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Eine App gegen Alkoholprobleme

Keiner redet gerne darüber. Und doch ist Sucht am Arbeitsplatz ein Thema für Unternehmen. Beim Deutschen Förderpreis für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) drehte sich alles um die Prävention speziell von Suchterkrankungen.

Jeder zehnte Beschäftigte trinkt zu viel Alkohol. Hinzu kommen Spielsucht und Rauchen auch während der Arbeitszeit, wie der DAK-Gesundheitsreport „Sucht 4.0“ zeigt. Nicht nur für den Einzelnen, auch für das Unternehmen haben Trinken, Dampfen und Gamen schwerwiegende Folgen. Betroffene Erwerbstätige sind doppelt so häufig krank wie Kollegen, die das Limit nicht überschreiten. Zudem sind sie häufig unkonzentrierter im Job oder kommen zu spät, so die weiteren Ergebnisse der repräsentativen Studie. Das Thema Sucht ist am Arbeitsplatz jedoch noch ein Tabu. Dem will der BGM-Förderpreis 2019 entgegenwirken. Eine Fachjury zeichnete im Auftrag der DAK-Gesundheit und der Kommunikationsberatung MCC in Bonn drei Unternehmen und Institutionen aus, die das Problem innovativ angehen. „Abhängigkeit kann viele Formen annehmen und macht auch vor dem Erwerbsleben nicht halt. Deshalb müssen wir genau hinsehen und handeln“, sagte Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit.

Die Gewinner im Überblick

Die Gewinner im Überblick

Auszeichnung in Gold für Diakonische Stiftung Wittekindshof

Mit einer App für die 3.300 Mitarbeitenden errang die Diakonische Stiftung Wittekindshof aus Bad Oeynhausen Gold. Das Sozialunternehmen ist an 100 Standorten in Nordrhein-Westfalen vertreten und unterstützt Menschen mit Behinderung. Die Idee: ein Online-Portal für Mitarbeitende, das über Suchtgefährdung informiert, Unterstützung und Austausch bietet. Eine App bündelt das Angebot. „Wir haben eine Zunahme des Suchtpotenzials registriert“, sagte BGM-Koordinatorin Diakonin Dr. Lieseltraud Lange-Riechmann. „Dem wollen wir mit unserer App entgegenwirken. Jeder soll nun jederzeit Informationen und niedrigschwellige Hilfsangebote bekommen.“ Einen Sachpreis im Wert von 30.000 Euro für BGM-Projekte gewann deshalb das Unternehmen. „Mithilfe der App kommen Informationen und Hilfsangebote dort an, wo sie benötigt werden“, begründete DAK-Vorstandschef Andreas Storm die Auszeichnung.

Zweiter Platz für die Polizei Hessen zum Führungsthema Sucht

Die Polizei Hessen wurde mit dem zweiten Preis ausgezeichnet: Sie plant eine E-Learning-Plattform, die Führungskräfte für das Thema Sucht am Arbeitsplatz sensibilisieren soll. Der Schwerpunkt soll vor allem auf den Gefahren exzessiver Smartphone-Nutzung liegen. Schichtdienst, Notfälle, wechselnde Einsatzorte – all das kann zu einer Belastung werden. Sucht in allen Schattierungen sei auch bei den rund 20.000 Mitarbeitenden der Polizei in Hessen ein Thema, sagte Stefan Singer, Leiter des Zentralen Polizeipsychologischen Dienstes. „Jede Suchterkrankung, die frühzeitig erkannt und angegangen wird, wirkt sich positiv auf die Organisation aus.“ Der Vorteil des Online-Angebots: Fortbildungen sind nicht an einen Seminarraum und an feste Zeiten gebunden. „Durch eine E-Learning-Plattform können Führungskräfte erreicht werden, ohne die Einsatzabläufe zu stören. Das ist die große Stärke des Konzepts“, betonte Andreas Storm. Die Polizei Hessen erhielt einen Sachpreis im Wert von 20.000 Euro.

Bronze für Evonik für eine Schnitzeljagd

Evonik schult regelmäßig Führungskräfte und Mitarbeitende zum Thema Alkohol am Arbeitsplatz – manchmal sogar per Skype. Den dritten Platz beim BGM-Förderpreis errang das Unternehmen für Spezialchemie mit einer neuen spielerischen Idee: einer Art Schnitzeljagd über das Werksgelände in Darmstadt. Die Teams folgen der fiktiven Geschichte eines alkoholauffälligen Mitarbeiters. An verschiedenen Stationen beantworten sie Fragen und lernen zugleich alle Bereiche kennen, die im Falle eines Alkoholmissbrauchs einbezogen sind. „Damit setzen wir auf ein aktives Angebot – Stichwort ‚Gamification‘“, so Martina Balzer, Projektbeauftragte der Sozial- und Mitarbeiterberatung. Das Spiel soll allen 1.300 Mitarbeitenden am Standort offenstehen. „Die Idee, ein so ernstes Thema wie das der Alkoholsucht spielend anzugehen, ist ein moderner und innovativer Ansatz. Die Mitarbeiter werden so sensibilisiert, ohne dabei in einem Seminarraum sitzen zu müssen“, lobte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Das Unternehmen freute sich über einen Sachpreis im Wert von 10.000 Euro für BGM-Maßnahmen.
Mit dem Preis zeichnen die DAK-Gesundheit und die Kommunikationsberatung MCC Institutionen, Unternehmen und Dienstleister aus, die innovative und nachhaltige Projekte im BGM planen. Der Preis, der 2019 zum fünften Mal verliehen wurde, ist mit Sachleistungen in Höhe von 60.000 Euro dotiert. Ab Frühjahr 2020 können Sie sich zu einem neuen Schwerpunktthema, das wir rechtzeitig bekannt geben, für den Preis bewerben. Weitere Informationen, ein Video zur Preisverleihung und zum Siegerprojekt finden Sie unter: dak.de/bgm-foerderpreis

Sabine Henning