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Kneippen: Gesundheit im Einklang mit der Natur

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Über 170 Jahre ist es her, dass Sebastian Kneipp sein ganzheitliches Therapiekonzept entwickelte. Bis heute sind die belebenden Wasseranwendungen Teil einer jeden Kneipp-Kur und lassen sich auch wunderbar zu Hause umsetzen. Nicht nur an heißen Tagen sind sie wohltuend und vitalisierend. Kein Wunder also, dass das Kneippen auch heute noch jede Menge Anhänger hat.

„Wer nicht jeden Tag etwas Zeit für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für seine Krankheit opfern.“ Das wusste bereits Sebastian Kneipp. Heute sprechen wir von Prävention und tun meist viel dafür, fit und gesund zu bleiben. Kneipps ganzheitliches Konzept, das auf die Kraft der Natur setzt, kann dabei helfen. Am bekanntesten ist Kneipps Hydrotherapie, also die Behandlung mit Wasser. Doch letztlich basiert sein Ansatz auf fünf Säulen: Neben den Wasserbehandlungen gehören dazu auch Bewegung, Ernährung, Pflanzen beziehungsweise Heilkräuter und die Ordnungstherapie, heute würden wir wohl eher von seelischem Gleichgewicht oder Balance sprechen.

Wie ist die Kneipp-Kur entstanden?

Sebastian Kneipp, der Namensgeber und Erfinder der Kneipp-Kur, erkrankte als Student an der Lunge, vermutlich litt er an Tuberkulose. Weil die Ärzte ihm nicht weiterhelfen konnten, suchte er nach anderen Therapiemöglichkeiten. Als er in der Bibliothek etwas über Kaltwassertherapie las, probierte er es aus und nahm regelmäßig kurze Bäder in der kalten Donau. Es half. Überzeugt von seiner Methode, entwickelte Kneipp diese weiter und begann, auch andere Kranke zu therapieren. Sebastian Kneipp war jedoch kein Arzt, sondern Pfarrer und seine Heilmethoden stießen in der Kirche auf Ablehnung. Dennoch veröffentlichte Kneipp zwei Bücher über seine Verfahren: „Meine Wasserkur“ erschien 1886 und drei Jahre später „So sollt ihr leben“. Seine Wasserkuren erlangten immer größere Beliebtheit und sein Wohnort Wörrishofen im Allgäu ist noch heute ein bekannter Kneipp-Kurort.

Wärme und Kälte

Das Grundprinzip einer Kneipp-Anwendung ist der Wechsel zwischen Wärme und Kälte. Kurze Kaltwasser-Reize verengen zeitweise die Blutgefäße – Wärme erweitert sie wieder. Dieses Reiz-Reaktionsprinzip ist inzwischen gut erforscht und wird zum Beispiel auch beim Saunieren genutzt. Es geht bei den Anwendungen mit kaltem Wasser jedoch nicht darum, sich zu quälen. Wer bereits friert, sollte darauf verzichten oder die Behandlung beenden und sich schnell aufwärmen. Es ist besser, auf sanfte als zu starke Reize zu setzen. Das erkannte auch Sebastian Kneipp und passte seine Therapie immer weiter dahingehend an.

 

Positive Wirkung

Kneippen soll sich vielfältig positiv auf den Körper auswirken. Vorausgesetzt, es wird regelmäßig angewendet, kann es unter anderem das Immunsystem und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Dies geschieht durch die Anregungen der Durchblutung, des Kreislaufs, des Nervensystems und des Stoffwechsels. Kneipp-Kuren werden deswegen auch zur Heilungsunterstützung verschiedener Krankheiten von Herz-Kreislauf-Problemen über Atemwegserkrankungen, Schlaf- oder Stoffwechselstörungen bis hin zu Rheuma oder Rückenschmerzen angewandt. Sie können in manchen Fällen die Symptome lindern, dienen aber nicht der alleinigen Therapie. Wer den ganzheitlichen Ansatz der Kneipp-Medizin unter ärztlicher Aufsicht kennenlernen möchte, hat an vielen verschiedenen Orten in ganz Deutschland die Möglichkeit, eine Kneipp-Kur zu machen.

Wassertreten – so geht's!

