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Balance schaffen

Vielen Dank! Komplimente richtig annehmen

Wir erröten, wir wiegeln ab, wir gehen in Abwehrhaltung: Komplimente anzunehmen, fällt vielen schwer. Doch warum rufen Lob und Wertschätzung oft ein unbehagliches Gefühl in uns vor? Wir verraten, wie Sie besser mit nett gemeinten Worten umgehen können.

„Dein Pullover ist aber schön.“ „Oh, das alte Ding? Das habe ich letztes Jahr im Sommerschlussverkauf erstanden.“ „Vielen Dank für die Ausarbeitung des Projekts, da haben Sie wirklich Arbeit reingesteckt.“ „Ach, das war doch nichts.“ Erkennen Sie sich in diesen Aussagen wieder? Ist Ihnen womöglich selbst schon einmal eine solche Antwort auf ein Kompliment über die Lippen gekommen? Das wäre keine Seltenheit. Studien zufolge nehmen wir zwei von drei Komplimenten gar nicht an. Vor allem Frauen haben Schwierigkeiten, mit Lob umzugehen.

Doch was verleitet uns dazu, jegliche positive Bemerkung bezüglich unserer Person, unseres Könnens oder unserer Arbeit so rigoros abzuweisen oder abzuwerten? Der Psychologe Dr. Randy Paterson hat dies in seinem Buch „The Assertiveness Workbook“ näher beleuchtet.

Welchen Effekt haben Komplimente auf uns?
Ein Kompliment wirkt wie eine kleine Streicheleinheit für die Seele. Es befriedigt eines unser menschlichen Grundbedürfnisse: das Verlangen nach Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit. „Von einem guten Kompliment kann ich zwei Monate leben!“, erklärte schon Mark Twain. Allerdings ist es wichtig, dass das Kompliment ernst gemeint ist und dem Gegenüber aufrichtig mitgeteilt wird. Es sollte sich um echtes Lob handeln und keine Schmeichelei sein. Falsche Komplimente erkennen wir gleich als solche, sei es bewusst oder unbewusst. Sie wirken aufgesetzt oder fehl am Platze, sie erreichen nicht unser Herz und hinterlassen keinen nachhaltigen Eindruck. Zweifel an der Ehrlichkeit des Kompliments ergeben sich beispielsweise, wenn es unglaubwürdig klingt oder die Lobeshymne zu ausschweifend ist.

Was ist ein gutes Kompliment?

Das Wichtigste an einem guten Kompliment ist Aufrichtigkeit. Echter Zuspruch kommt spontan und ohne Anstrengung vom Lobenden. Auch nonverbale Signale, wie ein anerkennendes Lächeln oder ein zustimmendes Nicken, können Komplimente sein. Entgegen allgemeinen Annahmen kommt es nicht auf die Länge oder Ausführlichkeit des Lobes an. Ganz im Gegenteil, meist ist es eine präzise und detaillierte Bemerkung, die die größte Wirkung bei uns erzielt. Doch das fällt uns offenbar sogar in unserer Partnerschaft schwer, einer statista-Umfrage zufolge machen nur 28,6 Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer ihren Partnern jeden Tag ein Kompliment.

Wenn wir einer anderen Person ein Kompliment machen, sollte dieses uneingeschränkt positiv sein und am besten keinen Vergleich beinhalten. Es sollte weder mit Hintergedanken noch mit der stillen Forderung einhergehen, dass wir uns beim Lobenden revanchieren müssen. Natürlich muss ein Kompliment auch stets zur Beziehungsart passen: Der Chef stellt ein Lob zur herausragenden Leistung aus, die beste Freundin bewertet eher das neue Outfit, die Mutter bewundert uns dafür, dass wir Berufs- und Privatleben so gut vereinen.

Je besser das Kompliment, desto schwerer fällt es uns allerdings oft, angemessen darauf zu reagieren.

Warum fällt es uns so schwer, Komplimente anzunehmen?
Ein Mitmensch hat gerade etwas Positives über uns oder unsere Fähigkeiten gesagt. Doch statt uns für das Lob zu bedanken, werten wir uns selber ab und spielen unsere Leistung herunter. Dr. Randy Paterson benennt vielfältige Gründe für unsere verlegene Reaktion. Einerseits dürsten wir nach Aufmerksamkeit, wir wollen anderen Menschen gefallen. Andererseits erschrecken wir, sobald wir im Mittelpunkt stehen. Bei einem Kompliment, besonders wenn es vor anderen Leuten ausgesprochen wird, richtet sich plötzlich alle Aufmerksamkeit auf die eigene Person. Das empfinden viele Menschen als unangenehm und sie möchten der Situation schnell wieder entfliehen. Deswegen beschwichtigen sie, gehen in Abwehrhaltung und hoffen, dass sie sich der Beachtung bald entziehen können.

