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Ernährung & Rezepte

Warum Fleischverzicht sinnvoll ist

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Der weltweite Appetit auf Fleisch ist groß. Für viele Menschen ist es längst normal, täglich Fleisch und Wurstwaren zu konsumieren. Die niedrigen Fleischpreise aufgrund der Massentierhaltung machen es möglich. Tiere sind zu reinen Produktionsgütern geworden. Seit Anfang der 1960er Jahre hat sich der weltweite Fleischverzehr mehr als vervierfacht. Mit gravierenden Folgen für unseren Planeten und unsere Gesundheit. Vier gute Gründe für einen – zumindest teilweisen – Fleischverzicht.

Rund 55 Kilogramm Fleisch wurden laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) 2021 in Deutschland pro Kopf verzehrt – Tendenz leicht fallend. Der Trend zum Fleischverzicht ist da, etwa 7,9 Millionen Menschen in Deutschland leben bereits fleischlos, 1,5 Millionen von ihnen sogar vegan. Viele Gründe sprechen dafür, auf Fleisch zu verzichten oder den Konsum zumindest einzuschränken. Hier sind vier davon.

1. Gesundheit

 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt überwiegend pflanzliche Lebensmittel zu wählen und nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu essen – das sind 15 bis 30 Kilogramm pro Jahr. Also deutlich weniger als der tatsächliche Verzehr pro Kopf. Denn ein hoher Fleischkonsum kann zahlreiche Krankheiten verursachen und verschlimmern, dazu gehören Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Niereninsuffizienz, chronische Entzündungen, Arthrose und Rheuma. Auch die Krebsgefahr steigt. So hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 2015 Konsequenzen gezogen: Sie stufte verarbeitetes Fleisch als sicher krebserregend und rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend ein. Damit steht verarbeitetes Fleisch auf einer Gefährdungsstufe mit Zigaretten. Wer der eigenen Gesundheit etwas Gutes tun möchte, verzichtet also möglichst vollständig auf Wurst und Schinken.

2. Umwelt- und Klimaschutz

 

Wer ein- oder mehrmals am Tag Fleisch konsumiert, ist sich oft gar nicht bewusst, dass dieses Essverhalten globale Auswirkungen auf unsere Umwelt hat. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) geht davon aus, dass 18 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen auf die Fleischproduktion entfallen. Für ein Kilogramm Fleisch ist ein hoher Aufwand an Ressourcen von Land, Wasser, Energie und Getreide notwendig. In jedem Kilo Rindfleisch stecken beispielsweise 6,5 Kilogramm Getreide und 36 Kilogramm Raufutter. Ein Viertel der eisfreien Erdoberfläche wird laut FAO inzwischen für die Viehwirtschaft genutzt. Dafür wurden enorme Fläche gerodet, unter anderem in den Regenwäldern Südamerikas. Das hat schwerwiegende Folgen für unser Klima. Denn stirbt die ursprüngliche Vegetation ab, wird gespeicherter Kohlenstoff freigesetzt. Mit Sauerstoff verbunden, wandelt dieser sich zum Klimagas CO₂. Zudem werden wertvolle Lebensräume zerstört, was ein großes Artensterben zur Folge hat. Ebenfalls ein Problem der intensiven Nutztierhaltung sind die tierischen Ausscheidungen. Diese enthalten unter anderem Stickstoff und Phosphor, hinzu kommen Rückstände der in der Mast eingesetzten Medikamente. Dieses Gemisch gelangt in Gewässer und das Grundwasser. Laut WWF Deutschland weisen 30 Prozent der Nitrat-Messstellen in Deutschland einen zu hohen Wert auf. Insbesondere in Zeiten von starker Trockenheit ist diese Wasserverschmutzung besorgniserregend. Doch auch Fleisch ist nicht gleich Fleisch. Laut Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) gehen rund ein Fünftel weniger Treibhausgase auf die ökologische Landwirtschaft zurück als auf die konventionelle. Die gute Nachricht: Wer sich vegetarisch ernährt und konsequent zu Bioprodukten greift, verbessert seine persönliche Klimabilanz um 60 Prozent, so der Münchner Ernährungswissenschaftler Karl von Koerber laut NABU.

3. Welthunger

 

Nach dem Welthunger-Index der Welthunger Hilfe litten im Jahr 2021 bis zu 828 Millionen Menschen unter chronischem Hunger, 193 Millionen Menschen waren von einer akuten Ernährungskrise betroffen. Der Krieg in der Ukraine hat dieses Problem weiter verstärkt, da Russland und die Ukraine zu den wichtigsten Getreideexporteuren der Welt gehören. Zudem wird ein Großteil der Getreideproduktion als Futtermittel verwendet. Doch dieses fehlt der wachsenden Weltgemeinschaft zum Essen. Nach einer Schätzung der FAO werden weltweit mehr als 33 Milliarden Hühner, 1,6 Milliarden Rinder und jeweils knapp eine Milliarde Schweine und Schafe gehalten. Für diese Tiere werden Futter und Land benötigt, sodass etwa 80 Prozent aller verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzflächen allein für die Tierhaltung in Anspruch genommen werden. In Deutschland sind im Schnitt über 60 Prozent des angebauten Getreides inzwischen für die Tierhaltung bestimmt. Würden diese Flächen für den Anbau von Lebensmitteln direkt für die Menschen statt für Viehfutter genutzt, wäre unter dem Strich mehr Nahrung da. Denn nach einer Rechnung von Greenpeace nimmt beispielsweise ein Schwein drei- bis viermal mehr Kalorien zu sich, als es in Form von Fleisch hervorbringt.

4. Tierleid

 

In deutschen Schlachtbetrieben wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im ersten Halbjahr 2022 rund 379 Millionen Tiere geschlachtet – das sind mehr als zwei Millionen Tiere pro Tag. Diese Menge ist nur möglich, weil die Fleischproduktion längst zur Industrie geworden ist. Unter enormem Kostendruck durch den harten Preiswettbewerb ist billige Massenproduktion gefragt. Für die Tiere bedeutet dies ein kurzes, qualvolles Leben in zu engen Ställen. Doch eine artgerechte Tierhaltung benötigt ausreichend Platz, Zugang zu Freiland, Beschäftigungsmöglichkeiten, Tageslicht und abgetrennte Liege- und Kotbereiche – was in der konventionellen Landwirtschaft meist nicht vorgesehen ist.

Nina Alpers