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Hautkrankheiten bei Kindern

So gehen Sie am besten damit um
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Neurodermitis, Akne, Nesselsucht: Der DAK-Kinder- und Jugendreport hat ergeben, dass 25 Prozent aller Kinder und Jugendlichen von einer Hautkrankheit betroffen sind. Wir geben einen Überblick über die verbreitetsten Erkrankungen der Haut.

Neurodermitis

Bei 8,4 Prozent aller Kinder und Jugendlichen wurde 2016 ein atopisches Ekzem (Neurodermitis) festgestellt, wobei Neugeborene und Säuglinge mit 136 Fällen je 1.000 die höchste Prävalenz aufwiesen. Mit zunehmendem Alter sank die Prävalenz bis auf 52 Fälle je 1.000 im Alter von 17 Jahren. Während Jungen vor allem im Säuglings- und Kleinkindalter deutlich häufiger betroffen waren als Mädchen, kehrte sich das Verhältnis ab einem Alter von 13 Jahren merklich um.

Symptome
Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben auftritt und mit quälendem Juckreiz einhergeht. Oftmals betrifft sie Kopfhaut, Gesicht und Hände, die trocken, schuppig und gerötet erscheinen. Ansteckend ist Neurodermitis nicht. Aber die oft nässenden und zerkratzten Ekzeme sind ein ideales Einfallstor für Keime. Es kann daher zu Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen kommen.

 

Ursachen
Die genauen Gründe für Neurodermitis sind noch nicht bekannt, es wird aber ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren vermutet. Am wichtigsten sind die gestörte Schutzfunktion der Haut und die Neigung des Immunsystems, stark auf (eigentlich harmlose) Umweltreize zu reagieren. Neurodermitis gehört – wie allergisches Asthma und Heuschnupfen – zu den atopischen Erkrankungen, die familiär gehäuft auftreten.

 

Behandlung
Die Veranlagung zum atopischen Extrem besteht ein Leben lang. Ziel der Behandlung ist es, symptomfreie Phasen zu schaffen oder Symptome zu lindern. Das geht mit einem Bündel von Maßnahmen angefangen vom Meiden von Faktoren, die als Auslöser bereits bekannt sind, über die gute Basispflege der Haut mit Mitteln, die die Schutzfunktion aufbauen, bis zur konsequenten Behandlung des Juckreizes und antientzündliche Maßnahmen, die das Abheilen unterstützen.

Tipps für Eltern betroffener Kinder:

  • Sobald das Kind alt genug ist, sollten Sie es lieber duschen als baden, da das Baden die Haut zu stark austrocknet
  • Zu enge Kleidung oder die falschen Materialien können die Haut reizen. Setzen Sie auf weite Kleidung aus Baumwolle oder Leinen
  • Neue Kleidungsstücke vor dem Tragen mehrmals waschen
  • Achten Sie auf kurze Fingernägel, um das Kratzen zu erschweren. Nachts können auch dünne Fäustlinge oder spezielle Neurodermitis-Overalls helfen
  • Vermeiden Sie zu warme Kleidung, Schwitzen verstärkt den Juckreiz
  • Achten Sie auf eine geeignete Ernährung

Akne

Fast jede(r) hat in der Pubertät damit zu kämpfen: Pickel und Mitesser. Bei manchen bleiben sie eine vereinzelte Erscheinung, andere kämpfen jahrelang täglich mit entzündeten, schmerzenden Knoten im Gesicht sowie auf Brust und Rücken – und mit den psychischen Folgen, denn oft mindert eine Akne das Selbstwertgefühl der Betroffenen.

Ursachen
Hauptverursacher der Akne vulgaris, die die häufigste Form der Akne ist, sind männliche Geschlechtshormone, die Androgene. Auch der weibliche Körper produziert vor allem während der Pubertät Androgene. Diese regen die Talgdrüsen der Haut stark an und führen außerdem dazu, dass die Zellen im Talgdrüsengang viel Hornmaterial bilden, wodurch dieser verstopft. Der Talg kann nicht mehr abfließen, Pickel und Mitesser entstehen – bei manchen nur vereinzelt, bei anderen großflächig. Falsche Pflege, zu viel Make-up und unsachgemäßes Ausdrücken können das Problem verschlimmern.

 

Behandlung
Es steht eine ganze Reihe von Wirkstoffen zur Verfügung, die sowohl äußerlich als auch innerlich angewendet werden können. Einige können Nebenwirkungen haben, sodass der Arzt sehr individuell entscheidet, welche Salbe und/oder Medikamente er verschreibt. Eine konsequente Behandlung führt aber fast immer zu einer deutlichen Besserung, auch wenn es eine Weile dauern kann. Jugendliche, die mehr als ein paar Pickelchen haben und darunter leiden, sollten möglichst schnell den Gang zum Hautarzt antreten und dann dessen Ratschläge beherzigen – auch um die Bildung von Narben zu vermeiden. Auch auf eine geeignete Ernährung sollte geachtet werden.

