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Impfen in jedem Alter

Wichtige Fakten auf einen Blick

Ein kleiner Pikser kann Leben retten. Und nicht nur das eigene, sondern auch das von anderen. Doch welche Impfungen sind wirklich wichtig? Wie schützt man sich und seine Familie ein Leben lang am besten? Fest steht: Viele Krankheiten werden zwar als Kinderkrankheiten bezeichnet. Sie sind aber alles andere als „Kinderkram“. Sie sind hochansteckend, können sich schnell ausbreiten und haben oft fatale Folgen. Auch Erwachsene sind nicht automatisch geschützt. Nur wenn möglichst viele Menschen geimpft sind, kann eine starke Verbreitung verhindert werden. „Herdenschutz“ nennt das die Medizin und meint damit: Der eigene Impfschutz trägt gleichzeitig zum Schutz der Gemeinschaft bei.   

Der Impfschutz beginnt bestenfalls schon im Säuglingsalter. Bereits am Ende der sechsten Lebenswoche können Neugeborene ihre erste Grundimmunisierung gegen die sogenannten Rotaviren bekommen. Sie sind die weltweit häufigste Ursache für schwere Durchfallerkrankungen bei Kindern. Weitere Symptome: Erbrechen und Fieber. Gerade für kleine Kinder kann das Rotavirus gefährlich werden. Achtung: Das Virus wird über die Mundschleimhaut übertragen. Deshalb sind besonders Kleinkinder gefährdet, weil sie Spielzeuge und andere Gegenstände oft in den Mund nehmen.

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Schon mit zwei Monaten sechsfach geschützt

Zwei Monate alte Babys werden zum ersten Mal sechsfach geimpft. Gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B und Hib (Haemophilus influenzae Typ b). Insgesamt bekommen Kinder im Alter von bis zu 14 Monaten diese Impfung viermal. Von vielen Krankheiten hat man schon gehört. Aber wie werden sie eigentlich übertragen? Und welche Folgen haben sie?

Tetanus: Ein Katzenbiss kann tödlich sein

Tetanus, auch Wundstarrkrampf genannt, ist eine häufig tödlich verlaufende Infektionskrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird. Über kleine Verletzungen gelangen die Bakterien in den Körper, führen dort zu Muskelkrämpfen der Kaumuskulatur und Schluckstörungen. Schon ein kleiner Tierbiss, beispielsweise von einer infizierten Katze, kann das Bakterium übertragen. Mit schlimmen Folgen. Ein weiteres Problem: Der Keim kann Sporen bilden, die in Staub und Erde lange überleben und sich auch in Wunden ohne Sauerstoffversorgung vermehren. Deshalb wird bei jeder verschmutzten Wunde der Impfschutz kontrolliert. Auch Erwachsene sollten also immer mal wieder in ihren Impfpass schauen und nachsehen, wie lange die letzte Tetanus-Impfung zurückliegt. Tetanus muss man regelmäßig wieder auffrischen lassen.

Diphtherie kann zum Ersticken führen

Durch Niesen, Husten oder Sprechen werden Diphtherie-Bakterien übertragen. Etwa ein bis fünf Tage nach einer Infektion der Atemwege bilden sich fest haftende Beläge in Nase, Rachen oder der Luftröhre. Diese können die Atemwege komplett verschließen, sodass der Patient daran erstickt. Zudem verursacht das Bakterium Organschäden, führt schlimmstenfalls zu Herzversagen oder Nervenlähmung. Selbst wenn der Kranke all das überlebt, muss er mit den Schäden leben, die das Bakterium verursacht hat – sie sind irreparabel. Trotz des mittlerweile hohen medizinischen Standards sterben immer noch fünf bis zehn Prozent der Erkrankten. Eine Impfung schützt!

Keuchhusten für Säuglinge besonders gefährlich

Ebenfalls durch die sogenannte „Tröpfcheninfektion“ – Niesen, Husten, Sprechen – wird Keuchhusten übertragen. Die Bakterien können bis zu einem Meter durch die Luft fliegen und sich so weiter verbreiten. Wer nicht geimpft ist, setzt sich einem hohen Risiko aus. Beinahe jeder Kontakt mit einem Infizierten führt nämlich dazu, dass sich der Ungeschützte ansteckt. Ob jemand infiziert ist, erkennt man übrigens nicht auf den ersten Blick. Ein Geimpfter kann gesund bleiben, das Bakterium aber trotzdem in sich tragen und weitergeben.

