Rund um die Uhr – gesund im Schichtdienst
Professionell arbeiten

Rund um die Uhr – gesund im Schichtdienst

Bis spät am Abend oder nachts arbeiten, am Tag zur Ruhe kommen: Schichtarbeit bringt die innere Uhr aus dem Takt und belastet den Körper. Wer sein Ess- und Trinkverhalten an den Biorhythmus anpasst, lebt gesünder und ist leistungsfähiger.

Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten zu unregelmäßigen Zeiten. Laut Statistischem Bundesamt sind gut 3,4 Millionen Menschen gelegentlich oder dauerhaft im Schichtdienst tätig. Fast genauso viele arbeiten nachts, die Tendenz ist steigend. Bei wechselnden Arbeitszeiten muss der Tagesablauf immer wieder neu angepasst werden. Für den Körper ist das belastend. Daher ist es für Menschen in Schichtdiensten besonders wichtig, auf ihre Gesundheit und das richtige Ess- und Trinkverhalten zu achten.

Die innere Uhr
Unsere innere Uhr ist auf einen 24- Stunden-Rhythmus ausgerichtet. Am gesündesten ist es daher, wenn wir zu möglichst regelmäßigen Zeiten essen, schlafen und wach sind. Doch stark schwankende Arbeitszeiten wirbeln diesen Rhythmus durcheinander. Neben Schlafstörungen treten dann oft Müdigkeit am Tag und Konzentrationsschwierigkeiten auf. Auch das Essverhalten kann dadurch beeinträchtigt sein. So kann es zu Appetitlosigkeit oder Heißhungerattacken kommen. Es drohen Magen-Darm- und Kreislaufbeschwerden, weil der Organismus aus dem Gleichgewicht gerät. Besonders anstrengend sind solche Störungen im Rhythmus für ältere Menschen, von denen immer mehr in Schichtarbeit tätig sind. Ihnen fällt die Anpassung an verschiedene Schlaf- und Wachzeiten noch schwerer als jungen.

Arbeiten, wenn andere schlafen
Je nachdem, in welcher Schichtform gearbeitet wird, drohen unterschiedliche Probleme. Viele Schichtarbeiter klagen über Schlafstörungen. So kommt es bei Frühschichten oft zu einem Mangel an Nachtschlaf, weil früheres Einschlafen ungewohnt und nicht immer möglich ist. Nachtschichten sind besonders anstrengend, weil die Leistungsbereitschaft in der Nacht natürlicherweise absinkt, wogegen der Körper und Geist in der Schichtarbeit ankämpfen müssen. Noch dazu muss der Schlaf tagsüber nachgeholt werden. Das gelingt nicht immer und ist oft schwer mit dem Familienleben vereinbar. Auch ist der Schlaf am Tag meist weniger tief als in der Nacht – und dadurch weniger erholsam. Wichtig ist es daher, nicht auf dem Sofa einzuschlafen, sondern sich in einen möglichst dunklen und ruhigen Raum zurückzuziehen, um dem Körper einen Nachtschlaf zumindest „vorzugaukeln“.

