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Familie & Freizeit

Sommerurlaub mit Plan B

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Dieses Jahr ist alles anders, nicht zuletzt der Sommerurlaub. Mit den richtigen Strategien lässt sich auch aus Ferien zu Hause viel machen.

Nach anstrengenden und eintönigen Monaten sind wir mehr als urlaubsreif. Mancher geht vielleicht im Rahmen des Möglichen auf Reisen und unterstützt etwa innerdeutsche Vermieter. Wie vor Corona wird es aber auch dabei nicht. „Grundsätzlich ist es von Vorteil, sich von dem Gedanken zu lösen, dass man nur fernab der eigenen vier Wände Kraft für den Alltag tanken kann“, sagt DAK-Psychologin Franziska Kath.

Der richtige Blickwinkel

Frust darüber, durch die Umstände fremdbestimmt zu sein, ist zwar verständlich. Wer sich aber nur noch darüber ärgert, tut sich selbst keinen Gefallen. „Statt mit Maßnahmen zu hadern, die noch niemand sicher bewerten kann, richten Sie Ihren Blick lieber auf das, was noch geht und Ihnen Freude macht“, empfiehlt Kath. Urlaub in der Heimat lag vor Corona sogar schon im Trend – als „Staycation“, aus den englischen Wörtern für Bleiben und Urlaub. Nicht zuletzt wegen des Klimaschutzes.

Kofferpacken, Stau, wenig erholsamer Schlaf in fremden Betten: Zu Hause fallen Stressquellen weg. Franziska Kath rät dazu, sich vorab Gedanken zu machen und Pläne zu schmieden. „Sonst zerrinnt Ihnen die freie Zeit zwischen den Fingern.“ Was wünschen wir uns? Was ist jetzt möglich? Was könnte uns noch gefallen? Um diese Fragen herum können Sie eine Vorstellung von Ihren Wunschferien entwickeln.

Mit Planung punkten

Ausschlafen allein bringt es nicht. „Nichtstun kann stressiger sein, als Sie glauben, und Streit begünstigen.“ Und: „Sie erholen sich besser, wenn die Ferien sich merklich vom Alltag unterscheiden.“ Dabei helfen besondere Aktivitäten wie eine Radtour, ein Ausflug ins Autokino, eine Nachtwanderung, ein Tag, an dem Klein und Groß mit Lego um die Wette bauen oder …?! Gönnen Sie sich was: ein Essen von Ihrem Lieblingsrestaurant oder – für Hobbyköche – ein Menü zu Ihrem liebsten Reiseland.

Haben Sie ein Projekt im Hinterkopf, für das sonst die Zeit fehlt? Den Balkon begrünen, Fotobücher basteln, alte Freunde anrufen? „Wenn Sie aktiv werden, belohnt Sie das gute Gefühl, Kontrolle über Ihr Leben zu haben. Das gibt Zuversicht“, so die DAK-Psychologin. Zu viel sollte aber nicht auf Ihrer Liste stehen, vor allem nichts, was die Laune beeinträchtigt: Das Herausreißen von Fliesen beschert Ihnen keine Ferienstimmung. Minimieren Sie den Hausputz, wechseln Sie sich am Herd ab und machen Sie einen weiten Bogen um Ihr Homeoffice.

Lust auf Neues

Der Reiz eines Urlaubs liegt auch im Neuen und Unbekannten. Erkunden Sie andere Stadtteile, spazieren Sie durch Straßen Ihres Wohnorts, in denen Sie noch nie waren. Wer entdeckt das schönste Haus, die witzigste Gartendekoration? Gut zu wissen: Das Virus verbreitet sich an der frischen Luft schwerer als in Innenräumen. Typische Ausflugsziele sind zu Stoßzeiten aber mit Vorsicht zu genießen. Durch die größere Durchmischung des Publikums gilt das Risiko, sich zu infizieren, als erhöht.

Probieren Sie etwas Neues aus, ob Marmelade einkochen, Stand-up-Paddling oder Yoga. Anleitungen gibt’s im Netz oder per App. Für Ihre Gesundheit ist alles besonders gut, was mit Bewegung oder Draußensein zu tun hat. Einer repräsentativen dpa-Umfrage zufolge hatten 19 Prozent der Menschen hierzulande bereits Ende April an Gewicht zugelegt. 38 Prozent gaben an, sich in Corona-Zeiten weniger zu bewegen. Im Urlaub können Sie gegensteuern. Vielleicht finden Sie dabei sogar zu neuen Gewohnheiten oder stärkenden Ritualen für Ihren Alltag (siehe Interview).

Annemarie Lüning

Mit Joggen anfangen, weniger am Handy daddeln, gesünder kochen – könnte es ein Projekt für die Ferien sein, Gewohnheiten zu ändern? Wir haben bei DAK-Psychologin Franziska Kath nachgefragt.

Wozu brauchen wir eigentlich Gewohnheiten?

Studien zufolge werden 30 bis 50 Prozent unseres täglichen Handelns durch Gewohnheiten bestimmt. Das ist auch sehr sinnvoll, weil unser Gehirn sonst überfordert wäre. Allerdings macht es auch unflexibel: Wenn mir ein Weg sehr vertraut ist, nehme ich diesen oft als selbstverständlich wahr. Dass es vielleicht einen anderen, nunmehr besseren Weg geben könnte, kommt mir dabei selten in den Sinn.

Eignen sich Ferien dazu, ein anderes Verhalten einzuüben?

Wer Urlaubsrituale wie das ausgiebige Vorlesen für die Kinder oder den Spaziergang am Abend als positiv erlebt, kann versuchen, manches auch nach den Ferien beizubehalten. Studien haben außerdem ergeben, dass ein veränderter Kontext wirklich bei gezielten Verhaltensänderungen helfen kann: Wer mit dem Rauchen aufhören wollte, war doppelt so erfolgreich, wenn er im Urlaub damit startete. Nach den Ferien heißt es dranbleiben – die Studienergebnisse zeigen, dass neue Verhaltensweisen im Schnitt erst nach 66 Tagen wirklich sitzen. Übrigens können auch kritische Lebensereignisse wie schwere Krankheit, Jobwechsel, die Geburt des ersten Kindes Veränderungen begünstigen. Ob die Corona-Krise ähnlich wirkt, lässt sich noch nicht absehen.

Wie geht man am besten vor?

Als Erstes stellt man sich ein Ziel für einen konkreten Zeitraum vor und malt es sich schön aus. Wenn Teilziele gemeistert sind, motiviert eine Belohnung. Es ist wichtig, realistisch zu planen und flexibel zu bleiben. Dazu gehört, dass man sich genau überlegt, welche Folgen eine Veränderung für den eigenen Alltag hat und was man tun kann, wenn Schwierigkeiten auftauchen. Es kann auch helfen, verbindliche Vereinbarungen mit sich selbst und der Familie zu treffen.