Keuchhusten verläuft typischerweise in drei Phasen. Am Anfang fühlt sich der Betroffene für ein bis zwei Wochen schlapp und schwach. Er hat Erkältungssymptome wie Schnupfen und Husten – allerdings nur selten Fieber. Dann beginnt das Stadium, dem die Krankheit ihren Namen verdankt. Typisch ist ein langwieriger, trockener Husten. Die häufigen Hustenanfälle sind quälend, besonders nachts. Oft führen die Hustenanfälle zum Herauswürgen von zähem Schleim und anschließendem Erbrechen. Wer sich angesteckt hat, hat keinen Appetit und schläft meist wenig.

Das Problem: Bei Neugeborenen und Säuglingen führt Keuchhusten nicht selten zu Atemstillständen. Keuchhusten ist für sie also lebensbedrohlich. Weitere Komplikationen bei den kleinen Patienten: Lungen- und Mittelohrentzündungen. Einen wirksamen Schutz erhalten die Kinder erst durch eine Impfung.

„Schluckimpfung ist süß – Kinderlähmung ist grausam“

Zur Sechsfach-Impfung im Säuglingsalter gehört auch jene gegen Kinderlähmung. Wobei dieser Name wirklich irreführend ist. Denn auch Erwachsene können sich mit dem Polio-Virus anstecken. Diese Viren werden meistens über verunreinigtes Wasser übertragen und befallen hauptsächlich Teile der sogenannten grauen Rückenmarksubstanz. Die Folge: dauerhafte Lähmungen. Der Begriff Kinderlähmung stammt noch aus den 1960er-Jahren, als die Krankheit sehr weit verbreitet war und schon Kinder meist vor dem fünften Lebensjahr betroffen waren. Die letzte große Erkrankungswelle gab es 1960/1961 mit mehr als 9.000 registrierten Fällen. Mit der flächendeckenden Impfaktion „Schluckimpfung ist süß – Kinderlähmung ist grausam“ wurde in der Bundesrepublik eine große Impfaktion gestartet. Mit Erfolg!

Hepatitis B: Jährlich sterben rund 800.000 Menschen

Hepatitis B ist eine Infektionskrankheit der Leber. Diese kann völlig unbemerkt bleiben oder mit Symptomen wie Fieber, Gelenkschmerzen oder Gelbsucht einhergehen. Langfristig verursacht sie schwere Leberschäden. Hepatitis-B-Viren werden durch Geschlechtsverkehr übertragen, auf dem Blutweg oder während der Geburt von der Mutter auf das Kind. Erste Anzeichen, dass man sich möglicherweise angesteckt hat: Erschöpfung, Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Gelenkschmerzen und leichtes Fieber. Nur bei etwa einem Drittel der Betroffenen kommt es nach drei bis zehn Tagen zu den typischen Zeichen einer Gelbsucht – gelbe Haut und gelbe Augen.

Auch wenn sich die Symptome auf den ersten Blick nicht so gravierend anhören, sind die Folgen erschreckend. Schätzungsweise sterben jährlich 800.000 Menschen an Hepatitis B. Ungefähr ein Viertel der Erwachsenen, die sich in der Kindheit mit dem Virus angesteckt haben, sterben später an Leberkrebs oder Leberzirrhose. Eine Impfung schützt.

Hirnhautentzündungen durch Hib

Zur Sechsfachimpfung gehört auch ein Schutz gegen Hib. Hib steht für Haemophilus influenzae Typ b und verursacht bei Kindern bis zu drei Jahren in erster Linie eine besonders schwere Hirnhautentzündung. Das Bakterium kann aber auch zu einer Lungenentzündung, einer Blutvergiftung und einer Herzmuskelentzündung führen. Zudem kann es zu einer Kehlkopfentzündung kommen. Der Kehlkopf schwillt an wie eine Kirsche und das Kind erstickt.

Übertragen wird das Bakterium durch kleine Tröpfchen beim Husten oder Niesen. Doch auch gegen diese Krankheit werden die Kinder bereits im Alter von zwei Monaten geimpft. Die Erkrankung ist mit der Einführung der Impfung quasi verschwunden. Es gibt mittlerweile eine Arztgeneration, die diese Erkrankung noch nie gesehen hat.

Die „typischen“ Kinderkrankheiten

Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sind Infektionen, die viele als typische Kinderkrankheiten bezeichnen. Mit Impfungen beginnt der Kinderarzt bei Babys ab elf Monaten. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Kombiimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln, abgekürzt MMR-Impfung. Die erste Impfung sollte im Alter von elf bis 14 Monaten erfolgen. Die zweite spätestens gegen Ende des zweiten Lebensjahrs.

 

Susanne Holz