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Gesund leben

Slow Food: Ess-Kultur pflegen und bewusst genießen

Ein Blick auf den Speiseplan unserer Großmütter erklärt den Trend

Slow Food ist in aller Munde: Restaurants werben mit dem Begriff, sogar auf einigen Kreuzfahrtschiffen wird nach den Kriterien gekocht. Die fast 30 Jahre alte Bewegung für bewusstes Essen ist im Zeitalter von Fertigprodukten und überall verfügbaren Snacks so aktuell wie nie. Doch was bedeutet der Begriff eigentlich? Im Grunde beschreiben drei Prinzipien, wofür Slow Food steht: gut, sauber und fair. Lebensmittel sollen gut schmecken und hochwertig sein. Sie stammen besser vom Bauernhof als aus industrieller Produktion. Und die Erzeuger sollten einen angemessenen Preis bekommen. 

Ernährungsexpertin Silke Willms von der DAK-Gesundheit

Zurück an Omas Slow Food-Küchentisch
Unsere Großmütter haben es vorgemacht: Mit hauptsächlich regionalen und saisonalen Lebensmitteln zauberten sie Gerichte, die den heutigen Slow Food-Kriterien entsprechen.
Ziel der Slow Food-Bewegung ist es, zu diesem Verhalten zurückzukehren und die Menschen dazu zu motivieren, sich mit der Herkunft der Nahrungsmittel zu beschäftigen und Essen selbst zuzubereiten. Denn Deutschland gilt noch immer als Supermarkt-Nation. Nur vier Prozent der Deutschen kaufen ihre Lebensmittel auf dem Wochenmarkt. „Schade“, findet DAK-Ernährungswissenschaftlerin Silke Willms. „Gerade auf dem Markt bekommt man frische und regionale Lebensmittel – und gute Tipps für die Zubereitung.“

Slow Food geht einfacher als gedacht
„Wer bewusster essen will, muss keine dicken Bücher wälzen“, sagt Willms. „Was hilft, ist die Erinnerung an die Zutaten unserer Mütter und Großmütter. Die haben vor allem saisonale Produkte aus ihrer Umgebung genutzt und jeden Tag gekocht.“ Gerade das Selberkochen ist im hektischen Alltag heute schwieriger umzusetzen als zu Omas Zeiten. Trotzdem ist eine bewusste, nachhaltige Ernährung möglich: „Eine Faustregel ist, möglichst viele unverarbeitete Lebensmittel zu essen“, so Willms. „Also besser selbst ein gutes Brot belegen, als ein fertiges Brötchen bei der Bäcker-Kette zu kaufen. Oder frisches Obst in den Naturjoghurt schnippeln, statt zum bereits angerührten Fruchtjoghurt zu greifen. Oft sind es kleine Schritte, die nicht viel Zeit kosten, aber ganz viel zum Positiven verändern.“ Besonders Fertigprodukte enthalten oft Zucker oder Aromastoffe, auf die viele gern verzichten möchten. „Für sie gilt: Wenn mehr als fünf Zutaten enthalten sind, sollte man die Finger davon lassen“, sagt Silke Willms.

Slow Food: Spaß für die ganze Familie
Mit Slow Food der Herkunft des Essens auf die Spur zu gehen und Detektiv zu spielen, ist für die ganze Familie spannend. Viele Bauernhöfe bieten Führungen an und verkaufen die selbst angebauten Lebensmittel im Hofladen. Die Besucher erfahren, was gerade wächst, unter welchen Bedingungen Tiere leben und wie beispielsweise Käse oder Quark hergestellt werden. Mitunter findet man bei so einem Ausflug auch neue oder ganz alte Obst- und Gemüsesorten wieder, die für Abwechslung sorgen und den Speiseplan bereichern.

Spaghetti gegen Burger
Mit einem Protestessen auf der Spanischen Treppe fing alles an. Als 1986 eine Fast-Food-Kette zwischen den historischen Bauten eröffnen wollte, rief Carlo Petrini die Befürworter der traditionellen italienischen Küche auf den Plan. Damit war die Idee für die Slow-Food-Bewegung geboren, die sich schnell um die ganze Welt verbreitet hat. Petrini ist immer noch im Einsatz für besseres Essen und hat vor gut zehn Jahren sogar eine kulinarische Universität gegründet.

Deutschland, die Supermarkt-Nation
Die Mehrheit der Deutschen (58 Prozent) kauft im Supermarkt ein, ein Drittel im Discounter. Weniger beliebt sind Wochenmarkt (4 Prozent) und Bioladen (2 Prozent), zeigt eine DAK-Umfrage. Wer auch noch im Herbst oder Winter ein bisschen Sommer auf dem Teller haben will, macht es wie die Großmütter früher und greift auf Eingemachtes zurück. Sonnengereifte Tomaten und Beeren einzukochen macht Spaß und sorgt auch bei Minusgraden für Genuss.

Dagmar Schramm