Das hilft wirklich gegen Schnarchen
Gesund leben

Wenn der Partner nachts sägt

Kaum ist im heimischen Schlafzimmer das Licht gelöscht, beginnt auch schon das nächtliche Geräuschkonzert. Was viele nicht wissen: Schnarchen stört nicht nur den Schlaf – es kann auch ernsthaft der Gesundheit schaden. Wer die Gefahren erkennt und Hilfe sucht, kann endlich wieder Entspannung finden.

In der Steinzeit, wenn gefährliche Gegner und wilde Tiere vor der Höhle lauerten, schlugen die angsteinflößenden Schlafgeräusche der Männer die Angreifer in die Flucht. Auf diese Weise schützten die Bewohner sich selbst, ihre Sippe sowie das Hab und Gut. Damals hatte Schnarchen einen tieferen Sinn. Heute ist es – neben Stress, Lärm und mangelnder Schlafhygiene – eines der größten Feinde einer erholsamen Nachtruhe.

 

Frauen leiden besonders

Jede vierte fühlt sich laut einer aktuellen Studie der DAK-Gesundheit durch ihren schnarchenden Partner oder dessen nächtliche Bewegungen gestört. Und ja: Männer schnarchen häufiger als Frauen – zumindest in der ersten Lebenshälfte, häufig aufgrund von Übergewicht und höherem Alkoholkonsum. Zudem fanden Forscher heraus, dass weibliche Sexualhormone das Gewebe der oberen Atemwege straffhalten und so die störenden Geräusche verhindern.

 

Wie gerädert in den nächsten Tag

Wer regelmäßig dabei zuhören muss, wie neben ihm nachts ganze Wälder abgesägt werden, startet meist wie gerädert in den nächsten Tag. Vorwürfe prallen am „Verursacher“ häufig ab. „So schlimm ist es nun auch wieder nicht“, bekommen die Partner dann zu hören – und leiden weiter. Die mangelnde Nachtruhe schlägt sich auch in zahlreichen Krankschreibungen nieder, mit geschlechterspezifischen Unterschieden: Fehlen Frauen vor allem wegen schwerer Schlafstörungen im Job, sind Männer eher wegen einer Schlafapnoe, also mitunter lebensbedrohlichen Atemaussetzern, krankgeschrieben.

 

Sorge um die Gesundheit

Wer den nächtlichen Störenfried bittet, etwas gegen das Schnarchen zu tun, denkt häufig nicht nur daran, endlich einmal wieder in Ruhe durchschlafen zu können. Vielmehr steckt dahinter die ernsthafte Sorge um die Gesundheit des Partners. Teilweise aus gutem Grund, wie die verschiedenen Arten des Schnarchens zeigen.

 

Es gibt große Unterschiede

Das kompensierte Schnarchen, bei dem die Atemwege etwas verengt sind, ist für den Gegenüber zwar schlafraubend, jedoch in der Regel gesundheitlich unbedenklich. Beim sogenannten obstruktiven Schnarchen hingegen klagen Betroffene häufig über deutliche Atembeschwerden. Sie schlafen schlecht und wachen mehrmals in der Nacht auf. Diese Form wird auch als Vorstufe des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms bezeichnet. Hier haben die Betroffenen neben dem Schnarchen auch Atemaussetzer, die bis zu zehn Sekunden anhalten. Die Folge können der gefährliche Sekundenschlaf am Tag und teils schwere Depressionen sein, weil der Körper keine Ruhe findet.

 

Auf den Körper hören

Bleiben das obstruktive Schnarchen oder das Schlafapnoe-Syndrom unbehandelt, steigt auf lange Sicht das Risiko für Bluthochdruck, Herzkreislaufbeschwerden und Diabetes Typ 2. In schlimmen Fällen kann es zu Herzinfarkten und Schlaganfällen kommen. Daher – in den eigenen Körper hineinhorchen, um die genaue Schnarch-Art zu identifizieren: Sind Sie häufig unausgeschlafen und haben Schwierigkeiten, sich tagsüber zu konzentrieren, obwohl eine Nacht mit – vermeintlich – ausreichendem Schlaf hinter Ihnen liegt? Leiden Sie unter Bluthochdruck? Haben Sie einen trockenen Hals nach dem Aufwachen? Dann könnten dies erste Anzeichen für eine Schlafapnoe sein. Ein Besuch beim Allgemeinmediziner oder HNO-Arzt sowie entsprechende Tests schaffen Klarheit und so die Basis für Therapieansätze. Möglicherweise ist dafür auch die Beobachtung über mehrere Nächte hinweg in einem Schlaflabor notwendig, um Auskunft über Atem- und Herzaktivitäten, Sauerstoffsättigung und Schlafqualität per EEG zu erhalten.

 

Keine Chance dem Schnarchen

Doch wie kann man dem nächtlichen Teufelskreis entkommen? Ein gut gelüftetes Schlafzimmer ist ein Anfang. Zudem sollten Betroffene auf eine geeignete Schlafposition achten – die Rückenlage ist hier eher unvorteilhaft. Ein spezielles Anti-Schnarch-Kissen oder auch ein Anti-Schnarch-Rucksack, der das Drehen auf den Rücken verhindern soll, können hier helfen. Wer zum Nasenspray greift, um freier atmen zu können, sollte reines Meerwasser bevorzugen, um einer Abhängigkeit vorzubeugen.

Sleeptracker

Dem Geräusch auf der Spur

Sogenannte Sleeptracker können das Schlafverhalten analysieren: Das Handy neben dem Bett stellt anhand von Geräuschen und Bewegungen des Schläfers fest, in welcher Schlafphase er sich befindet und wie tief der Schlaf gerade ist. Mit den aufgezeichneten Daten kann man den idealen Weckzeitpunkt festlegen. Auch akustische Störungen (Spricht man im Schlaf? Schnarcht der Partner? Knallt da ein Garagentor?) können so aufgezeichnet und ergründet werden.

Rund um’s Thema Schlaf

DAK Schlaf-Hotline

Ihre Fragen zu den Themen Schlafen, Schnarchen oder auch zu Unterkiefer-Protrusionsschiene und Atemmaske beantworten die Experten unserer DAK Schlaf-Hotline unter 040 325 325 805

Eine OP genau abwägen

Bringen diese Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, können technische Geräte wie eine Gaumenspange oder eine Unterkiefer-Protrusionsschiene („Anti-Schnarchschiene“) Hilfe bieten. Auch sind Aktivitäten sinnvoll, die den Rachenraum etwa durch einen Spezialschnuller stärken. Mitunter kommen auch Atemgeräte zum Einsatz, die dem Körper im Schlaf ausreichend Sauerstoff zuführen. Je nach Fall ist jedoch eine Operation notwendig, bei der immer auch die Eingriffsrisiken und Narbenschäden abzuwägen sind. Übergewicht erhöht übrigens die Gefahr einer Schlafapnoe. Auch Alkohol wirkt sich negativ aus. Dieser senkt zusätzlich den Muskeltonus und lässt den Rachenraum erschlaffen – die Lautstärke steigt an.

 

Investition in die Gesundheit

Behandlungen, die in diesem Zusammenhang zunächst aufwendig und unbequem erscheinen, sind auf lange Sicht eine wichtige Investition in die Gesundheit. Wenn der Partner also wieder einmal das lästige Thema Schnarchen anspricht, sollte dies als Chance gesehen werden. Gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, tut dem Wohlbefinden – und auch der Beziehung gut.

Anica Ebeling