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Corona: Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen stark gestiegen

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Chatten, posten, streamen, liken – Ole ist immer da, wo sein Handy ist. Schon fünf Minuten ohne sein Smartphone machen den 14-Jährigen nervös. In kurzen Abständen checkt er die neuesten Nachrichten im Social-Media-Account und schaut sich stundenlang Videos auf YouTube und TikTok an. Mindestens drei Stunden pro Tag verbringt er zudem an der Spielkonsole. „Machen die anderen doch auch“, ruft er seinen Eltern zu, die ihren Sohn lieber beim Sport sehen würden. Aber Ole scheint Recht zu haben.

Seit Jahren untersucht die DAK-Gesundheit die Onlinenutzung von Kindern und Jugendlichen. In Zeiten von Corona hat sie noch einmal genauer hingeschaut und 1.200 Familien zu ihrem Online- und Spielverhalten befragt. Und schon die ersten Ergebnisse der Präventionsoffensive „Mediensucht 2020“ der DAK-Gesundheit in Zusammenarbeit mit Suchtexperten des Hamburger Universitätskrankenhauses Eppendorf (UKE) sind alarmierend.

„Hochgerechnet auf die Bevölkerung ist bei fast 700.000 Kindern und Jugendlichen das Gaming riskant oder pathologisch“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. Der Corona-Lockdown mit Homeschooling, Kontaktverbot zu Freunden und viel Freizeit scheint diese Entwicklung verstärkt zu haben. Allein die Spielzeit am Computer ist im Vergleich zum Herbst 2019 um 75 Prozent gestiegen. Ob mit der Corona-Pandemie auch die Mediensucht steigt, soll in der Langzeitstudie weiter geklärt werden. Die nächste Befragung ist für das Frühjahr 2021 vorgesehen. Als Gründe für ihren vermehrten Medienkonsum nennen die Jugendlichen aktuell Langeweile, Stressabbau oder den Wunsch, der Realität zu entfliehen.

Als Reaktion auf die ersten Studienergebnisse verbessert die DAK-Gesundheit die Früherkennung. Sie bietet ab dem 1. Oktober gemeinsam mit dem Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte in Bremen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen das bundesweit erste Mediensuchtscreening für 12- bis 17-Jährige im Rahmen der J1 und J2 an. Teilnehmen können rund 70.000 Teenager. „Unsere Studie zeigt, dass wir dringend ein verlässliches und umfassendes Frühwarnsystem gegen Mediensucht brauchen“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Es darf nicht länger Zufall sein, Risiko-Gamer zu erkennen und ihnen Hilfsangebote zu machen.“ Ein Hilfsangebot schafft die DAK-Gesundheit schon jetzt mit einer Online-Anlaufstelle für Betroffene und ihre Eltern. So funktioniert’s:

Online-Anlaufstelle Mediensucht

Die neue Online-Anlaufstelle Mediensucht hat die DAK-Gesundheit zusammen mit der Computersuchthilfe Hamburg entwickelt. Ab August 2020 erhalten Betroffene und deren Angehörige unter computersuchthilfe.info Informationen und Hilfestellungen rund um die Themen Online-, Gaming- und Social-Media-Sucht.

In Deutschland erfolgt die Diagnose einer Mediensucht nach festgelegten Kriterien. Ein Betroffener hat beispielsweise keine Kontrolle mehr über den Beginn, die Häufigkeit, die Intensität, Dauer und Beendigung des Gamings oder der Social-Media-Nutzung. Andere Lebensinhalte und Alltagsaktivitäten (Hobbies/Hausaufgaben) treten in den Hintergrund. Oft ist in der Folge die Konzentration geschwächt, Familie, Ausbildung und Beruf leiden.
Eine Therapie verfolgt das Ziel, die Betroffenen dabei zu unterstützen, ihre Spielsucht oder ihren krankhaften Social-Media-Gebrauch in den Griff zu bekommen. Für eine ambulante oder stationäre Therapie dieses Problems sind Psychotherapeuten und Kliniken zu empfehlen, die sich mit der Behandlung von pathologischem Nutzungsverhalten auskennen.
Die Online-Anlaufstelle der DAK-Gesundheit gibt auch Angehörigen Tipps, wie man mit Betroffenen umgeht, mit gutem Beispiel vorangeht und Medienkompetenz vermittelt. Zudem erfahren Eltern von Kindern und Teenagern, welche Nutzungsdauer in welchem Alter empfehlenswert ist.

Unter dem Stichwort „Hilfe in meiner Nähe“ erfahren betroffene Familien an wen sie sich beim Thema Mediensucht wenden können. Bundesweit gibt es zahlreiche Anlaufstellen, in denen Experten Rat und Hilfe anbieten.

Ergebnisse der Präventionsoffensive „Mediensucht 2020“

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Susanne Holz