Das Wassertreten ist vermutlich eine der berühmtesten Disziplinen einer jeden Kneipp-Kur. Es gibt in Deutschland über 650 Kneipp-Anlagen. Sie laden an Bächen, in Parks und Wäldern zum spontanen Wassertreten ein. Beim richtigen Wassertreten gehen Sie im Storchengang, das bedeutet, Sie heben die Füße möglichst so weit, dass diese über der Wasseroberfläche sind. Außerdem sollten Sie ein paar weitere Dinge beachten:

  • Steigen Sie nur mit warmen Füßen in das Becken.
  • Verlassen Sie das Wasser, wenn der Kältereiz einsetzt.
  • Trockenen Sie Ihre Füße nicht ab, sondern streifen Sie das Wasser mit den Händen ab.
  • Bleiben Sie nach dem Wassertreten in Bewegung, um Ihre Beine und Füße warm zu halten.
  • Bei Unterleibsbeschwerden oder Blasenentzündung verzichten Sie besser auf das Wassertreten.

 

Übrigens: Es reichen bereits 30 Sekunden im Wasser, geübte Kneipper können auch etwas länger bleiben.

Kneipp für zu Hause

Es muss nicht gleich eine Kneipp-Kur sein, viele von Kneipps Wasseranwendungen lassen sich auch zu Hause durchführen. Klären Sie jedoch möglichst vorher mit Ihrem Arzt ab, ob diese Therapieform für Sie geeignet ist, insbesondere wenn bereits Vorerkrankungen vorliegen. Nehmen Sie sich dann viel Zeit für das Kneippen und verbinden Sie die Anwendungen mit Entspannung und Ruhe. Bevor Sie loslegen, achten Sie immer darauf, eine wohltemperierte Haut zu haben und niemals zu stark auszukühlen. Außerdem sollten Sie kurz vor und nach dem Essen auf Anwendungen verzichten.

Güsse und Bäder

Neben dem Wassertreten, das Sie auch in der eigenen Badewanne durchführen können, gibt es noch weitere Wasseranwendungen. Zum Beispiel die Güsse. Durch das Begießen bestimmter Körperteile mit kaltem Wasser werden die Durchblutung der Haut angeregt und die Muskeln gestärkt. Die Güsse können mit einem schwachen Wasserstrahl aus der Duschbrause oder einer Kanne ausgeführt werden. Damit der Körper nicht auskühlt, sollte die Umgebungstemperatur nicht unter 20°C liegen. Eine Möglichkeit ist der Armguss. Setzen Sie sich bequem hin und lassen Sie das kalte Wasser langsam und ohne Unterbrechung vom rechten Handrücken zur Schulter wandern und dann wieder hinunter. Das Ganze wiederholen Sie anschließend mit dem linken Arm. Diese Anwendung soll gegen Müdigkeit und Herzrasen helfen und das Immunsystem stärken.

Kurze Bäder können ebenfalls Teil einer Kneipp-Therapie sein. Zu Hause können Sie zum Beispiel ein Wechselbad für die Füße durchführen. Stellen sie je eine Wanne mit kaltem und warmem Wasser nebeneinander und setzen Sie sich davor. Nun können Sie die Füße zuerst für fünf Sekunden ins warme Wasser, danach sofort für zehn Sekunden in das kalte Wasser tauchen. Wiederholen Sie das Ganze mehrmals.

Kneipps ganzheitliche Therapie

In Kneipps Konzept sind die Wasseranwendungen jedoch nur eine der fünf Säulen. Bewegung, Ernährung, Pflanzen und Balance zählen ebenfalls dazu, sodass Kneipps ganzheitlicher Ansatz als ein Ursprung der modernen Naturheilkunde gilt. Kneipp sah die Natur als Apotheke, und viele Pflanzen und Kräuter werden auch heute noch eingesetzt. So können zum Beispiel Kräuter und ätherische Öle den Effekt von Kneippschen Güssen und Bädern verstärken. Beliebte Pflanzen sind dabei Lavendel, Rosmarin und Salbei. Auflagen oder Wickel mit Heublumen gelten als natürliches Schmerzmittel und sollen Muskelbeschwerden lindern. Außerdem empfahl Kneipp leichte und regelmäßige Bewegung. Dazu einfache, nahrhafte Ernährung, die sich heute vor allem im Konzept des Clean Eating wiederfindet, bei dem weitgehend auf industriell gefertigte Lebensmittel verzichtet wird und stattdessen frische, unverarbeitete und regionale Zutaten verwendet werden. Als fünfte Säule sieht Kneipp das „Prinzip der Lebensordnung“ vor. Was etwas verstaubt anmutet, ist der absolut zeitgemäße Gedanke, achtsam mit sich selbst zu sein und innere Balance durch Ausgleich und Entspannung zu finden. Für ein gesundes Leben nach Kneipp sollten alle fünf Säulen gleichermaßen beherzigt werden und im Einklang miteinander stehen.

Nina Alpers