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Komm, wir finden einen Schatz!

Guckt mal, ein Kaninchenbau! Die neunjährige Luise Wallowy stapft durch Brennnesseln und Brombeerranken. Irgendwo hier liegt der Schatz, dem sie mit Schwester Karolin (14) und den Eltern Bert und Iris auf der Spur ist. Wie die Indianer nehmen alle den Waldboden ins Visier: „Oft erkennt man, wo vorher jemand gegangen ist.“ Immerhin sei der Schatz erst gestern zuletzt gehoben worden.

Ein Schatz, der immer wieder gefunden wird – wo gibt’s denn so was? Die Wallowys haben das Geocaching 2006 für sich entdeckt. Erfunden wurde der Mix aus modernster Technik und Naturerlebnis im Jahr 2000 in den USA. Jeder kann die sogenannten Caches in diversen Schwierigkeitsgraden aufspüren, anhand der im Internet veröffentlichten Koordinaten per GPS-Gerät oder Geocaching-App. Oder selbst etwas verstecken. Rund drei Millionen Caches weltweit ermöglichen es, „überall etwas zu entdecken, im Urlaub, auf Geschäftsreise, in der Stadt“, schwärmt Bert Wallowy. Der Bauingenieur zieht mit seiner Familie auch im Winter los: „Da stört die Vegetation nicht so.“

Die moderne Schnitzeljagd

Wer fündig wird, trägt sich in ein Logbuch ein und legt den Cache zurück, damit der Spaß weitergehen kann. Ob Rätsel-Fan oder Freeclimber: Geocaching bietet jedem die passende Herausforderung. Und Eltern nicht zuletzt eine gute Gelegenheit, dem Nachwuchs Baumarten oder Vogelstimmen näherzubringen.

Ein Ziel haben macht Laune

Alles auf Anfang: Wir befinden uns in einem Hamburger Park, hören Vogelgezwitscher und den Lärm von Ausflüglern. Am Ende wird feststehen: Man braucht keinen Hund, keinen Kinderwagen als Grund für eine Tour ins Grüne – nur ein Ziel. Gleich zwei davon hat Bert Wallowy bei der Cache-Datenbank geocaching.com ausgesucht. Er hat sich zwar mittlerweile dort für eine Premium-Mitgliedschaft entschieden, doch auch kostenlos sind unzählige Such-Abenteuer möglich. Zum ersten Cache ist es nicht weit. Luise sieht auf dem Display des GPS, wie die Entfernung schrumpft. Jetzt heißt es suchen, bis auf den letzten Meter genau ist die Anzeige nicht. Im Netz stand der Hinweis „magnetisch“. Luise prüft Schilder und Poller („Was gehört da nicht hin?“) und entdeckt bald eine graue Plastikdose, mit einem Magneten befestigt.

 

Was drin ist? Nicht so wichtig 

Kostbarkeiten sollte man nicht erwarten. Eher Murmeln, Schlüsselanhänger, Ü-Ei-Figuren. Davon darf man etwas nehmen, wenn man ein Tauschobjekt dalässt. In Luises Dose findet sich auch ein kleines Rennauto mit einer gravierten Plakette daran. „Ein Travelbug“, weiß sie, „der will reisen.“ Das heißt, dass das Auto in einem anderen Cache wieder abgelegt und das online dokumentiert werden soll. Der zweite Cache des Tages umfasst zwei Stationen: An dem Denkmal, auf das die Startkoordinaten weisen, knobelt die Familie aus Jahreszahlen die Lage der finalen Station heraus. Und stapft wenig später durchs Unterholz. Immerhin drei Kilometer Strecke machen alle an diesem Nachmittag, die Anfahrt zum Park, sportlich per Rad, nicht eingerechnet.

Was Luise schließlich in einer von Nacktschnecken besetzten Box gefunden hat? Eigentlich egal. Längst sind für die Schwestern Erlebnisse viel toller, etwa „als ich mal direkt auf dem Cache saß und es nicht merkte“ oder „der Nacht-Cache mit den sieben Zwergen“. Unvergessen auch der Ausflug, von dem sie einen entflogenen Kanarienvogel mitbrachten: „Den haben wir heute noch!“

Annemarie Lüning

Wie wurde Geocaching erfunden?

Erst seit dem 2.5.2000 können nichtmilitärische Nutzer ihre Position per GPS auf zehn Meter genau bestimmen – davor waren es etwa 100 Meter, weil die US-Regierung die Genauigkeit des Signals künstlich verschlechtern ließ. Am 3.5.2000 startete Dave Ulmer die von ihm erfundene Schatzsuche: In der Nähe von Portland versteckte er einen Eimer mit einer Videokassette, einer Steinschleuder und einer Konservendose mit Bohnen und veröffentlichte die Koordinaten in einer Newsgroup.

Kleines Cacher-ABC

Cache
engl. „geheimes Lager“. Wasserdichter Behälter mit Logbuch und oft auch Tauschgegenständen. Neben den sogenannten Traditionals gibt es Rätsel-Caches, Nacht-Caches und viele mehr.

Final
Endstation nach mehreren aufeinander verweisenden Caches (Multi-Cache).

Geocoin
Trackable in Medaillenform.

Loggen
Eintrag im Logbuch und online als Rückmeldung für andere Cacher und den Owner.

Muggel
frei nach Harry Potter: Menschen, die Geocaching nicht kennen (Uneingeweihte).

Owner
versteckt und betreut den Cache.

PETling
Plastikröhrchen mit Schraubverschluss, der Rohling einer PET-Flasche. Neben Tupper- und Filmdosen einer der beliebtesten Cachebehälter.

Spoiler
verschlüsselter Hinweistext oder Bild in der Cachebeschreibung.

Trackable
codierter „Spielstein“, der mithilfe der Finder von Cache zu Cache reisen, manchmal auch Aufgaben erfüllen soll. Gilt aber nicht als Tauschgegenstand.

Travelbug
von „bitten by the travel bug“, „vom Reisefieber gepackt“. Trackable in Form eines Anhängers.

So bitte nicht!

Beim Geocaching ist es verpönt …
  • ... sich so auffällig zu verhalten, dass Uneingeweihte etwas mitbekommen.
  • ... keinen Respekt gegenüber der Natur oder dem Eigentum anderer zu zeigen.
  • ... gegen Objekte von geringerem Wert zu tauschen („Down Trade“).
  • ... Gegenstände ohne Jugendfreigabe oder Lebensmittel in den Cache zu tun.
  • ... Caches woanders zu verstecken.

Was Sie für Geocaching brauchen:

Für Smartphone-Besitzer liegt es nahe, mit einer App einzusteigen. Vorteil: Sie können spontan loslegen, ohne Vorbereitung am PC. Ein GPS (ab 100 Euro) ist aber leichter zu bedienen, spielt bei schlechtem Handy-Empfang noch mit und verträgt es besser, wenn es mal runterfällt. Zudem hält der Akku länger. Denken Sie auch an Snacks, Wasser, Stift, eventuell Karte und Kompass – und Tauschobjekte. Extra-Tipp: Feuchttücher, weil die Hände bei eifriger Suche selten sauber bleiben. In festen Schuhen und langen Hosen kommen Sie gut durchs Gelände und trotzen kratzender und stechender Flora und Fauna.