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Erst Homeoffice-Hund, dann Büro-Bello?

Interview mit Markus Beyer
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Unsere Tiere müssten Pandemie-Fans sein: Statt ständig in Richtung Büro, Schule oder Sportverein zu verschwinden, waren wir zum Teil monatelang viel zu Hause. Das „Rudel“ vereint, Gassigehen am Vormittag – ein Hundetraum! Doch wie gelingt nach der intensiven gemeinsamen Zeit die Rolle rückwärts? Könnten die Erfahrungen der Corona-Zeit den Trend zum Bürohund sogar befeuern? Dazu haben wir mit Markus Beyer gesprochen, Hundetrainer und Vorsitzender des Bundesverbands Bürohund e.V. 

Markus Beyer (Hundetrainer und Vorsitzender des Bundesverbands Bürohund e.V.) mit Bürohund Nando

Wie gewöhne ich meinen Hund am besten daran, dass er werktags wieder – wie vor dem Lockdown – stundenweise allein bleibt? 

Natürlich wäre es besser, wenn es zu keiner Trennung käme und der Hund mitgenommen werden könnte. Falls das nicht möglich ist, sollte das Alleinsein ganz allmählich wieder etabliert werden. Wenn Sie das Haus verlassen, sollte das Tier verstehen, dass Sie auch wiederkommen und zwischenzeitlich keine Gefahr droht. Gewöhnen Sie es in kleinen Schritten daran – ohne großes Bohei, denn genau darauf, auf die sorgenvolle Stimmung seines Menschen, reagiert der Hund.Gehen Sie so selbstverständlich aus der Haustür wie Sie auch vom Wohnzimmer in die Küche gehen. Und beim Üben des Alleinseins bitte nicht wieder reingehen, wenn der Hund bellt oder jault. Sonst verfestigt sich dieses Verhalten möglicherweise. 

 

Erinnert sich der Hund noch daran, dass das Alleinsein vor Corona doch auch gut geklappt hat? 

Da ist sich die Wissenschaft nicht sicher. Hunde leben vornehmlich im Augenblick und schütteln mit jedem neuen Eindruck die alte Wahrnehmung ab. Teile der gemachten Erfahrungen werden aber gespeichert und damit gelernt. Wie lange es dauert, bis an eine alte Erfahrung angeknüpft werden kann, ist von Hund zu Hund verschieden. Wieder „bei null anfangen“ müssen Sie aber vermutlich nicht. 

 

Haben Sie Tipps für Hundehalter, denen das intensive Zusammensein in der Corona-Zeit so gutgetan hat, dass sie ihrem Chef gern das Thema Bürohund schmackhaft machen würden?  

Zunächst einmal sollte man nie den Fehler machen zu denken, dass andere Menschen mit dem Hund dieselben positiven Gefühle verbinden wie man selbst. Ein Hund im Büro, das bedeutet vor allem Veränderung, auf die Chefs ohne überzeugende Argumente erst mal eher keine Lust haben. Bereiten Sie sich also entsprechend vor. Statt um das Wohlbefinden Ihres Vierbeiners und um Ihre Einrichtung, die er sonst vor Kummer oder Langeweile vielleicht anknabbern würde, sollte es dabei zuallererst um die Vorzüge von Bürohunden für Unternehmen gehen. Sie ziehen Fachkräfte an, lockern das Klima auf, sind tolle Gesundheitscoaches und Botschafter in den Sozialen Medien. Das ist ein Pfund, mit dem Sie wuchern können! 

Mit welchem Effekt der Corona-Zeit auf den Bürohunde-Trend rechnen Sie? 

Ich hoffe darauf, dass die positive Erfahrung mit dem Arbeiten im Homeoffice – zu dem es ja vorher auch viele Vorbehalte gab – bei Arbeitgebern dazu führt, dass sie sich mutig auch an andere neue Gedanken wagen. Die Hundebesitzer wiederum erhöhen sicherlich ihren Druck auf Unternehmen, Bürohunde zuzulassen. Wir gewöhnen uns an das Gute. Wenn ich feststelle, wie wohl ich mich mit dem Hund unterm Schreibtisch, den kleinen Spieleinheiten und Gassigehpausen fühle und wie gut es meinem Hund dabei geht, möchten wir beide das auch beibehalten.    

 

Tierheime berichten von verstärkter Nachfrage während des Lockdowns. Haben wir wirklich etwas Wertvolles für unser Leben neu schätzen gelernt – oder ist damit zu rechnen, dass viele Tiere nach Corona wieder abgegeben werden?  

Natürlich sollte jeder, der sich einen Hund zulegt, einen Plan haben, wie er ihm auch nach dem Ende längerer Homeoffice-Episoden gerecht werden kann. Grundsätzlich rechne ich aber nach Corona mit mehr Hunden, die an Arbeitsplätze mitkommen, sowie Tierhaltern, die öfter im Homeoffice sind, als mit „Rückgaben“ an Tierheime. Wer so etwas macht, hat das Tier unter völlig falschen Voraussetzungen aufgenommen – und dann ist es manchmal das Beste, wenn es die Chance auf ein neues Zuhause bekommt. 

Das Interview führte Annemarie Lüning
Fotos: Bundesverband Bürohund e.V., Julia Brauch

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