Das Gesundheits-Magazin
Bild zum Beitrag 'Hoffnung aus dem Blut'
Gesundheit & Fitness

Hoffnung aus dem Blut

Im Kampf gegen das neuartige Coronavirus stehen den Fachleuten bisher weder speziell dafür zugelassene Medikamente zur Verfügung noch Impfstoffe. In dieser Not könnte gespendetes Blutplasma ein Hoffnungsschimmer sein.

Im Blut von geheilten Corona-Patienten schwimmen Antikörper, die sich über eine Blutplasmaspende weitergeben lassen. Es sind Eiweiße, die das Immunsystem als Waffen im Kampf gegen das Coronavirus einsetzt. Ärzte könnten schwer Erkrankten diese fremden Antikörper verabreichen, um ihnen möglicherweise zu helfen. Universitätskliniken berichten über erste Fälle, in denen diese experimentelle Therapie schwer Erkrankten bereits geholfen hat.

Dr. med. Maike Reher, DAK-Gesundheit

„Das Prinzip ist das einer Passiv-Impfung“, erklärt Dr. med. Maike Reher von der DAK-Gesundheit. „Passiv deshalb, weil der Körper direkt die Antikörper bekommt und sie nicht selbst aktiv bilden muss. Es gibt gute Gründe zu glauben, dass eine solche Behandlung mit fremden Antikörpern funktionieren kann und sie den Krankheitsverlauf mildert und verkürzt“, so Dr. Reher. Allerdings werde man dies nur durch wissenschaftliche Studien sicher herausfinden können.

In mehreren Universitätskliniken laufen bereits entsprechende Forschungsprogramme. Sie suchen dafür Patienten, die wieder gesund sind und bereit, Blutplasma für eine Behandlung von Schwerkranken zu spenden. Sie müssen mehrere Kriterien erfüllen: positives Testergebnis über eine Corona-Infektion, mindestens 14 Tagen Symptom-Freiheit, mindestens ein negativer Testabstrich zum Beweis der aktuellen Viren-Freiheit. Außerdem dürfen die Spender nicht jünger als 18 und nicht älter als 60 Jahre sein.

„Solche Studien sind richtig, auch wenn es natürlich sein kann, dass die Ergebnisse nicht so sein werden, wie wir sie uns erhoffen“, betont Dr. Reher. Deshalb sollte eine Behandlung mit Antikörpern aus gespendetem Blutplasma zum jetzigen Zeitpunkt auch ausschließlich im Rahmen solcher Forschungsprogramme erfolgen. „Es ist ein schönes Zeichen der Solidarität, wenn sich genesene Patienten durch eine Blutplasmaspende für die Heilung von schwer COVID-19-kranken Mitmenschen einsetzen“, sagt Dr. Reher.

Die Bereitschaft, Blutplasma zu geben, ist hoch. In Erlangen und in Münster etwa werden keine Spender mehr gesucht. In Münster beispielsweise hatten sich innerhalb weniger Tage rund 4.000 potenzielle Spender gemeldet. An der Medizinischen Hochschule Hannover sowie dem Klinikum Dortmund hingegen können sich Interessierte noch melden. E-Mail an RKP-Spende@mh-hannover.de bzw. blutspende@klinikumdo.de genügt. Auch das Universitätsklinikum Regensburg sucht noch Blutplasmaspender (Telefonnummer 0941 944-5000). „In jedem Fall ist es sinnvoll“, so Dr. Reher, „sich bei der nächstgelegenen Universitätsklinik zu informieren. Auch für eine Blutplasmaspende sollte in Coronazeiten keine weite Reise unternommen werden.“

Dorothea Wiehe