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Gesund leben

Frühchen-Tagebuch

Zehn Wochen zwischen Hoffen und Bangen: Erinnerungen einer Mutter über die erste Zeit mit ihrer zu früh geborenen Tochter.

Fast 600.000 Kinder und Jugendliche sind bei der DAK-Gesundheit versichert. Im Rahmen ihres Kinder- und Jugendreports hat die DAK-Gesundheit untersucht, wie es ihnen geht. Doch einigen wenigen Kindern geht es überhaupt nicht gut – und in der Folge entstehen bei der Behandlung der kleinen Patientinnen und Patienten hohe Kosten. Von den 527 Millionen Euro Gesamtausgaben für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Jahr 2016 gingen 179 Millionen Euro – also etwa ein Drittel – an Kliniken. Die häufigsten Gründe für einen Klinikaufenthalt waren Mandelentzündungen und Gehirnerschütterungen, am teuersten waren Transplantationen und Frühgeburten. Was Krankenhausaufenthalte angeht, hatten Frühgeborene mit durchschnittlich 48 Tagen die mit Abstand höchste Verweildauer im Krankenhaus (ohne psychische Erkrankungen). Dies trug entscheidend dazu bei, dass 50 Prozent der 2016 angefallenen Kosten für Gesundheitsleistungen auf lediglich drei Prozent der Kinder und Jugendlichen entfielen. Die Auszüge aus dem Tagebuch unserer Versicherten Maria K. lassen nur ahnen, was es für Eltern bedeutet, ein Frühchen zu haben, das lange in der Klinik bleiben muss. Sie zeigen aber auch, das hier
alles für die Kleinen getan wird, damit aus ihnen glückliche und fröhliche Kinder werden.

Annemarie Lüning

4. März: Von 0 auf 100

Wir sind Eltern. Ich kann das noch gar nicht glauben. Vorgestern, nach 29 unauffälligen Wochen, hatte ich nachts eine Mini-Blutung. Sicherheitshalber bin ich morgens zum Arzt gegangen – und durfte nicht mehr auf eigenen Beinen aus der Praxis. Nach einer Blaulichtfahrt gab’s in der Klinik Wehenhemmer und eine Spritze für die Lungenreifung. Heute Mittag dann der Kaiserschnitt. Nun sitzen wir vor einem Glaskasten mit einem lebendigen Püppchen drin. In einer Woche, in der andere 3D-Ultraschall machen, können wir unserer Tochter ins Gesicht sehen.

5. März: Viel Hilfe

Wir durften sie gleich anfassen, durch Bullaugen im Brutkasten mit desinfizierten Fingern ihre Händchen streicheln. Sie ist so zart (1.490 Gramm!) und hat nichts von einem drallen Neugeborenen, aber auch wenig von einem aus dem Nest gefallenen Vögelchen wie ich erwartet hatte. Im Mund liegt eine Magensonde, an der Nase eine Atemhilfe. Zum Glück braucht sie keine Beatmung. Auf der kleinen Brust kleben Elektroden, die von Pflastern mit Hundebildchen gehalten werden. Ärzte und Schwestern machen uns Mut. Wenn alles gut läuft, dürfen wir sie im Mai – errechneter Geburtstermin war der 19.5. – nach Hause holen.

6.–15. März: Freude, Frust, Angst

Immer mal wieder schlagen die Überwachungsmonitore bei uns oder einem anderen Kind Alarm. Das scheint kein Drama zu sein, bedeutet aber oft, dass dann eine Schwester kommt und das Kind kurz massiert. Wir „känguruhen“ jeden Tag, das ist wunderschön. Warum die Schwangerschaft so enden musste, kann uns keiner sagen. Ist auch unwichtig angesichts der Angst, die wir mehrere Tage hatten: Eine Operation (!) bei unserer Kleinen stand im Raum, weil zwischen Lungen- und Körperschlagader noch eine Verbindung offen war. Jetzt haben aber doch Medikamente geholfen. Wir sind so erleichtert und dankbar.

16. März–27. April: Durststrecke

Am 20.3. durfte unsere Kleine in ein Wärmebettchen, weiter mit Verkabelung, Monitor und Alarmen. Am 11.4. ging‘s aus der Intensiv in eines der Nachsorgezimmer. Alles wäre soweit okay, wenn das Trinken besser klappen würde. Mit Magensonde ist an eine Entlassung nicht zu denken. Wir pendeln jeden Tag in die Klinik, mein Mann ist immer morgens früh und nach Feierabend da, ich ab Mittag nach dreimal Milchpumpen am Morgen. Die Ungewissheit, wann (und ob?!) es vorwärts geht, belastet uns immer mehr.

15. Mai: Geschafft!

Die Fläschchen-Hürde ist genommen: Letzte Woche war das erste Mal von Entlassung die Rede. Heute durften wir unser Mädchen mitnehmen. Das erste Mal mit Kinderwagen in den Frühling – danke, danke, danke!

 

Das Tagebuch ist schon ein paar Jahre alt. Das "Püppchen" von damals ist heute ein gesundes Schulmädchen.