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Wie blu:prevent junge Menschen stark macht

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Bei blu:prevent dreht sich alles um moderne Suchtprävention für Kinder und Jugendliche. Die DAK-Gesundheit unterstützt das Angebot des Blauen Kreuzes in Deutschland e.V. seit mehreren Jahren. Welchen Ansatz blu:prevent verfolgt und wie sich die Pandemie auf die Initiative ausgewirkt hat, hat uns Leiter Benjamin Becker im Interview erzählt.

Benjamin Becker, Leiter

Worauf zielt blu:prevent ab und welche Wege beschreitet Ihr Projekt dazu?

Wir möchten jungen Menschen helfen, ihre eigene Stärke zu entdecken und wertzuschätzen, und sie für Suchtgefahren sensibilisieren. Wer sich über das Thema informieren möchte, ohne selbst Berührungspunkte damit zu haben, ist bei uns genauso richtig wie Kinder und Jugendliche, die konkrete Hilfen für sich oder andere suchen. Es geht bei uns um alle möglichen Süchte, nicht nur um Alkohol. Auch Themen wie Mobbing oder Stress spielen eine Rolle, weil wir eine starke Verbindung zwischen solchen Alltagsherausforderungen und Sucht sehen. Seit sechs Jahren nutzen wir verstärkt digitale Ansätze.

 

Wie hat Corona Ihre Arbeit beeinflusst?

90 Prozent unserer Veranstaltungen in Schulen mussten 2020 leider ausfallen. Auch in puncto Schulungen und Messen – Bereiche, in denen wir sonst sehr präsent sind – sah es schlecht aus. Trotzdem war es kein Katastrophenjahr für uns. Die blu:app für die Jugendlichen, E-Learning-Module für Multiplikatoren, das und vieles mehr war bei uns schon vorhanden und passte jetzt perfekt. Vor Corona haben wir in den Schulen pro Jahr 5.000 Kinder und Jugendliche erreicht. Im vergangenen Jahr waren stattdessen die sozialen Medien sehr wichtig für uns, insbesondere die Zusammenarbeit mit Influencern. Diese ehemaligen Betroffenen leisten für unsere Arbeit einen wertvollen Beitrag, weil sie so authentisch sind und eine große Reichweite haben.

Wie war in dieser Zeit die Resonanz auf Ihr Angebot?  

Im Frühjahrs-Lockdown waren die Effekte nicht so ausgeprägt, ab November stieg das Interesse aber enorm an. Besonders zu blu:interact, unserem Angebot für Multiplikatoren wie die Lehrerin oder den Schulsozialarbeiter, erreichen uns sehr viele Anfragen, Digitalisierung in der Suchthilfe ist Thema der Stunde. Die blu:app wurde bislang schon fast 18.000-mal heruntergeladen. Auch der Ansturm der Kinder und Jugendlichen auf unseren Chat ist riesig.

 

Ist das Thema Sucht unter Corona also noch brisanter als vorher?

Das ist ganz klar unser Eindruck, ja. Reduzierte soziale Kontakte, wegfallende Aktivitäten in Sport und Kultur, Langeweile, Perspektivlosigkeit sowie Stress beim Homeschooling fordern nicht nur Risikogruppen heraus, diese aber ganz besonders. Im Bereich Medien kommt hinzu, dass heute jeder ein Smartphone hat, virtuelle Welten, in denen man sich verlieren kann, ständig verfügbar sind. Hier möchten wir zu einem mündigen und verantwortungsvollen Umgang ermutigen. Jede Krise beinhaltet auch eine Chance: wir erleben beispielsweise, dass die Generation, die jetzt im Krisenmodus aufwächst, auch eine gute Resilienz entwickelt und es schafft, flexibel mit der Situation umzugehen. Eigene Ressourcen, das persönliche Umfeld und die Familie spielen eine große Rolle.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der DAK-Gesundheit?

Die DAK-Gesundheit begleitet und fördert blu:prevent seit den Anfängen im Jahr 2018, dafür sind wir sehr dankbar. Zudem haben wir gerade mit Unterstützung der DAK-Gesundheit sowie einer Stiftung unser Praxisbuch für die Arbeit mit Kindern aus Suchtfamilien herausgebracht und können es allen, die in diesem Bereich tätig sind, im Paket mit einer DVD kostenlos anbieten.

Das Interview führte Annemarie Lüning

Über blu:prevent

blu:prevent umfasst alle Jugend- und Präventionsangebote des Blauen Kreuzes und stellt sich mit seiner Angebotsvielfalt dem Thema Sucht in den unterschiedlichen Alters- und Zielgruppen. Zudem soll der Facettenvielfalt der Suchtmittel begegnet werden: Nicht nur Alkohol spielt in der heutigen Suchtlandschaft eine entscheidende Rolle, sondern auch der Konsum von Drogen, Nikotin und Medien sowie Verhaltenssüchte.

bluprevent.de

Meine Zusammenarbeit mit blu:prevent

Der Türöffner

„Ich gehe mit der Geschichte meiner Drogenabhängigkeit in Schulen und rede teilweise vor bis zu 600 Menschen. Erfahrungsgemäß melden sich nach einem Termin 40 bis 50 Schüler und Schülerinnen bei mir mit konkreten Problemen. Diese Jugendlichen leite ich dann in den blu:chat. Ich sehe mich ganz klar als Türöffner. Mit Unterstützung von blu:prevent konnte ich meine Geschichte auch als Comic herausbringen, ‚Crystal.Klar‘, der nach meinen Auftritten verteilt wird.“

Dominik Forster, freiberuflicher Autor und Referent
Foto: Max Böhm