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Mediensucht steigt in Corona-Pandemie stark an

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Chatten, posten, streamen, liken – das Leben vieler Kinder und Jugendlichen findet vor dem Bildschirm statt. Nach einer neuen Studie der DAK-Gesundheit und der Universitätsklinik Eppendorf nutzen 4,1 Prozent aller 10- bis 17-Jährigen in Deutschland Computerspiele krankhaft. Doch wie viel Medienkonsum ist ok und wann wird von Suchtverhalten gesprochen?

Ole ist immer da, wo sein Handy ist. Schon fünf Minuten ohne sein Smartphone machen den 14-Jährigen nervös. In kurzen Abständen checkt er die neuesten Nachrichten im Social-Media-Account und schaut sich stundenlang Videos auf YouTube und TikTok an. Mindestens drei Stunden pro Tag verbringt er zudem an der Spielkonsole. „Willst du nicht mal wieder rausgehen und deine Freunde treffen?“, fragen ihn seine Eltern. Doch das interessiert Ole nur wenig, schließlich sind die auch online und so rund um die Uhr mit ihm vernetzt. Als Ole mal wieder lustlos in seinem Essen stochert, den Blick immer wieder auf das Display seines Smartphones gerichtet, explodieren seine Eltern: „Kannst du nicht wenigstens beim Essen mal das Ding weglegen und dich mit uns unterhalten?“ „Wieso? – Das machen doch alle so!“, ruft er seinen genervten Eltern zu. Und Ole scheint Recht zu haben.

Gibt es in Ihrem Haushalt klare Regeln für den Medienkonsum Ihrer Kinder?

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Regeln für Nutzung digitaler Medien sind wichtig

Laut DAK-Studie stellt rund die Hälfte aller Eltern keinerlei Regeln zu Art und Dauer der Nutzung digitaler Medien auf. Dieser Wert änderte sich auch im Verlauf der Pandemie kaum. Nach Einschätzung des Suchexperten Prof. Rainer Thomasius führt eine exzessive Nutzung oft zu Kontrollverlust mit weitreichenden Folgen. „Da persönliche, familiäre und schulische Ziele in den Hintergrund treten, werden alterstypische Entwicklungsaufgaben nicht angemessen gelöst“, erklärt Professor Thomasius. „Ein Stillstand in der psychosozialen Reifung ist die Folge. Die Ergebnisse unserer Studie machen einmal mehr deutlich, wie wichtig Präventions- und Therapieangebote für Kinder und Eltern sind.“ Junge Menschen die Games und/oder Social Media besonders häufig nutzen, sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt in eine Sucht zu geraten. Es sind jedoch nicht nur die Dauer und Intensität der Nutzung entscheidend für das Suchtrisiko, sondern auch die Inhalte. Für Eltern ist es deshalb sehr wichtig, klare Regeln festzulegen. Als Leitlinie für eigene Regeln zum Medienkonsum eignen sich die Empfehlungen des Internationalen Zentralinstitut für Jugend- und Bildungsfernsehen. Demnach sollten Kinder im Alter von 7 bis 11 Jahren maximal 45 Minuten am Tag die Spielekonsole oder den PC nutzen. Kinder zwischen 11 und 13 Jahren eine Stunde lang. Eine Übersicht gibt es auf https://computersuchthilfe.info/medienregeln

Um nicht nur die Dauer, sondern auch die Inhalte zu steuern können Eltern von Filtern und Sperren Gebrauch machen, so dass ihre Kinder altersgemäß geschützt sind. Ziel sollte ein aufgeklärter und verantwortungsvoller Umgang mit sozialen Medien sein. Junge Menschen sollten wissen, dass digitale Medien nicht die Realität abbilden. Gerade beim Gaming ist es wichtig dem Suchtpotenzial entgegenzuwirken, das durch fehlende Pausen und glücksspielähnlicher Belohnungen entsteht. Als Faustformel könnte gelten: mindestens so viel Zeit mit Bewegung an der frischen Luft zu verbringen wie vor dem Bildschirm.

"Der Anstieg der Abhängigkeit bei Computerspielen von mehr als 50 Prozent ist alarmierend. Die Gesundheitspolitik muss die zunehmende Mediensucht bei jungen Menschen stärker in den Fokus nehmen. Außerdem brauchen wir eine breite Präventionsoffensive, um die Medienkompetenz von Kindern und Eltern weiter zu stärken."
 
Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit
"Die problematische Nutzung digitaler Spiele und sozialer Medien hat unter der Corona-Pandemie signifikant zugenommen. Der Anstieg der Mediensucht ist vor allem auf die wachsende Zahl pathologischer Nutzer unter den Jungen zurückzuführen. Auffällig ist auch der Anteil der Betroffenen bei den 10- bis 14-Jährigen. Digitale Medien waren und sind für Kinder und Jugendliche weiterhin ein relevantes Mittel zum Umgang mit herausfordernden Situationen. Und dazu zählt auch die Corona-Pandemie mit ihren vielen einschränkenden Maßnahmen."
 
Rainer Thomasius, Studienleiter und Ärztlicher Leiter am Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kinder- und Jugendalters am UKE Hamburg

Mediensucht erklärt in 5 Minuten

 

DAK-Gesundheit bietet als erste Krankenkasse Mediensuchtscreening

Als Antwort auf die steigende Mediensucht verstärkt die DAK-Gesundheit gemeinsam mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) die Prävention durch ein Pilotprojekt. Seit Oktober 2020 gibt es bei 12- bis 17-Jährigen eine neue zusätzliche Vorsorgeuntersuchung, die das Mediennutzungsverhalten ins Visier nimmt. In Bremen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen können rund 70.000 Jungen und Mädchen die Früherkennung ergänzend zur J1 und J2 nutzen. Insgesamt bieten in diesen Ländern mehr als 1.200 Kinderärztinnen und Kinderärzte ein spezielles Mediensuchtscreening für Versicherte der DAK-Gesundheit an. Grundlage ist die so genannte GADIS-A-Skala (Gaming Disorder Scale for Adolescents), die von Suchtforschern des UKE Hamburg entwickelt wurde und jetzt erstmals in der Praxis eingesetzt wird.

Online-Vortrag:

Medienerziehung und Stärkung der digitalen Balance

Ein gesunder Umgang mit digitalen Medien, darum geht es in unserem Online-Seminar „Medienerziehung und Stärkung der digitalen Balance“. Sie erfahren, worauf Sie als Eltern achten sollten und wie Sie mit Ihren Kindern im Kontakt bleiben. Wie viel ist gut, ab wann ist es zu viel?

Andreas Pauly von der update-Fachstelle für Suchtprävention beantwortet diese und auch Ihre Fragen.

Termin: 24.11.2021 von 18:30 Uhr bis 20:00 Uhr

Hier geht es zur Anmeldung

Ergebnisse der Präventionsoffensive „Mediensucht 2021“

 

 
 
 
 
 
 
 
 

Nina Alpers