Doch nicht nur Bescheidenheit spielt eine Rolle bei der Annahme von Komplimenten. Vielen Menschen fehle auch das Vertrauen in ihr eigenes Können und in die eigenen Talente, so Paterson. Sie können das Kompliment gar nicht ernstnehmen oder das Lob akzeptieren, weil sie selbst nicht von sich und ihren Leistungen überzeugt seien. Außerdem schwingt stets die Scheu vor Eigenlob mit. Schon von klein auf wird uns zu verstehen gegeben, dass „Eigenlob stinkt“. Wenn wir also dem Lobenden danken, vielleicht sogar zustimmen, dann kann uns das schnell als Selbstgefälligkeit ausgelegt werden. Wir haben Angst, überheblich und arrogant auf unsere Umwelt zu wirken.

Wenn wir ein Kompliment erhalten, verspüren wir außerdem den Druck, das Lob so schnell wie möglich zurückzugeben. Meist findet dabei eine Spiegelreaktion statt: Wir erhalten eine positive Rückmeldung und antworten sogleich mit einem Gegenkompliment.

Aber wie schaffen wir es, besser, und vor allem entspannter, mit Lob umzugehen? Wie können wir unseren Mitmenschen zeigen, dass wir uns tatsächlich über die positive Rückmeldung freuen?

Tipps, Komplimente anzunehmen

Es ist wichtig, zu erkennen, dass uns Lob guttun darf. Wir dürfen und sollen uns über aufrichtige Komplimente freuen.

Ein simples „Danke“ genügt hier als Antwort bereits. Sie können es auch noch ausführen: „Danke, es freut mich, dass du das so siehst.“, „Vielen Dank, schön, dass sich die Arbeit ausgezahlt hat.“, „Dankeschön, das bedeutet mir sehr viel.“ Sagen Sie Danke, ohne das Kompliment zu untergraben, es zu kommentieren oder abzuwehren. Wenn Ihnen ein verbales Bedanken unangenehm ist, nutzen Sie nonverbale Signale, um Ihrer Freude Ausdruck zu verleihen: Lächeln Sie ihren Gegenüber an, oder nicken Sie mit dem Kopf.

Ein Lob darf unserem Selbstbewusstsein auf die Sprünge helfen und unser Selbstwertgefühl steigern. Eine positive Reaktion auf unsere Person oder unser Talent kann in uns auch durchaus eine ungehindert-positive Resonanz hervorrufen. Ohne schlechtes Gewissen oder Angst vor Eigenlob und Selbstgefälligkeit.

Nehmen Sie sich Zeit für ein Kompliment. Manchmal geht ein Lob von Mitmenschen im Stress des Alltags unter, sodass wir es gar nicht richtig annehmen oder würdigen können. Treten Sie einen Schritt zurück, lassen Sie den Zuspruch auf sich wirken und erfreuen Sie sich an ihm.

Mit einem Kompliment umgehen

Drei simple Schritte

1. Schritt: Annehmen

 

Wenn ein Kompliment Sie überrascht, neigen Sie zunächst womöglich dazu, es abzulehnen. Sie halten es für ungerechtfertigt und übertrieben, die Aufmerksamkeit ist Ihnen unangenehm. Machen Sie sich deshalb bewusst, dass das Lob durchaus Berechtigung hat und dass Sie, wie jeder Mensch, Anerkennung verdient haben. Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein und seien Sie stolz auf Ihre Leistungen. Andere sind es bereits.

2. Schritt: Schweigen

 

Ein Gegenkompliment zu geben ist ein Reflex, dem viele Menschen unterliegen. Sobald Sie ein positive Rückmeldung erhalten, haben Sie womöglich das Gefühl, sich revanchieren zu müssen. Oder aber Sie versuchen, Ihre Leistung zu schmälern, das Thema zu wechseln und abzulenken. Der zweite Schritt für die Annahme eines Kompliments ist deshalb, diesem Impuls zu widerstehen – und nichts zu machen. Halten Sie kurz inne und lassen Sie das Kompliment auf sich wirken.

3. Schritt: Bedanken

 

Nehmen Sie das Kompliment an und bedanken Sie sich dafür. Lächeln Sie gerne dabei oder nicken Sie mit dem Kopf. Es zeigt dem Lobenden, dass Sie sich über seinen Zuspruch freuen und Wert auf seine Meinung legen.

Laura Bottin