Bild zum Beitrag 'Wenn die Schilddrüse verrückt spielt'
Gesund leben

Wenn die Schilddrüse verrückt spielt

Kleine Hormondosis mit großer Wirkung

Die Schilddrüse ist ein faszinierendes Organ. Sie bestimmt mit, ob wir Appetit haben oder nicht, ob wir schwitzen oder frieren. Sie beeinflusst unsere Herzfrequenz und ob wir unruhig, traurig oder aggressiv sind, ja sogar, wie gut wir schlafen. Wenn die Schilddrüse gesund ist, fällt gar nicht auf, was dieses kleine Organ Tag für Tag leistet. Doch was, wenn sie nicht richtig funktioniert?

Die Schilddrüse, in der Fachsprache Glandula thyroidea genannt, liegt im Bereich des Kehlkopfes und sieht aus wie ein Schmetterling: Ihre „Flügel“ liegen links und rechts der Luftröhre, sie sind über eine kleine Brücke miteinander verbunden. Die Schilddrüse produziert drei wichtige Hormone – Trijodthyronin, T3 genannt, Tetrajodthyronin, T4 oder auch Thyroxin genannt, und Calcitonin, ein Hormon, das die Kalziumkonzentration im Blut reguliert. Die Schilddrüse benötigt Jod, um diese Hormone produzieren zu können. Deswegen sind jodhaltige Lebensmittel und jodiertes Speisesalz wichtig für den Organismus.

Die Schilddrüsenhormone sind für zahlreiche Prozesse im menschlichen Körper zuständig. Sie beeinflussen zum Beispiel die Verarbeitung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen, die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems, das Wachstum und sogar die geistige Entwicklung bei Ungeborenen und Kindern.

Was passiert im Körper, wenn die Schilddrüse aus dem Gleichgewicht gerät?
Bereits eine geringe Abweichung vom normalen Hormonspiegel kann sich im Körper bemerkbar machen. Dabei können entweder zu viele oder zu wenige Hormone ausgeschüttet werden. Dieses Ungleichgewicht wird in der Regel über eine Blutuntersuchung festgestellt. Eine bereits deutlich vergrößerte oder verkleinerte Schilddrüse kann per Ultraschalluntersuchung diagnostiziert werden.

 

Schilddrüsenunterfunktion

Eine Schilddrüsenunterfunktion liegt dann vor, wenn die Schilddrüse zu wenig T3 und T4 produziert. Fachärzte sprechen dann von einer „Hypothyreose“. Durch die niedrige Hormonkonzentration laufen verschiedene Stoffwechselprozesse im Körper langsamer ab als sonst. Oft klagen Betroffene über niedrigen Blutdruck und einen schwachen Puls. Dadurch frieren sie auffallend schnell, sie fühlen sich antriebslos, müde und schwach. Auch können sich Menschen mit zu wenig T3 und T4 im Blut schwer konzentrieren. Der langsame Stoffwechsel verursacht zudem häufig Verstopfung und Gewichtszunahme. Auch brüchige Haare oder Haarausfall, trockene Haut und Wassereinlagerungen können ihre Ursache in einer Schilddrüsenunterfunktion haben. Um den niedrigen T3 und T4-Spiegel auszugleichen, werden die Hormone meist in Form von Tabletten zugeführt.

 

 

Schilddrüsenüberfunktion

Im umgekehrten Fall liegt bei zu viel T3 und T4 im Blut eine Schilddrüsenüberfunktion, die sogenannte „Hyperthyreose“ vor. Dann läuft der Stoffwechsel schneller als üblich ab. Dadurch haben die Betroffenen häufig verstärkt Appetit, nehmen aber an Gewicht ab. Die Darmtätigkeit erhöht sich, es kommt zu Durchfällen. Weitere Folgen der gesteigerten Aktivität im Körper sind innere Unruhe und Herzklopfen, ein erhöhter Blutdruck und Schlaflosigkeit sowie eine Neigung zum Schwitzen und Zittern. Betroffene fühlen sich mitunter gereizt und reagieren schneller als andere aggressiv. Bei Frauen kann eine Schilddrüsenfehlfunktion auch zu Zyklusstörungen führen.

Mögliche Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion

 

 

Mögliche Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion

 

Schon gewusst?

Jodtabletten bei Radioaktivität

Die Schilddrüse ist für die Hormonproduktion auf Jod angewiesen. Im Falle eines radioaktiven Unfalls können Stoffe in die Umwelt, unsere Nahrung und die Atemluft gelangen, die der Struktur von Jod stark ähneln und die der Körper schnell verwechseln kann. Werden diese Stoffe statt des üblichen Jods in der Schilddrüse gespeichert, verstrahlen die umliegenden Zellen.
Die gute Nachricht ist: Die Schilddrüse ist in der Lage, eine gewisse Menge an Jod vorrätig zu speichern. Ist der Vorrat einmal voll, werden keine weiteren Stoffe aufgenommen. Bei erhöhter radioaktiver Strahlung werden daher Jodtabletten eingenommen, um die Schilddrüse zu schützen.

Julia Meier