Bild zum Beitrag '5 Fragen zum Mittagsschlaf'
Balance schaffen

5 Fragen zum Mittagsschlaf

Warum wir alle mal ein Nickerchen machen sollten

Nur acht Prozent der Deutschen halten regelmäßig Mittagsschlaf, obwohl rund 80 Prozent zwischen 13 und 15 Uhr ein Leistungsloch erleben – das Denken fällt schwer, die Augen fallen zu, die Produktivität nimmt ab. Warum ist das so und was können wir dagegen tun? Hier sind unsere fünf Fragen und Antworten zum Thema Mittagsschlaf.

Warum sind wir mittags müde?


Das sogenannte „Kantinenkoma“ ist eigentlich ein circadianes Tief. Bei den meisten Menschen gibt der Bio-Rhythmus vor, dass sie zwischen 13 und 15 Uhr einen Leistungsknick erleben. Die Körpertemperatur und der Blutdruck sinken, das Gehirn wird träge. Das passiert auch Menschen, die wenig oder nichts essen. Das Mittagessen ist also nicht ursächlich, kann die Müdigkeit aber noch verstärken, wenn es besonders fett und üppig ausfällt.

Warum halten so wenige Menschen Mittagsschlaf?


In Deutschland hat der Tag-Schlaf einen schlechten Ruf. Wer nach dem Mittagessen ein Nickerchen einlegt, gilt vielen als faul. Deshalb bieten auch nur wenige Unternehmen ihren Angestellten die Möglichkeit, sich zwischendurch aufs Ohr zu legen – oder erlauben wenigstens ausdrücklich den Power Nap auf dem Schreibtischstuhl. In Spanien und Teilen von Südamerika gehört die Siesta dagegen zum Kulturgut. In Japan wird ein Nickerchen im Büro (Inemuri) als Zeichen gesehen, dass man besonders hart gearbeitet hat. Nicht selten wird es deshalb sogar simuliert.

Wie lange dauert der optimale Mittagsschlaf?

 

Ein Power Nap erfüllt seinen Zweck nur, wenn er nicht länger als 20 Minuten dauert. Danach beginnt man in den Tiefschlaf zu fallen und fühlt sich nach dem Erwachen erstmal desorientiert und verwirrt. Je länger man geschlafen hat, desto länger braucht man, um wieder richtig wach zu werden. Echte Power-Nap-Profis stellen sich den Wecker und trinken vor dem Einschlafen einen Kaffee. Dieser braucht etwa 20 Minuten, um zu wirken, und gibt genau rechtzeitig zum Aufwachen den gewünschten Energie-Kick. Wer jetzt noch Zeit für eine Runde um den Block hat, die den Kreislauf in Schwung bringt, hat die besten Voraussetzungen, um wieder voll motiviert an die Arbeit zu gehen.

Welche positiven Auswirkungen hat der Mittagsschlaf?


Ganz einfach: Ein Nickerchen in der Mittagszeit macht fitter und konzentrationsfähiger. Die NASA fand in einer berühmten Studie heraus, dass sich die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter nach einem Power Nap um 34 Prozent erhöhte. Auch die Laune ist nach einem Schläfchen in Ehren besser – wer schön gedöst hat, ist danach ausgeglichener und kompromissbereiter. Beachtlich: Einer griechischen Studie mit 23.500 Probanden zufolge senkt ein regelmäßiger Mittagsschlaf das Infarktrisiko von Herzkranken um 37 Prozent.

Welche Firmen fördern das Nickerchen?


Zu den deutschen Unternehmen, die ihren Mitarbeitern ein Nickerchen in entsprechenden Räumlichkeiten ermöglichen, gehören unter anderen Opel, die Lufthansa, SAP, IBM und BASF. Power-Nap-Vorreiter war aber die Stadtverwaltung in der niedersächsischen 30.000-Einwohner-Stadt Vechta, die schon im Jahr 2000 das mittägliche Dösen offiziell einführte. Freiwillig natürlich, aber fast alle machten mit. Die Folgen waren erstaunlich: 2007 wurde der Stadtverwaltung Vechta die höchste Arbeitsproduktivität unter allen vergleichbaren Gemeinden in Niedersachsen attestiert.

Anne Reis