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Trend Homeoffice: Fluch oder Segen?

In einer zunehmend digitalen Welt funktioniert flexibles Arbeiten unabhängig von Ort und Zeit. Laut einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes der Personalmanager bieten mehr als drei Viertel der Unternehmen ihren Beschäftigten die Möglichkeit, gelegentlich im Homeoffice zu arbeiten. Unser Autor Thomas Corrinth berichtet aus eigener Erfahrung über Chancen und Herausforderungen.

Die Waschmaschine schleudert hörbar in meinem Badezimmer, als mein wichtigster Kunde anruft. Also gehe ich in die Küche, schließe die Tür und öffne parallel zum Telefonat den Laptop auf dem Küchentisch. Ich stelle fest, das W-LAN funktioniert nicht, und werde nervös. Nun klingelt auch noch der Postbote …

So ungefähr stellte ich mir das Arbeiten von daheim vor – bis ich es in der Realität ausprobiert habe. Sowohl als Angestellter mit wenigen Stunden in der Woche am „heimischen Arbeitsplatz“ und nun auch als Freelancer mit externem Büro.

Konzentriertes Arbeiten

Wann ich wo arbeite – diese Entscheidung liegt heutzutage also vollkommen bei mir. Das bedeutet auf der einen Seite Freiheit, auf der anderen Seite aber auch ein hohes Maß an Disziplin und Selbstkenntnis. Welches Arbeitsumfeld ist heute besser für mich? Wenn ich zum Beispiel konzentriert einen Text fertig schreiben möchte, wähle ich das Homeoffice. Denn in meinem Heimbüro sitzen keine laut telefonierenden Kollegen an Nachbartischen.

Austausch und Inspiration

Manchmal brauche ich aber genau das beim Arbeiten: ein soziales Umfeld zum Austauschen, Inspirieren und auch mal Ablenken. Wenn ich mehrere Tage nicht im Büro bin, beschleicht mich das Gefühl, ich würde etwas verpassen und sei auch nicht so integriert in das Team. Deshalb kann ich Menschen verstehen, die das Arbeiten im Homeoffice ablehnen. Ich persönlich genieße diese Abwechslung aus Heim- und Büroarbeit.

Mehr Zeit ohne Pendeln

Den Luxus, nicht mehr in einem überfüllten Zug zur und von der Arbeitsstätte sitzen zu müssen, schätze ich ebenfalls sehr. Vor allem im Winter, wenn die Gefahr hoch ist, unfreiwillig Grippeviren vom Sitznachbarn mit nach Hause zu nehmen. Während mein bester Freund im morgendlichen Stau anruft und über selbigen schimpft, sitze ich schon in meinem heimischen Büro. Und belaste dabei auch nicht das Klima.

Weniger Pausen im Homeoffice

Laut einer Studie der Universität Hamburg* arbeiten Menschen im Homeoffice tendenziell länger und machen seltener Pausen. Das klingt plausibel, verschwimmen doch Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem und wirkliche „Kontrollinstanzen“ seitens der Unternehmen fehlen. Auch hier sind Disziplin und Organisationstalent gefragt. Gesundes Arbeiten sollten Unternehmen auch im Homeoffice unterstützen und mit vereinbarten Regeln sicherstellen. Ich zum Beispiel plane mir selbst stets feste Pausen ein.

Die Kombination ist ideal

Wer als Unternehmen Homeoffice anbietet, sollte sich der Vor- und Nachteile bewusst sein und gemeinsam mit den Beschäftigten nach Lösungen suchen. Zum Beispiel bietet sich die Kombination von Homeoffice und Büropräsenz mit gemeinsamen Zeiten aller Teammitglieder an. So können Beschäftigte von beiden Varianten profitieren und gleichzeitig den Kontakt zum Unternehmen halten.

Quellen: Universität Hamburg: Projektbericht. Interessierte Selbstgefährdung im Homeoffice:
Eine qualitativ-empirische Untersuchung am Beispiel von HR- Beschäftigten

 Thomas Corrinth

Dr. Herrmann (Fotorechte: Armin Akthar)

Anke Brinkmann (Fotorechte: Berliner Stadtreinigung)

 

 

 

Dr. Katharina Herrmann und Anke Brinkmann, Präsidiumsmitglieder des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM)

Interview

Wie hat sich die Akzeptanz von Homeoffice seitens der Arbeitgeber in den letzten Jahren in Deutschland entwickelt?

Dr. Katharina Herrmann:
Laut einer aktuellen Umfrage des BPM bieten mehr als drei Viertel der Unternehmen ihren Beschäftigten die Möglichkeit, gelegentlich im Homeoffice zu arbeiten. Gerade größere Unternehmen haben mittlerweile entsprechende Betriebsvereinbarungen, um die Modalitäten zu regeln. Solche klaren Rahmenbedingungen sind hilfreich. Flexibles Arbeiten ist und bleibt aber eine Frage der Unternehmens- und Führungskultur – und die entwickelt sich oft deutlich langsamer.

Der EuGH hat vor Kurzem ein Urteil gefällt: Unternehmen müssen die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter protokollieren. Wie kann das mit dem Trend zu Homeoffice vereinbart werden?

Anke Brinkmann:
Zu modernen Arbeitsbedingungen gehören Flexibilität in der Arbeitsgestaltung und Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Führungskräften. Dies ist schwer mit einer flächendeckenden Zeiterfassung zu vereinbaren. Gerade bei ortsunabhängigem Arbeiten werden für das Protokollieren der Arbeitszeit außerdem neue Systeme und Prozesse erforderlich. Neben dem Datenschutz für die Beschäftigten ist hier der bürokratische Aufwand zu beachten, der für alle – Mitarbeiter und Unternehmen – entsteht.

Welche Möglichkeiten haben Arbeitgeber, Mitarbeiter im Homeoffice gesundheitlich zu fördern?

Dr. Katharina Herrmann:
Unternehmen können eigene Betriebs- oder Dienstvereinbarungen abschließen, die den Beschäftigten an die Hand gegeben werden können. Grundsätzlich gelten dieselben Regelungen zur Arbeitszeit wie am Arbeitsplatz im Unternehmen. Zusätzliche Hinweise könnte es zum Beispiel zu folgenden Themen geben: Wie sollte ein Arbeitsplatz im Homeoffice aussehen? Wie sollten Pausen – auch im Hinblick auf Bewegung – gestaltet werden und wie kann eine proaktive Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen funktionieren?

Wie wichtig sind mobile Endgeräte wie Notebook, Tablet und Smartphone beim Arbeiten von zu Hause?

Anke Brinkmann:
Die Nutzung dieser mobilen Endgeräte mag gerade im Homeoffice verlockend sein. Aber auch hier gilt, wie sonst auch: Menschen sollten so kurz wie möglich und nur so lange wie nötig mit Notebook, Tablet oder Smartphone arbeiten. Diese praktischen elektronischen Helfer sind in erster Linie dazu da, Informationen abzurufen, Termine zu notieren, Notizen zu machen, kurze Texte zu schreiben und zu lesen und um erreichbar zu sein. Vor allem komplexere Schreib- und Lesearbeiten sollte man am gut ausgestatteten, ergonomischen Bildschirmarbeitsplatz erledigen. Dass dieser im Homeoffice vorhanden ist, sollte also sichergestellt sein.

 

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