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Bewerbungsgespräche – Tipps für Arbeitnehmer

So punkten Sie im Vorstellungsgespräch

Wer zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird, befindet sich bei der Jobsuche auf der Zielgeraden: Viele Konkurrenten haben Sie bereits hinter sich gelassen, die neue Stelle ist zum Greifen nah. Dennoch ist das Bewerbungsgespräch für viele die größte Hürde. Diese Tipps helfen Ihnen, die Herausforderung zu meistern.

1. Vorbereitung ist alles

Um entspannt in ein Bewerbungsgespräch zu starten, bereiten Sie sich am besten auf alle Eventualitäten vor. Diese Punkte sollten Sie dabei berücksichtigen:

„Stellen Sie sich bitte kurz vor.“
Sicherlich wird man Sie bitten, sich kurz – meist in zwei bis drei Minuten – vorzustellen. Nutzen Sie die Zeit bis zum Gespräch und erstellen Sie eine kurze Selbstpräsentation. Dabei müssen Sie nicht Ihren gesamten Lebenslauf „herunterrattern“, gehen Sie vielmehr auf zentrale Stationen ein, die zum Job passen und stellen Sie anhand dessen Ihre Fähigkeiten vor. Damit geben Sie Ihrem Gesprächspartner einen guten Überblick über Ihren Werdegang und vermitteln zugleich den Mehrwert, den ihr zukünftiger Arbeitgeber erwarten darf, wenn er Sie einstellt.

Eine beliebte Frage unter Personalern ist die, nach Stärken und Schwächen der Bewerber. Auch hier können Sie sich bereits im Vorfeld eine originelle Antwort überlegen. Verknüpfen Sie Ihre Antworten am besten mit einem Beispiel, um Ihren Gesprächspartner zu überzeugen: „Mir fällt es leicht, mich in andere hineinzuversetzen und mich schnell in verschiedene Themen einarbeiten. Deshalb hat mir die Arbeit im Projektmanagement großen Spaß gemacht.“ Ein gutes Beispiel für eine Schwäche wäre: „Ich helfe anderen gerne, dabei fällt es mir jedoch öfter schwer „nein“ zu sagen. In letzter Zeit gelingt es mir jedoch immer besser, die Balance zu finden und mir nicht mehr zu viel vorzunehmen.“

Eckpunkte über den Arbeitgeber recherchieren
Wahrscheinlich wird Ihnen der Personaler auch einige Fragen zum Unternehmen stellen, bei dem Sie sich bewerben. Investieren Sie daher etwas Zeit und lesen Sie die Website ihres potenziell neuen Arbeitgebers. Sollte die Website über einen Pressebereich verfügen, werfen Sie ruhig einen Blick auf die Neuigkeiten. So wissen Sie genau Bescheid, womit sich Ihre Gesprächspartner aktuell beschäftigen. Prägen Sie sich neben der Branche und den aktuellsten Projekten am besten die zentralen Werte des potentiellen Arbeitgebers ein. Personaler suchen in der Regel nach Mitarbeitern, die sich mit den Idealen des jeweiligen Unternehmens identifizieren können. Anhand des Leitbildes erfahren Sie außerdem eine Menge über die Vorstellung von Gemeinschaft, die in Ihrem neuen Arbeitsumfeld gelebt werden soll.

Angemessene Kleidung tragen
Wussten Sie, dass der erste Eindruck durch nur einen einzigen Blick entsteht? Genaugenommen entscheiden wir in den ersten 150 Millisekunden, ob wir jemanden sympathisch finden oder nicht. Grund genug, Ihr Outfit mit Bedacht zu wählen. Denn Kleider machen nicht nur Leute, sie sagen auch viel aus über ihren Träger. Achten Sie auf die Details – putzen Sie Ihre Schuhe, wählen Sie dezenten Schmuck und bügeln Sie Ihr Hemd beziehungsweise Ihre Bluse. Damit vermitteln Sie Sorgfalt und Seriosität, ohne auch nur ein einziges Wort darüber verlieren zu müssen. Wichtig ist aber, dass Sie sich in Ihrer Kleidung wohlfühlen. Denn nur dann fühlen Sie sich auch wohl in Ihrer Haut – gerade das ist bei Bewerbungsgesprächen unerlässlich.

2. Nur nicht die Nerven verlieren

Zugegeben, das ist in einem Vorstellungsgespräch leichter gesagt als getan – schließlich geht es um eine ganze Menge und Sie haben viel Zeit und Energie in die Bewerbung gesteckt. Sobald Sie dem Personalverantwortlichen oder Ihrem zukünftigen Chef gegenübersitzen, wollen Sie sich von Ihrer besten Seite präsentieren, Motivation und Engagement vermitteln und verdeutlichen, warum Sie – und zwar nur Sie – die optimale Besetzung für den Job sind. Kurzum, Sie befinden sich in einer klassischen Prüfungssituation. In einer solchen ist es vollkommen normal, nervös zu sein.

Authentisches Auftreten sorgt für Sympathie
Die gute Nachricht ist: Sie müssen Ihre Aufregung nicht überspielen. Studien haben bewiesen, dass Bewerber deutlich besser in Vorstellungsgesprächen abschneiden, wenn sie authentisch auftreten. Maskeraden werden von erfahrenen Personalverantwortlichen in Windeseile entlarvt. Das ist gut und richtig so. Warum? Wagen Sie einen Perspektivwechsel: Im Schnitt verbringen Arbeitnehmer in Deutschland 41 Stunden pro Woche an Ihrem Arbeitsplatz. Würden Sie langfristig für einen Arbeitgeber arbeiten wollen, bei dem Sie nicht Sie selbst sein können? Ein weiterer Vorteil: Sie sparen eine Menge Energie ein, wenn Sie sich im Hinterkopf nicht auch noch damit beschäftigen müssen, die möglichst beste Version Ihrer selbst zu spielen. Richten Sie Ihre Konzentration auf die Fragen, die Ihnen gestellt werden und hören Sie aufmerksam zu. So verfliegt die Nervosität meist ganz von selbst.

