Bild zum Beitrag 'NAKO: Deutschlands größte Gesundheitsstudie'
Zukunft gestalten

NAKO: Deutschlands größte Gesundheitsstudie

Krankheiten besser verstehen

Warum wird der eine krank, der andere aber bleibt gesund? Ist es die Umwelt, das soziale Umfeld oder die Situation am Arbeitsplatz? Ist es die Ernährung? Sind es die Gene? Oder letztlich doch eine Mischung aus allem? Spannende Fragen, die sicherlich nicht nur Wissenschaftler interessieren. Eine Langzeituntersuchung soll neue Erkenntnisse bringen. Prof. Stefan Willich von der Berliner Charité erklärt im Interview, wie die NAKO-Gesundheitsstudie funktioniert.

Sehr geehrter Herr Prof. Willich, können Sie uns kurz erläutern, was die NAKO ist?

Die NAKO-Gesundheitsstudie ist eine Langzeitstudie, die in ganz Deutschland 200.000 Personen aus der Allgemeinbevölkerung ausführlich befragt und untersucht und danach in regelmäßigen Abständen (vier bis fünf Jahren) erneut einlädt, um neu aufgetretene Erkrankungen zu erfassen. Sie wird zu je einem Drittel vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, den Ländern und der Helmholtz-Gemeinschaft mit insgesamt zunächst 250 Millionen Euro finanziert.

Wann ist die Studie gestartet und welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich aus den Daten?

Die Konzeption und Planung der Studie begannen 2009, die Pretests und Pilotphasen liefen 2012 und 2013. 2014 startete die Studie in die Hauptphase. Die Wissenschaftler erhoffen sich neue Erkenntnisse zu Zusammenhängen zwischen Umweltfaktoren, Gesundheitsverhalten, Arbeitsbelastung und genetischen Faktoren einerseits und dem Auftreten von Erkrankungen andererseits. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung von Biomarkern als Hinweis auf eine Krankheitsprädisposition. Und schließlich soll die NAKO-Gesundheitsstudie in der Zukunft dazu beitragen, neue Präventionsmaßnahmen und Therapieansätze zu entwickeln, um die Gesundheit in der Bevölkerung in Deutschland zu verbessern.

Was ist das Besondere an der NAKO-Gesundheitsstudie?

Sie ist die größte Bevölkerungsstudie Deutschlands. Weitere Besonderheiten sind die Vielzahl an Bioproben, die gesammelt werden, das große Themenspektrum, das durch Untersuchungen und Befragungen abgedeckt wird, die geplante lange Laufzeit, durch die auch langfristige Zusammenhänge von Risikofaktoren und Erkrankungen entdeckt werden können, und die hervorragende Zusammenarbeit sehr vieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Studienmitarbeiterinnen und Studienmitarbeitern.

 

Welche Krankheiten stehen im Fokus der Untersuchung?

Die großen Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen und Schlaganfall, Krebserkrankungen, Diabetes und Depression stehen im Fokus der Studie. Es werden darüber hinaus aber viele weitere Krankheitsbilder untersucht.

Wie finden Sie ihre Probanden? Müssen bestimmte Voraussetzungen für eine Teilnahme erfüllt werden?

Die potenziellen Teilnehmer werden aus den Einwohnermeldeämtern nach dem Zufallsprinzip gezogen. Einzige Kriterien sind das Alter (die Teilnehmer müssen zwischen 20 und 69 Jahre alt sein) und die grundlegende Beherrschung der deutschen Sprache. Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Daher werden nur die Personen, die sich zurückmelden und teilnehmen möchten, zu einem Untersuchungstermin ins Studienzentrum eingeladen.

 

Prof. Dr. Stefan N. Willich, MPH MBA
Institutsdirektor
Charité - Universitätsmedizin Berlin,
Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und
Gesundheitsökonomie, an dem sich das Studienzentrum
Berlin Mitte der NAKO-Studie befindet.
Prof. Willich ist Mitglied des medizinisch-wissenschaftlichen
Beirats der DAK-Gesundheit.

 

 

 

Datensicherheit ist ein aktuelles und vieldiskutiertes Thema, vor allem im Gesundheitsbereich. Wie gehen Sie mit diesem Thema um?

Das Datenschutzkonzept der Studie erfüllt alle Kriterien, die in der kürzlich in Kraft getretenen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verlangt werden. Alle Dokumente wurden überprüft und gegebenenfalls an die neue Regelung angepasst. Die Teilnehmer werden im Studienzentrum vor dem Beginn der Untersuchungen umfänglich aufgeklärt.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen?

Derzeit werden Verträge mit Krankenkassen verhandelt, um gegebenenfalls bei unklaren Angaben der Probanden nachfragen zu können (zum Beispiel die Bestätigung einer Diagnose, einer Therapie oder eines Behandlungszeitraums). Es werden keine Untersuchungsdaten an die Krankenkassen herausgegeben.

 

Die NAKO-Gesundheitsstudie ist auf mehrere Jahrzehnte angelegt. Wann rechnen Sie mit den ersten Ergebnissen?

Die ersten Ergebnisse der Erstuntersuchung erwarten wir Ende des Jahres 2018. Diese liefern jedoch noch keine Erkenntnisse zur Entstehung von Krankheiten, sondern können nur den IST-Zustand darstellen. Vorläufige Ergebnisse zu neu aufgetretenen Erkrankungen werden wir durch die schriftliche Nachbefragung erhalten, also voraussichtlich im Laufe der Jahre 2019/20. Die endgültigen Ergebnisse der Zweituntersuchung können erst ausgewertet werden, wenn die Studienteilnehmer auch die erste Folgeuntersuchung von 2019 bis 2023 durchlaufen haben.

Interview: Nina Alpers

Was ist die NAKO?

Deutschlands größte Gesundheitsstudie, die Nationale Kohorte (NAKO), hat sich zum Ziel gesetzt, die Entstehung der Volkskrankheiten genauer zu erforschen. Zusammen mit bundesweit 200.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern arbeiten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen intensiv daran, Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung von Krebs, Demenz, Diabetes und anderen chronischen Erkrankungen zu verbessern.

DAK-Gesundheit unterstützt die NAKO-Gesundheitsstudie

Die DAK-Gesundheit stellt, in Absprache mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmer der NAKO, pseudonymisierte Behandlungsdaten der teilnehmenden Versicherten zur Verfügung, die die konkreten Untersuchungsergebnisse ergänzen werden. Dies geschieht selbstverständlich unter Einhaltung strenger Datenschutzrichtlinien.