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Im Dialog mit Jugendlichen

Was Arbeitgebern bei der Suche nach Azubis hilft

Viele Betriebe finden nicht genügend Auszubildende. Rund ein Drittel aller Lehrstellen in Deutschland sind derzeit unbesetzt. Für Unternehmen wird es daher immer wichtiger, sich mit der jungen Generation auseinanderzusetzen. Nur wer die Bedürfnisse der Jugendlichen kennt und sich auf sie einstellt, wird bei der Suche nach Auszubildenden erfolgreich sein. Hier erfahren Sie, worauf es bei der Nachwuchssicherung ankommt.

Glaubt man der jüngsten SINUS-Studie, können sich Unternehmen über die heute 14- bis 17-Jährigen freuen. Die Jugendlichen stellen die Autorität des Chefs nicht infrage, sie sind leistungsbereit, legen Wert auf Pünktlichkeit. Doch wie kann man sie als Azubis gewinnen? Gezielt ansprechen kann sie nur, wer ihre Ansprüche und Bedürfnisse kennt, wer weiß, wie sie ticken – und sie ticken unterschiedlich. So identifiziert die Studie sieben Milieus, die die wichtigsten Gruppen beschreiben. Betriebe sollten sich deshalb mit der jungen Generation auseinandersetzen, sie sollten wissen, was sie bewegt.

Was Teenagern heute wichtig ist

Sie sind anpassungsbereit, akzeptieren Leistungsnormen und Tugenden wie Pünktlichkeit oder Disziplin. Die meisten der heute 14- bis 17-Jährigen wollen sein wie alle. „Mainstream“ ist das Ziel, das Aufbegehren gegen Eltern, die Abgrenzung, ist ihnen fremd. Sie eint der Wunsch nach Sicherheit, Halt, Orientierung und Geborgenheit in einer unübersichtlichen, globalisierten Welt. Eine Mehrheit ist sich einig, dass ein gemeinsamer Wertekanon von Freiheit, Aufklärung, Toleranz und sozialen Werten gelten muss, weil nur er das gute Leben, das man hat, garantieren kann.

So steht es in der „SINUS-Jugendstudie 2016“, die unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung in Auftrag gegeben wurde. Mit der Befragung lassen sich die Jugendlichen statistisch gesehen nicht über einen Kamm scheren. Die 72 Interviews mit Jugendlichen geben aber Einblick in die Lebenswelten der 14- bis 17-Jährigen. Die Studie unterscheidet zwischen sieben Gruppen. Sie reichen von den bodenständigen konservativ-bürgerlichen über die pragmatischen Jugendlichen bis hin zu den „Durchbeißern“, die sich trotz schwieriger Startvoraussetzungen um Teilhabe bemühen.

Die ausführliche SINUS-Studie finden Sie unter www.sinus-akademie.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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So erreichen Arbeitgeber junge Nachwuchskräfte

1. Schüler frühzeitig einbinden

 

Praktika oder Ferienjobs sind zwei Möglichkeiten, um mit Jugendlichen in Kontakt zu kommen. Viele Schüler, die während ihres Praktikums gut betreut wurden, können sich vorstellen, auch später im Unternehmen zu arbeiten. Girls‘ Days und Boys‘ Days bringen Mädchen und Jungen das Unternehmen nahe, wie überhaupt der Austausch mit Schulen vor Ort, etwa in Form einer Kooperation, ein Erfolg versprechendes Instrument ist.

2. Jugendliche ins Unternehmen einladen

 

Auch Betriebsbesichtigungen und Tage der offenen Tür sind gut geeignet, um junge Menschen für eine Ausbildung zu interessieren. Hier können Produkte vorgestellt, derzeitige oder ehemalige Azubis eingebunden werden, die von ihren Erfahrungen berichten und so besonders glaubwürdig sind. Klar herausgestellt werden sollte, warum die Jugendlichen sich für diesen und keinen anderen Betrieb entscheiden sollten.

3. Eltern als Fürsprecher

 

Sie sollten auch die Eltern einbeziehen. Denn viele der jungen Leute wohnen zum Zeitpunkt ihres Schulabschlusses noch zu Hause, sie vertrauen auf den Rat ihrer Eltern. Diese können auf der Homepage, auf Messen oder in speziellen Elternsprechstunden gezielt angesprochen werden. Dies trägt auch zur Imagebildung bei. Die Erfahrung zeigt, dass der beste Weg, qualifizierte Auszubildende zu gewinnen, ein guter Ruf ist. Der spricht sich herum – und Mund-zu-Mund-Propaganda ist immer noch die beste Werbung.

4. Das Internet nutzen

Überhaupt: Auf das „Wie“ kommt es an! Um Jugendliche zu begeistern, braucht es keinen Fachvortrag, sondern anschauliche Praxisbei-
spiele und Ansprechpartner aus den Unternehmen, die konkret zeigen und erzählen, wie der Berufsalltag aussieht, und einen Eindruck vom Betriebsklima vermitteln. Der Informationsbedarf ist enorm, denn die wenigsten Jugendlichen haben eine konkrete Vorstellung von den über 300 Lehrberufen in Deutsch-
land. Für die Informationsbeschaf-
fung nutzt die große Mehrheit der Schüler das Internet. Laut einer repräsentativen Studie der DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen schätzen Eltern die Dauer der privaten Inter-
netnutzung ihrer 12- bis 17-jährigen Kinder werktags auf rund zwei-
einhalb Stunden täglich. An einer gut gemachten Ausbildungsweb-
site mit Videos über den Ausbil-
dungsberuf, mit einer Vorstellung der Ausbilder, mit dem Aufzeigen von Entwicklungsperspektiven kommen ambitionierte Betriebe kaum vorbei.

5. Individuelle Lösungen finden

Nachgedacht werden sollte auch über die gezielte Ansprache neuer Gruppen. Das können Studienabbrecher sein oder Flüchtlinge, wobei ein gesicherter Aufenthaltsstatus und ausreichende Deutschkenntnisse die wichtigsten Voraussetzungen für eine Einstellung sind.

Anders als in der SINUS-Studie beschrieben, beklagen viele Unternehmen fehlende Leistungsbereitschaft und ungenügende Kenntnisse der jungen Leute, etwa in Mathematik. Individualisierte Angebote können hierauf eine Antwort sein. Leistungsstarke Jugendliche können gewonnen werden, indem ihnen etwa Zusatzqualifikationen oder ein beruflicher Auslandsaufenthalt ermöglicht werden. Die nicht ganz so leistungsfähigen kann man durch Nachhilfe im Unternehmen oder eine möglichst praxisorientierte Gestaltung der Ausbildung
stärken.

Rainer Busch