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Diabetes-Verträge: der Krankheit auf der Spur

Der Diabetologe Dr. med. Sarnighausen aus Lüneburg spricht im Interview über die Vorteile eines besonderen Angebots für Patienten und Mediziner

Typ-2-Diabetes gehört zu den größten Volkskrankheiten. Mit neuen Zusatzleistungen will die DAK-Gesundheit gemeinsam mit den Kassenärzten die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Dr. med. Hans-Eckart Sarnighausen spricht im Interview über die Teilnahme am Diabetes-Vertrag und erklärt die zusätzlichen Vorsorgeangebote.

Warum sollten Patienten das Thema Diabetes unbedingt ernst nehmen?
Menschen mit Diabetes haben unbehandelt einen sehr ungünstigen Krankheitsverlauf zu erwarten. Mit der Überwachung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfettwerten können sie hingegen eine normale Lebensqualität erhalten und eine nahezu normale Prognose erreichen.

Was sind die häufigsten Begleiterscheinungen von Diabetes?
Häufig besteht bei Diagnose eines Diabetes bereits eine Schädigung der sensiblen Nerven und der Schweißproduktion an den Füßen. Viele Betroffene haben schon eine Durchblutungsstörung im Bereich der Beine und oft liegt eine messbare Eiweißausscheidung über die Niere als Frühzeichen einer diabetischen Nierenschädigung vor. Zeichen einer Insulinresistenz ist häufig eine Fettleber. Manche Patienten klagen auch über spontanes Urintröpfeln oder merken nicht mehr, wenn sie Wasser lassen müssen.

Seit wann nehmen Sie am Diabetes-Vertrag der DAK-Gesundheit teil und warum haben Sie sich dazu entschlossen?
Seit dem 1. April 2017 – gemeinsam mit allen Diabetes-Schwerpunktpraxen in Niedersachsen. Wir haben uns als Verband zu diesem wichtigen Schritt entschlossen, um besser die Versorgung unserer Patienten gewährleisten und auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können. Durch eine gut strukturierte Untersuchung können mögliche Veränderungen frühzeitig erfasst und notwendige Behandlungen eingeleitet werden, um schwere Spätschäden zu verhindern.

Warum empfehlen Sie Ihren Patienten die Teilnahme an dem Diabetes-Programm?
Ich brauchte es nicht zu empfehlen. Alle, denen ich davon erzählt habe, haben sich sofort eingeschrieben, weil die Vorteile für sich selbst sprechen.

Es gibt zusätzliche Vorsorgeleistungen wie Testpflaster für Zehenballen, besondere Blutdruckmessungen, Urintests, Leber-Ultraschalluntersuchungen oder ein Miktionstagbuch zur Blasenkontrolle. Wie funktioniert beispielsweise das Testpflaster – was kann der Arzt damit erkennen?
Ein blaues Testpflaster wird auf den Ballen des großen Zehs angebracht und ändert bei normaler Schweißproduktion seine Farbe nach genau zehn Minuten in Hautfarben. Bei gestörter Sudomotorik, also bei beginnender diabetischer Polyneuropathie, fehlt dieser Farbumschlag. Der Test ist einfach durchführbar, sehr aussagekräftig und für den Patienten gut nachvollziehbar.

Die Abkürzung ABI steht für den englischen Begriff Ankle Brachial Index, was übersetzt Knöchel-Arm-Index bedeutet. Was ist das Besondere an der ABI-Methode gegenüber der herkömmlichen Blutdruckmessung?
Dabei wird an beiden Oberarmen und beiden Unterschenkeln zeitgleich der Pulswellenverschlussdruck gemessen und grafisch aufgezeichnet. Auf diese Weise kann eine pAVK sicher ausgeschlossen oder zuverlässig erkannt werden. Der Test ist nach kurzer Einweisung einfach durchführbar und mit guter Ergebnisqualität zur Verlaufsuntersuchung wiederholbar.

Und welche Erkenntnisse bringt ein Leber-Ultraschall?
Eine Fettleber lässt sich damit technisch einfach und schnell identifizieren. Gleichzeitig können andere mit der Leber verbundene Erkrankungen wie Raumforderungen und Erkrankungen der Gallenwege ausgeschlossen werden. Das Ausmaß einer Leberverfettung ist ein Zeichen der Insulinresistenz und oft für den Patienten ein eindrucksvoller Befund. Häufig stellen hiernach Patienten ihre Ernährung um.

Warum ist ein Miktionstagbuch sinnvoll?
Um eine Harninkontinenz frühzeitig zu erkennen und wenn nötig, eine Behandlung einleiten zu können.

Hilft die Teilnahme der Patienten am Diabetes-Vertrag auch den Ärzten im Rahmen ihrer Behandlung?
Ja. Diese Untersuchungen sind von unschätzbarem Wert in der Therapieführung. Die Patienten können ihre Untersuchungsergebnisse selbst begreifen und erfahren, was sie tun können. Eine lange Forderung der Diabetologie, die Selbstbestimmung der Patienten zu stärken, wird hiermit erfüllt.

Haben Sie den Eindruck, dass schon viele Patienten überhaupt von der Möglichkeit einer Teilnahme wissen, oder besteht hier noch größerer Aufklärungsbedarf?
Alle unsere Versicherten haben sich zur Teilnahme unmittelbar entschieden. Die DAK-Gesundheit hat ihren Versicherten über diverse Kanäle Informationsmaterial zur Verfügung gestellt und tut dies auch weiterhin.

                                                                                                                                                                                                                                    Interview: Anica Ebeling

 

Dr. med. Hans-Eckart Sarnighausen