Regelmäßig essen ist wichtig
Um die Belastung für den Körper möglichst gering zu halten, ist es für Beschäftigte im Schichtdienst besonders wichtig, die Essgewohnheiten den unterschiedlichen Arbeitszeiten anzupassen. Zu große und schwere Mahlzeiten machen müde und können den Organismus belasten. Besonders dann, wenn sie zu ungewohnten Zeiten eingenommen werden. Ein Trick besteht deshalb darin, sich bei Schichtarbeit die Mahlzeiten aufzuteilen. Vor einer Frühschicht haben viele Menschen noch keinen Hunger. Daher empfiehlt es sich, im Laufe des Vormittags Obst mit Joghurt, ein Müsli oder ein Vollkornbrot zu essen und nachmittags zum Schichtende eine warme Mahlzeit. Bei Spätschichten, die bis weit in den Abend hineinreichen, sollte man vorbeugen, damit es gar nicht erst zum großen Hunger mit Leistungstief kommt. Das gelingt mit einer Zwischenmahlzeit am Nachmittag und einer kalten Brotmahlzeit am Abend. Auch für Nachtschichten gilt: Man sollte allzu reichhaltige Mahlzeiten zur späten Uhrzeit vermeiden, weil der Körper darauf nicht eingestellt ist. Stattdessen empfiehlt es sich, vor einer Nachtschicht ein leichtes Essen zu sich zu nehmen. Zwischendurch ist ein kleiner Snack das Richtige, wie ein Brot oder eine Banane. Sinnvoll ist es außerdem, nach der Nachtschicht zu frühstücken, bevor man sich schlafen legt. Sonst riskiert man, im Laufe des Tages vom Hunger geweckt zu werden. Ein Melissentee zum Frühstück fördert den Schlaf. Wer nachts arbeitet, dem helfen warme oder heiße Getränke – wie Kräutertee, mit kochendem Wasser aufgegossen – und Gemüse- oder Obstsäfte, um fit zu bleiben, weil nicht nur die Leistungsbereitschaft, sondern auch die Körpertemperatur zu diesen Zeiten absinkt. Kaffee hingegen empfiehlt sich nur in Maßen. Mindestens vier Stunden vor Schichtende sollte man keinen Kaffee mehr trinken. Er kann den Magen belasten und das spätere Einschlafen behindern.

Imke Hansen

 

Schichtarbeit belastet auch psychisch

Verdichtung und Beschleunigung, ständige Erreichbarkeit und hoher Leistungsdruck begünstigen nicht nur körperliche Erschöpfung, sondern auch psychische Leiden. Der aktuelle DAK-Gesundheitsreport belegt: 2016 gab es wegen psychischer Erkrankungen so viele Ausfalltage im Job wie noch nie zuvor. Besonders Frauen sind davon betroffen.

 

Auszeichnung für gesundes Arbeiten

Ein gelungenes Schichtdienstmodell? Das geht: Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat 2017 den ersten Platz beim Deutschen Förderpreis für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) der DAK-Gesundheit und der Kommunikationsberatung MCC belegt. In dem prämierten Projekt entwickelt das UKE ein innovatives Arbeitszeitmodell, das den Bedürfnissen der Beschäftigten und der Patienten gleichermaßen gerecht wird. Der Fokus liegt dabei sowohl auf dem Biorhythmus aller Beteiligten als auch auf der Einhaltung einer gesunden Work-Life-Balance für die Angestellten.

60 Sekunden Wissen

Im Schichtdienst ist es wichtig, auf eine regelmäßige Kalorienzufuhr zu achten. So erhält der Körper seine Leistungsfähigkeit und zumindest beim Essen bleibt ein gewohnter Rhythmus erhalten.Richtige Ernährung im Schichtdienst: Auf regelmäßige Kalorienzufuhr achten

Zum richtigen Zeitpunkt das Richtige essen: auf schweres und reichhaltiges Essen besser verzichten, weil es den Organismus vor allem zu ungewohnten Zeiten belastet.Richtige Ernährung im Schichtdienst: Schwere Mahlzeiten vermeiden

Richtige Ernährung im Schichtdienst: Warme Getränke wirken belebendAm Abend und in der Nacht schaltet der Körper auf Erholungsmodus und senkt mit Blutdruck und Puls auch die Körpertemperatur. Eine warme Suppe und warme Getränke wirken belebend.

Richtige Ernährung im Schichtdienst: Zu viel Süßes vermeidenBei zusätzlichen Zwischenmahlzeiten möglichst auf Süßigkeiten und Kuchen verzichten: Sie lassen den Blutzuckerspiegel nur kurz hochschnellen – danach werden wir umso müder.

Bereiten Sie die Mahlzeiten zu Hause vor. Das hat Vorteile: Sie kennen die Bestandteile und können „Fett- und Zuckerfallen“ vermeiden.Richtige Ernährung im Schichtdienst: Mahlzeiten zuhause vorbereiten

Trinken Sie jeden Tag etwa 1,5 Liter. Wer körperlich schwer arbeitet, braucht noch mehr Flüssigkeit. Am besten geeignet sind Wasser, verdünnte Saftschorlen oder ungesüßte Tees.
Richtige Ernährung im Schichtdienst: Ausreichend trinken nicht vergessen