Nesselsucht

Die Nesselsucht, auch Nesselfieber oder Urtikaria genannt, ist eine krankhafte Veränderung der Haut.

Symptome
Innerhalb von kürzester Zeit bilden sich wie aus dem Nichts Rötungen und Quaddeln, die stark jucken. Die Quaddeln können sehr klein oder auch groß wie ein Handteller sein. Der Juckschmerz erinnert an das Gefühl, wenn man eine Brennessel (lat. Urtica) anfasst. Ebenfalls möglich ist die Bildungen von Angioödemen. Das sind Schwellungen in tieferen Gewebeschichten, die besonders im Gesicht und an Hand- und Fußrücken auftreten. Oft bilden sich einzelne Quaddeln innerhalb von 24 Stunden zurück, treten dann aber an anderer Stelle wieder auf.

 

Ursachen Eine Nesselsucht kann durch eine allergische Reaktion, eine mechanische Reizung oder einen Infekt ausgelöst werden. Häufig bleibt die Ursache aber unbekannt.

 

Behandlung
Nesselsucht wird grundsätzlich mit Antihistaminika behandelt. Wenn Tabletten nicht helfen und die Symptome stark sind, können Antihistaminika auch intravenös im Krankenhaus gegeben werden. Während der Behandlung sollte das Kratzen unbedingt vermieden werden. Lindern kann man das Jucken zum Beispiel mit kaltem Wasser, danach die Haut vorsichtig trockentupfen, nicht rubbeln. Ist Ihr Baby oder Kleinkind betroffen, können sie ihm leichte Handschuhe anziehen.

Warum bilden sich Quaddeln?
In der Haut befinden sich sogenannte Mastzellen, die verschiedene entzündungsfördernde Botenstoffe ausschütten, wenn sie aktiviert werden. Der wichtigste dieser Botenstoffe ist Histamin. Wenn er sich an die sogenannten Histamin-Rezeptoren an der Oberfläche von Blutgefäßen bindet, erweitern sich diese und ihre Wände werden durchlässiger. Es entstehen Wasseransammlungen, die die Hautoberfläche wölben.

Windeldermatitis

„Oh nein, die Kleine hat ja einen ganz wunden Po“ ist ein oft gehörter Satz in Familien mit Windelkindern. Zwei von drei Kindern bekommen mindestens einmal eine Windeldermatitis, also eine Entzündung der Haut im Windelbereich. Wenn sich nässende oder eitrige Stellen bilden, kann das für das Kind sehr unangenehm sein. Der Gang zum Arzt ist dann unerlässlich.

Symptome
Die Haut im Genitalbereich ist deutlich gerötet und es können offene Stellen und Pusteln auftreten, die jucken oder brennen. Die Entzündung kann sich im weiteren Verlauf auf den Bauch und die Innenseiten der Oberschenkel ausdehnen. Bei zusätzlichem Bakterienbefall können sich nässende oder eitrige Stellen bilden. Bei Pilzbefall zeigen sich zudem weiße schuppende Stellen.

 

Ursachen
Die Windeldermatitis wird von hautreizenden Stoffen in Stuhl und Urin ausgelöst. Wenn das Baby besonders empfindliche Haut hat oder das Immunsystem durch einen Infekt geschwächt ist, bekommt es schneller einen wunden Po. Eine Windeldermatitis wird auch begünstigt durch

  • Zu seltenes Windelwechseln
  • Durchfall
  • Zu häufiges und intensives Waschen
  • Allergien gegen Seifen, Salben, Cremes oder Windeln
  • Bestimmte Nahrungsmittel (welche ist individuell)
Behandlung Es gibt verschiedene zinkhaltige Salben, die der Arzt verschreiben kann, bei schweren Hautschäden können auch Cortisonsalben hilfreich sein. Bei zusätzlichen Pilzinfektionen ist ein Antimykotikum angezeigt, bei einer bakteriellen Infektion ein Antibiotikum. Außerdem sollte man folgende Regeln beachten:
  • Lassen Sie so oft wie möglich Luft an den Po, indem Sie das Baby oder Kleinkind unten ohne spielen lassen.
  • Wechseln Sie die Windeln nach jeder Urin- oder Stuhlentleerung und spätestens alle drei bis vier Stunden und legen Sie sie relativ locker an, damit sich keine Wärme stauen kann. Wegwerfwindeln transportieren Feuchtigkeit besser ab als Stoffwindeln.
  • Reinigen Sie die Haut mit warmem Wasser und einem mit Oliven- oder Mandelöl benetzten Tuch und föhnen Sie die Region anschließend auf niedriger Stufe trocken oder tupfen Sie sie vorsichtig und ohne Reibung trocken.
  • Falls es immer wieder zu Windeldermatitis kommt, sollten sie das Kind auf mögliche Grunderkrankungen wie zum Beispiel eine Abwehrschwäche oder Allergien untersuchen lassen.

 

Anne Reis