Atmen nicht vergessen
Bei Angst, Aufregung oder Stress schüttet der Körper Adrenalin aus. Das Hormon kann in Notfällen Leben retten, denn es bewirkt, dass sich die Luftröhre und die Bronchien weiten. Man atmet schneller, Arme und Beine werden verstärkt mit Sauerstoff versorgt – man könnte sofort Hals über Kopf davonlaufen. Das ist im Falle eines Bewerbungsgesprächs natürlich keine gute Idee. Wenn Sie bewusst und langsam atmen, können Sie Ihrem Körper aktiv gegenteilige Signale senden. Das verlangsamt die Herzfrequenz – das subjektive Stressgefühl lässt nach. Sind Sie zu aufgeregt, um in eine ruhige Atmung zu finden, ist es hilfreich, die überschüssige Energie einfach abzubauen. Gehen Sie vor Ihrem Gespräch noch eine Runde um den Block oder durch einen Park, hüpfen Sie in einer ungestörten Umgebung einige Male auf und ab. Nur nicht zu viel, denn in Stresssituationen ermüdet der Körper schneller als sonst. Halten Sie Ihre Kraftreserven für das anstehende Kennenlernen aufrecht.

Mit Stressfragen rechnen
Auch das noch: Gerade haben Sie Ihren Puls unter Kontrolle gebracht, da versucht Sie Ihr Gesprächspartner mit komplizierten Fragen aus der Fassung zu bringen. Keine Sorge, das gehört zum Spiel. Schließlich müssen Personalverantwortliche prüfen, wie ihr potenziell neuer Mitarbeiter in stressigen Situationen reagiert. Alleine das Wissen um diese Tatsache kann Ihnen dabei helfen, die Ruhe zu bewahren. Sie müssen nicht wie aus der Pistole geschossen antworten. Stattdessen können ruhig sagen, dass Sie einen Moment überlegen wollen – so weiß Ihr Gegenüber auch gleich, warum der Gesprächsfluss einen Augenblick pausiert.  Bei sogenannten „Brainteaser“-Fragen ist nachdenken sogar gewollt: Es kann passieren, dass man Sie beispielsweise fragt, wie viele Grashalme sich in einer Stadt wie Hamburg befinden. Bei solchen Fragen geht es nicht darum, die korrekte Antwort zu nennen. Vielmehr wollen Ihre Gesprächspartner herausfinden, wie Sie an die Fragestellung herangehen und ob Sie kreative Lösungswege für scheinbar unlösbare Probleme finden.

 

3. Sagen Sie’s positiv

Es gibt unzählige Gründe, sich für einen Job zu bewerben. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird man Sie auch nach Ihrer Motivation für die Stelle fragen. Wichtig dabei ist, dass Sie dabei positive Ich-Botschaften versenden. Hier einige Beispiele: In Ihrem aktuellen Job entwickeln Sie sich einfach nicht weiter und Sie gehen meist gelangweilt zur Arbeit? Dann sind Sie auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Multitasking liegt Ihnen leider gar nicht? Dann möchten Sie sich gerne spezialisieren. Und was, wenn der Umgangston unter den jetzigen Kollegen so gar nicht passt? Dann ist Ihnen Respekt und Wertschätzung untereinander sehr wichtig. Auch persönliche Konflikte gehören nicht in ein Vorstellungsgespräch. 40 Prozent aller deutschen sind unzufrieden in ihrem Job. Rund ein Drittel aller Arbeitnehmer war bereits von Mobbing betroffen. Hüten Sie sich jedoch davor, im Bewerbungsgespräch über Ihren aktuellen Arbeitgeber oder die Kollegen zu lästern. Denn Loyalität ist Chefs und Personalern ebenso wichtig wie Ehrlichkeit. Sollten Sie jedoch konkrete Kritikpunkte haben, formulieren Sie auch hier Ihre Wünsche und blicken Sie positiv in die Zukunft: „Ich bevorzuge teamorientiertes Arbeiten, ich vertraue auf Vorgesetzte, die führen und motivieren. Ich schätze Unternehmen, in denen ich Fragen stellen darf.“ So präsentieren Sie sich als integre Persönlichkeit und Sie nehmen Ihrem zukünftigen Arbeitgeber die Bedenken, möglicherweise ebenfalls von Ihnen in einem schlechten Licht dargestellt zu werden.
Das wichtigste auf einen Blick

Die Do's and Don'ts im Vorstellungsgespräch

 

 

 
1.     Genau recherchieren 1.     Unpünktlich zum Gespräch erscheinen
2.     Selbstpräsentation vorbereiten 2.     Texte einstudieren
3.     Eigene Stärken und Schwächen kennen 3.     Als erstes nach Urlaub und Gehalt fragen
4.     Geeignetes Outfit wählen 4.     Kaugummikauen während des Gesprächs
5.     Eigene Ziele und Wünsche formulieren 5.     Den Gesprächspartner unterbrechen
6.     Trotz Anspannung konzentriert bleiben 6.     Über den letzten Arbeitgeber lästern

 

Julia Meier