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Familie & Freizeit

Mit Freude lernen

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Das neue Schuljahr ist in vollem Gange. Hausaufgaben machen, Lesen oder Vokabeln lernen – auch zu Hause müssen die Schülerinnen und Schüler noch die eine oder andere Lerneinheit einlegen. Lerntrainerin und IntraActPlus®-Therapeutin Karin Kastner weiß, wie die Freude am Lernen zurückkommen kann. 

Wenn es mit dem Lernen Probleme gibt, rät Karin Kastner Eltern, bei sich selbst anzufangen und sich zu fragen, welche Beziehung sie zum Lernen haben: „Denn das Lernen beginnt mit der Geburt und die unbewussten Signale, die wir senden – durch Mimik, Tonlage und Körperhaltung –, beeinflussen Kinder stark. Stehen Eltern unter Stress, spürt ihr Kind das und wird jedes Lernen ebenfalls als stressig empfinden.“ Wenn man bedenkt, dass bis zu 90 Prozent unseres Verhaltens unbewusst ablaufen, ist das ein Punkt, an dem es sich lohnt, anzusetzen.

Realitätscheck 

Zugegeben, es fällt nicht immer leicht, geduldig zu bleiben, wenn der oder die Sechsjährige alle paar Minuten nach Mama oder Papa ruft und mit den Aufgaben nicht vorankommt. Vielleicht hilft es, sich vor Augen zu führen, dass sich Kinder in der 1. Klasse oft nur sieben bis zehn Minuten konzentrieren können. „Danach brauchen sie eine Pause“, weiß Karin Kastner. „Schon fünf Minuten aus dem Fenster gucken oder etwas Bewegung reichen aus. Wichtig ist nur, dass die Kinder in dieser Zeit nicht mit digitalen Medien spielen. Denn dann kommt das Frontalhirn nicht zur Ruhe“, erklärt die Lerntrainerin. Ein Timer kann helfen, die Pausenzeit einzuhalten, und signalisiert den Wechsel zur nächsten Arbeitsphase. 

 

Karin Kastner, Lerntrainerin und
IntraActPlus®-Therapeutin

 

Wertschätzen und bestärken

„Wenn Ihr Kind sich Mühe gibt, sich auf die Schularbeiten einlässt und konzentriert arbeitet, sollten Sie das Bemühen sehen und wertschätzen – unabhängig davon, ob es alles geschafft hat“, betont Karin Kastner. „Denn dann leistet es das Beste, was es in dieser Situation geben kann. Es wird nicht absichtlich Fehler machen.“ Kommt es regelmäßig vor, dass Ihr Kind das Pensum nicht schafft, obwohl es konzentriert bei der Sache ist, empfiehlt es sich, mit der Lehrerin oder dem Lehrer zu sprechen. Vielleicht sind weitere Kinder mit der Stoffmenge überfordert. Oder aber Ihr Kind braucht Unterstützung. „In jedem Fall besteht Handlungsbedarf. Denn wenn ein Kind ständig das Gefühl hat, dass das, was es leistet, nicht genug ist, verliert es verständlicherweise die Lust. Ohne Erfolgserlebnis keine Motivation“, ist sich Karin Kastner sicher. 

Fehler zulassen 

Die meisten Erwachsenen haben gelernt und verinnerlicht, dass Fehler etwas Schlechtes sind. Das signalisieren Eltern ihren Kindern unbewusst. „Doch Fehler sind Botschaften. Es ist hilfreich, gemeinsam mit dem Kind zu überlegen, was der Fehler zeigt. Vielleicht hat es die Thematik noch nicht verstanden. Oder noch nicht genug wiederholt. Oder aber es war nicht bei der Sache und hat deswegen weniger sorgfältig gearbeitet. Da kann man dann ansetzen“, erläutert die Lerntrainerin. 

Weniger Druck, mehr Spaß

„Ich empfehle Eltern, den Druck rauszunehmen – und zwar sowohl bei sich als auch bei ihrem Kind. Natürlich möchte man sein Bestes geben. Aber es ist wichtig, Grenzen zu ziehen. Eltern sind keine Ersatzlehrkräfte und müssen das auch nicht sein“, führt die Lernexpertin aus. Da wir in einer sehr leistungsbezogenen Gesellschaft leben, falle es Eltern oft schwer, den Druck zu reduzieren. Doch Druck erzeugt Stress. Und unter Stress fällt das Denken schwerer, die Motivation sinkt. „Dabei möchten Kinder von Natur aus Neues lernen und Dinge schaffen. Daher ist das Ziel, beim Lernen ähnlich viel Spaß zu haben wie beim Spielen. Und das klappt nicht durch Druck“, ist sich Karin Kastner sicher.    

Janina Fortmann

5 Tipps von Lerntrainerin Karin Kastner

Schule ohne Stress – so klappt’s

  1. Beginnen Sie die Lerneinheit mit einem positiven Beziehungssignal: Das vermittelt, dass Ihr Kind gut so ist, wie es ist. 
  2. Reißen Sie Ihr Kind aus einer Spielsituation, verknüpft es eine negative Erfahrung mit dem Lernen. Legen Sie stattdessen Zeitfenster fest, in denen gelernt wird oder Hausaufgaben gemacht werden. Zehn Minuten vorher noch einmal erinnern.
  3. Für die schulische Laufbahn ist es wichtig zu lernen, selbstständig zu arbeiten. Fällt das schwer, tauschen Sie vielleicht mal schöne Beziehungszeit gegen selbstständiges Arbeiten. Zum Beispiel fünf Minuten konzentriertes Arbeiten gegen fünf Minuten Zeit mit Ihnen für eine Aktivität nach Wahl.
  4. Wer geht schon mit Freude an die Arbeit, wenn der Berg der To-dos dem Mount Everest gleicht? Üben Sie mit Ihrem Kind, die Aufgaben in Portionen aufzuteilen. 
  5. Lassen Sie Ihr Kind mit der leichtesten Aufgabe anfangen. Ein Erfolgserlebnis zu Beginn spornt an.