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Politikaward für #Haltung

So reagierte die DAK-Gesundheit auf Hass und rechte Hetze

Die Frau und der Mann auf dem Plakat lächeln. In den Händen halten sie ein Ultraschallbild. „Auf einmal steht das Leben Kopf!“ steht neben ihnen geschrieben. Im Frühjahr 2018 ließ die DAK-Gesundheit das Bild in zahllosen deutschen Städten plakatieren – Werbung für die Leistungen der Krankenkasse für werdende Eltern. Auf dem Plakat zu sehen ist auch das Model Philipp Awounou, ein Sportjournalismus-Student aus Köln. Er wurde Opfer eines rechten Shitstorms, der über das Plakat und die DAK-Gesundheit hereinbrach. Für die Krisenkommunikation und die Reaktion auf Hass und rechte Hetze erhielt die Krankenkasse jetzt den Politikaward, eine der renommiertesten Auszeichnungen für Arbeiten aus dem Bereich der politischen Kommunikation. Aber der Reihe nach.

Alles beginnt mit einem Tweet einer Einzelperson und einem Facebook-Post des Landesverbands Nordwestmecklenburg der Alternative für Deutschland (AfD). Zahlreiche Posts folgen. Die Beschimpfungen, denen Awounou und die DAK-Gesundheit ausgesetzt sind, sind so verletzend und rassistisch, dass wir hier nur Auszüge nennen wollen. Von „Kanaken-Werbung“, „Vergewaltigern“, „Multikulti-Wahnsinn“ ist die Rede. Von „Umvolkung“, „Volkstod“ und „Rassenvermischung“. Der Hintergrund: Das Model Philipp Awounou ist nicht weiß, blond und blauäugig – für viele Rassisten in den sozialen Netzwerken Grund genug, ihn mit Hass-Postings zu diffamieren, zu beleidigen und zu beschimpfen.

 

Die Unternehmenskommunikation der DAK-Gesundheit steht in der Kommunikation vor vielen Fragen. Wie gehen wir mit Drohungen und möglichen Kündigungen um? Wie politisch darf eine gesetzliche Krankenkasse sein? Wie kommunizieren wir ehrlich und authentisch?

Das Team schaltet auf Krisenmodus und reagiert. Am 4. Februar 2018 setzt die DAK-Gesundheit den entscheidenden Tweet auf Twitter ab, der sich rasch im Netz verbreitet: #Haltung gegen Hass und Hetze.

Zahlreiche Politiker, Mitbewerber und Kunden zeigen ebenfalls #Haltung. Neon.de, brigitte.de und das Fachmagazin Pressesprecher berichten. Auf Spiegel online und im ARD-Magazin Monitor erzählt das Model seine persönliche Geschichte. Auch der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit Andreas Storm meldet sich zu Wort.

Die Reaktionen online und in den sozialen Netzwerken übertreffen alle Erwartungen. Der #Haltung-Tweet ist bis heute der erfolgreichste Tweet in der Geschichte der DAK-Gesundheit. Der Monitor-Beitrag belegt im Jahresrückblick des Magazins Platz 1. Die Äußerungen auf die Initiative #Haltung sind bis heute zu 90 Prozent positiv. Und jetzt kommt noch der Politikaward in der Kategorie „Digital Public Affairs“ dazu.

DAK-Vorstand Andreas Storm und PR-Chef Rüdiger Scharf auf der Bühne bei der Preisverleihung in Berlin
Foto: © Jana Legler

Glückliche Gewinner, die #Haltung zeigen: Jörg Bodanowitz (Leiter der Unternehmenskommunikation), Eva Walzik (Leiterin des Berliner Büros), Andreas Storm und Rüdiger Scharf
Foto: © Lena Giovanazzi

„Den Politikaward in der Kategorie Digital Public Affairs nehmen wir – neben der wichtigen Anerkennung für ein Thema, das noch mehr zivilgesellschaftliche Aufmerksamkeit verdient – auch als Zeichen, wie bedeutend es ist, Stellung zu beziehen und dabei Haltung zu zeigen“, sagt Jörg Bodanowitz, Leiter der Unternehmenskommunikation.

So trägt die DAK-Gesundheit das gesellschaftliche Engagement, das aus #Haltung entsprungen ist, auch 2019 weiter: Mit der aktuellen Initiative „Für ein gesundes Miteinander“ setzt sich die Krankenkasse dafür ein, dass wir alle toleranter, respektvoller und einfühlsamer miteinander umgehen. Damit sich ein solcher Shitstorm, wie ihn Philipp Awounou erleben musste, nicht wiederholt.

Stefan Suhr