisischen Zeitung erschienene Ausspruch „An apple a day keeps the doctor away“ auch heute noch bekannt ist. Frei übersetzt bedeutet dieser soviel wie: wer täglich einen Apfel isst, braucht keinen Arzt. Aber hilft ein Apfel am Tag tatsächlich dabei, gesund zu bleiben? Fakt ist: Äpfel enthalten je nach Sorte mehr als 30 Mineralien und Spurenelemente, darunter so wichtige wie Kalium und Eisen, Provitamin A, die Vitamine B1, B2, B6, E und C sowie Niacin (auch Vitamin B3 genannt) und Folsäure. Damit wirken Äpfel positiv auf den Cholesterinspiegel und unseren Wasserhaushalt, die Fruchtsäuren reinigen die Zähne und regulieren die Darmtätigkeit. Es gibt Laborversuche, die zeigen, dass die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe, etwa Oligosaccharide, gegen Darmkrebs und andere Krebsarten wirken könnten. Auch das Risiko für tödliche Herzinfarkte und Schlaganfälle ließe sich laut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Oxford mit einem Apfel pro Tag verringern. Der Grund: Äpfel haben eine ähnlich positive Wirkung auf den Cholesterinspiegel wie manche Medikamente und beugen so Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.

Nina Alpers