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Gesund leben

Wie Musik unsere Gesundheit fördert

Musik bereichert unseren Alltag, bringt uns Freude, macht einfach glücklich – und oft sogar gesünder. Hier erfahren Sie, wie Musik als therapeutisches Mittel in der Medizin eingesetzt werden kann.

Schon im Alten Testament wird davon berichtet, dass Musik heilsam sein kann: Der Hirte David befreit mit seinem Harfenspiel König Saul von seiner Schwermut. Und auch heutzutage wird Musik als therapeutisches Mittel in verschiedenen medizinischen Behandlungen eingesetzt.

Melodien gegen das Seelentief
Was in der Bibel als Schwermut bezeichnet wird, wird mittlerweile eher Depression oder Burn-out genannt. Freudlos, kraftlos und antriebslos – so beschreiben Betroffene ihren Gemütszustand. Musik kann hierbei Abhilfe schaffen und die psychischen Leiden lindern, wie Wissenschaftler feststellten. Der Grund: Melodien und Klänge können bestimmte Stimmungen hervorrufen – so auch Freude. Verantwortlich dafür ist das limbische System, unser „Gefühlszentrum“ im Gehirn. Hören wir unsere Lieblingslieder, singen oder musizieren wir, schüttet es diverse Glückshormone aus, darunter Endorphine, Serotonin und Dopamin. Zusätzlich produziert es das Kuschelhormon Oxytocin, das uns euphorisch und zufrieden macht. Durch Musik können depressive Menschen ihre Ängste und Spannungen also abbauen und lernen, wieder Freude zu empfinden.

Evergreens als Schlüssel zu Erinnerungen
Doch nicht nur für Menschen mit seelischen Erkrankungen ist Musik unersetzlich – auch im Umgang mit Demenzkranken eröffnet sie wertvolle Möglichkeiten. So belegen verschiedene Studien, dass sich Betroffene Autobiographisches besser ins Gedächtnis rufen können, wenn sie Musik hören. Das eigene Hochzeitslied, ein einfaches Kirchenstück oder ein Dauerbrenner im Tanzlokal – sind Lieder mit persönlichen Ereignissen verknüpft, fungieren sie als Schlüssel zu den scheinbar verloren gegangenen Erinnerungen. Forscher fanden außerdem heraus, dass sich das Risiko an Demenz zu erkranken durch Musizieren um bis zu 70 Prozent reduzieren lässt. Zudem wird das Erinnerungsvermögen gestärkt und die Denkfähigkeit angeregt.

Musizieren für die Fingerfertigkeit
Ein Instrument zu erlernen und zu beherrschen verändert unser Gehirn bleibend. Neurologen konnten nachweisen, dass bei Musikern neue Nervenverschaltungen zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte gebildet werden und die Gehirn-Regionen, die für Hören, Sehen sowie die Motorik verantwortlich sind, größer als bei nicht-musizierenden Menschen sind. Letzteres kommt vor allem Schlaganfallpatienten zugute. Durch ein intensives Rehatraining mit Musikübungen auf einer Klaviertastatur oder einem elektronischen Schlagzeug können sie ihre Feinmotorik wiedergewinnen, wie verschiedene Studien zeigen. Durch die gespielten Töne bekommen Betroffene eine direkte Rückmeldung über das Ohr, ob sie eine Bewegung richtig ausgeführt haben oder nicht.

Durch Gesang zum Sprechen
Beim Singen wiederum können sie den mit einem Schlaganfall einhergehenden Sprachstörungen entgegenwirken, denn Sprache und Musik sind eng miteinander verbunden. Während beim Gesang überwiegend die rechte Gehirnhälfte angeregt wird, ist beim Sprechen hauptsächlich die linke Gehirnhälfte aktiv. Laut Neurowissenschaftlern kann durch das Musizieren möglicherweise ein Ersatz-Sprach-Netzwerk auf der rechten Hirnseite stimuliert werden. Zunächst singen Betroffene einfache Wörter, die mit der Zeit zu längeren Sätzen verknüpft werden. Dabei klopfen sie rhythmisch mit der linken Hand, um Hirnareale anzuregen, die Töne und Motorik miteinander verknüpfen. Im weiteren Verlauf der Therapie lernen die Patienten dann, die Sätze ohne Gesang wieder normal zu sprechen.

Mehr Motivation fürs Training
Forscher haben außerdem herausgefunden, dass schon eine Stunde Gesang in der Woche das Stresshormon Cortisol senkt und dafür die Anzahl der Antikörper Immunglobulin A erhöht, die unsere Abwehrkräfte stärken. Vor allem bei Krebspatienten, deren Immunabwehr durch die Chemotherapie geschwächt ist, kann das gemeinsame Singen also hilfreich sein. Ein schöner Nebeneffekt: Der Gesang bringt zusätzlich unser gesamtes Herzkreislaufsystem auf Trab. Bereits zehn bis 15 Minuten Singen reichen aus, um unsere Rückenmuskulatur zu stabilisieren, unsere Atmung zu intensivieren und unseren Körper mit Sauerstoff zu versorgen – ähnlich wie beim Sport. Beim Training kann uns das Musikhören sowohl mental als auch physisch unterstützen. Ruhige Lieder steigern unsere Konzentration, lösen Anspannungen und bekämpfen unsere Nervosität. Temporeichere Musikstücke sind hingegen richtige Muntermacher und eignen sich hervorragend für den Ausdauersport. Unsere Schritte passen sich dem vorgegebenen Rhythmus an und dadurch werden wir regelrecht ins Ziel getragen.

Entspannung bei Schlafproblemen
Sind Musikstücke etwas langsamer als die Ruhefrequenz unseres Herzens, kann sich unser Körper optimal entspannen – und wir schlafen besser. Bereits 45 Minuten Musikgenuss vor dem Zubettgehen reichen aus, um unsere Schlafqualität zu verbessern, wie Forscher feststellten. Musikstücke mit weniger als 72 Schlägen die Minute sind ideal: Dann sinkt der Puls, der Blutdruck fällt, die Atmung wird langsamer und die Muskulatur entkrampft. Jazz, Folkmusik und orchestrale Stücke sind den Wissenschaftlern zufolge die effektivsten Einschlafhilfen. Und: Sobald wir uns entspannen, schütten wir mehr schmerzkontrollierende Betaendorphine aus – wir empfinden beim Musikhören also weniger Schmerzen. Ärzte sollten ihren Patienten demnach einfach ihre Lieblings-Playlist vorspielen, um das Unbehagen vor einer Operation und die anschließenden Schmerzen zu lindern.

 

Luisa Drees

So wirken verschiedene Musikgenres

Klassik

Klassische Musik wirkt beruhigend: Die Herzfrequenz sinkt, der Blutdruck fällt, die Atmung verlangsamt sich und die Muskulatur entkrampft. Dadurch hat Klassik den größten Nutzen bei Ängsten und Depressionen sowie Erkrankungen des Herzkreislaufsystems.

 

Rock und Pop

Rock und Pop sind Muntermacher aus Lautsprechern. Sie heben die Stimmung, wirken motivationssteigernd und helfen aus der Müdigkeit.

Meditationsmusik

Meditationsmusik wirkt wie klassische Musik beruhigend. Deshalb wird sie häufig bei Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenem Training gehört.

 

Folklore

Da die Folklore eng mit einem entsprechenden Kulturkreises verbunden ist, weckt sie überwiegend Heimatgefühle. Dadurch schafft sie ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen. Aber: Menschen, die dem jeweiligen Kulturkreis nicht angehören, fühlen sich von der fremden Musik nicht angesprochen.