Gesund im Mund
Gesund leben

Gesund im Mund

Wir putzen uns täglich die Zähne – doch werden sie dabei auch richtig sauber? Oder gehen sie davon sogar kaputt? Die Technik entscheidet.

Kreisen, fegen oder einfach schrubben? Beim Thema Zähneputzen gehen die Vorstellungen häufig auseinander. Eine Umfrage ergab, dass vielen die richtigen Putztechniken nicht bekannt sind. Andere haben sich meist über die Jahre eine falsche Technik angewöhnt. Jeder vierte Befragte nimmt sich nicht genug Zeit dafür. Und nur knapp ein Prozent nutzt täglich Zahnseide. „Dabei ist eine gute Mundhygiene gar nicht schwer und so wichtig für gesunde Zähne und Zahnfleisch“, sagt DAK-Zahnärztin Dr. med. Roschan Farhumand. „Aber nur mit der richtigen Technik gehören die meisten Probleme mit Karies, Zahnfleischentzündungen oder auch mit Zahnersatz der Vergangenheit an.“ Vor allem für Erwachsene ist es daher wichtig, sich die über Jahre falsch angewöhnte Putztechnik abzutrainieren. Hier ist ein praktisches Mundhygienetraining in der Zahnarztpraxis sinnvoll. Denn ohne das nötige Fachwissen ist es schwierig, sich die korrekten Putztechniken selbst beizubringen.

Gelbe Zähne durch falsches Putzen
Dass Schrubben & Co. sogar richtig schädlich für die Zähne sein kann, wissen die wenigsten: Das Zahnfleisch wird verletzt, zieht sich zurück und legt die Zahnhälse frei. Durch zu starken Druck mit der Bürste wird der Zahnschmelz quasi weggeschmirgelt. „Die Folge sind sogenannte keilförmige Defekte an den Zahnhälsen“, so Dr. Farhumand. „Außerdem wird die Schmelzschicht dünner und das gelbliche Zahnbein kann durchscheinen.“ Grund genug, sich selbst mal beim Zähneputzen zu beobachten und sein „Werkzeug“ unter die Lupe zu nehmen. Denn harte Borsten etwa sind nicht mehr zeitgemäß. Möglichst weich sollten sie sein und die Zahncreme so wenig Schleifmittel wie möglich enthalten. Wer dann noch einmal täglich die Zahnzwischenräume mit Interdentalbürsten oder Zahnseide reinigt, ist auf der sicheren Seite. Ob vor oder nach dem Zähneputzen, morgens oder abends, ist egal. „Jeder sollte selbst schauen, wann es am besten in den Tagesablauf passt. Wer abends für Zahnseide zu müde ist, nutzt sie halt morgens. Da spricht nichts dagegen“, so Dr. Farhumand.

Kreisen oder rütteln
Damit die Beläge auch wirklich entfernt werden, ist ein gezielter Einsatz der Zahnbürste wichtig: Dafür setzt man sie halb auf den Zahn, halb auf das Zahnfleisch – mit den Borsten schräg in Richtung Zahnfleischsaum. Mit wenig Druck und sehr kleinen kreisenden oder rüttelnden Bewegungen langsam jeden Zahn einzeln putzen und über die Zahnreihe wandern. Für die Zahnzwischenräume gibt es die Interdentalbürsten, die sehr einfach in der Anwendung sind. Nur die Größe muss stimmen. Die Prophylaxe-Experten in der Zahnarztpraxis können sie bestimmen. Bei sehr eng stehenden Zähnen ist Zahnseide sinnvoll. Auch eine feste Reihenfolge beim Putzen hat sich bewährt. Die KAI-Methode, eigentlich für Kinder gedacht, ist beispielsweise recht simpel: Erst werden die Kauflächen geputzt, dann die Zähne von Außen, dann von Innen. Für Männer haben gesunde Zähne und Zahnfleisch übrigens noch einen weiteren Nutzen: Studien zeigen, dass chronische Entzündungen im Mund Gefäßerkrankungen begünstigen. Daraus resultierende Gefäßverengungen können zum Beispiel für Herzinfarkte, Schlaganfälle und laut einer Studie unter Umständen auch für Erektionsstörungen mitverantwortlich sein.

Nina Osmers

 

Angst vorm Zahnarzt? Das hilft!

Sie haben seit Jahren keinen Fuß mehr in eine Zahnarztpraxis gesetzt? Beim Lächeln bleiben Ihre Lippen geschlossen? Damit sind Sie nicht allein. Denn etwa jeder zehnte Patient leidet unter starken Zahnbehandlungsängsten. „Meistens sind schlechte Erfahrungen in der Kindheit Ursachen für Phobien“, erklärt Dr. med. Roschan Farhumand, Zahnärztin bei der DAK-Gesundheit. Betroffene durchlaufen dann häufig einen Teufelskreis. Mangelnde Pflege und unzureichende Vorsorge lösen Schamgefühle und Depressionen aus.

Doch was können Patienten tun? „Lassen Sie sich bei der Behandlung vom Zahnarzt genau erklären, was passieren soll, und sprechen Sie offen über die Bedenken“, rät die DAK-Expertin. Die Behandlung sollte außerdem in kleinen Schritten erfolgen, um Raum für Erfolgserlebnisse zu bieten. Das Gefühl, dem Zahnarzt ausgeliefert zu sein, lasse sich mit einem Trick umgehen: „Vereinbaren Sie mit dem Arzt ein Signal, mit dem Sie die Behandlung jederzeit unterbrechen können. Sie werden feststellen – zum Einsatz wird es höchst wahrscheinlich nicht kommen.“

Kurzinterview

Fluorid – Wunderwaffe oder schädlich?

Vier Fragen an Dr. med. Roschan Farhumand, Zahnärztin bei der DAK-Gesundheit

Wofür ist Fluorid gut?
Fluoride können Karies nicht aufhalten. Aber sie verlangsamen ihr Entstehen, weil sie den Zahnschmelz etwas widerstandsfähiger gegenüber Säuren machen.

Ersetzen Fluorid-Tabletten das Putzen?
Auf keinen Fall. Wer seine Zähne nicht zweimal täglich gründlich reinigt und einmal am Tag die Zahnzwischenräume säubert, riskiert seine Zahn- und Zahnfleischgesundheit. Daran können auch fluoridierte Zahnpasta, Speisesalz oder Mineralwasser nichts ändern.

Hilft es bei entzündetem Zahnfleisch?
Auch bei der Vorbeugung von Zahnfleischentzündungen und Parodontitis hilft nur fleißiges Putzen. Fluoride bieten keine Schutzwirkung gegen diese Erkrankungen.

Wer sollte mit Fluorid vorsichtig sein?
Vor allem Frauen mit Osteoporose, denn Fluorid steht im Ruf, diese Erkrankung zu begünstigen.