Interview mit Maria Höfl-Riesch, Olympiasiegerin im Ski-Alpin
Balance schaffen

„Skifahrer sollten unbedingt einen Helm tragen“

Interview mit Maria Höfl-Riesch, Olympiasiegerin im Ski-Alpin
DAK-Sportexpertin Mareike im Gespräch mit Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch.

In vielen Teilen Deutschlands fällt der erste Schnee – die Skisaison ist eröffnet. Doch wie bereitet man sich richtig auf einen Urlaub auf der Piste vor? Wie wird die Abfahrt auch für die Kleinsten zum Spaß? Und woran erkennt man, ob die Ausrüstung wirklich passt? DAK-Sportexpertin Mareike hat sich mit Maria Höfl-Riesch, Olympiasiegerin im Ski-Alpin, getroffen und wertvolle Tipps gesammelt.

Wie halten Sie sich nach Ihrer aktiven Laufbahn weiterhin fit?
Maria Höfl-Riesch: Ich versuche, jeden Tag ein bisschen Sport zu treiben, und mache vor allem Ausdauertraining. Meistens fahre ich morgens nach dem Aufstehen 45 bis 60 Minuten auf dem Ergometer – in lockerem, gemütlichem Tempo. Ab und an ergänze ich das um Übungen für Rumpf und Beine. Ein strenges Trainingsprogramm habe ich aber nicht mehr.

Mit drei Jahren haben Sie mit dem Skifahren begonnen – ist das das ideale Alter für Kinder?
Das kann man nicht pauschal sagen. Es kommt zum einen darauf an, wie entwickelt das Kind bereits ist. Ein guter Gleichgewichtssinn und Konzentrationsfähigkeit sind wichtig, um sicher auf Skiern stehen zu können. Zum anderen ist es wichtig, dass das Kind auch wirklich Lust hat, Skifahren zu lernen. Ich würde aber auf jeden Fall sagen, dass drei Jahre das Mindestalter sind, um mit dem Wintersport zu beginnen.

Wie bereiten Hobbyskifahrer ihren Ski-Urlaub denn am besten vor?
Wer mit Kindern Skifahren geht, sollte darauf achten, dass sowohl das Skigebiet als auch die Unterkunft kinderfreundlich sind: Die Pisten sollten nicht zu schwierig sein. Zudem gibt es in vielen Gebieten Ski-Kindergärten. Erwachsenen empfehle ich Skigymnastik – am besten sechs bis acht Wochen vorher, sonst droht Muskelkater. Skifahrer sollten außerdem unbedingt einen Helm tragen und sich idealerweise auch mit Rückenprotektoren schützen.

Was tun, wenn der Muskelkater trotzdem kommt?
Hier helfen Saunabesuche und Warm-Kalt-Duschen. Sie lockern die Muskulatur und bringen überdies Entspannung. Wenn sich der Muskelkater nicht bessert, sollte ein Pausentag eingelegt werden, idealerweise mit einem Spaziergang.

Was halten Sie von isotonischen Getränken?
In den Bergen verliert man oft viel Flüssigkeit. Auch wenn man es auf der Piste vielleicht nicht merkt, weil es gerade so viel Spaß macht: Skifahren ist eine Belastung für den Körper. Da sind isotonische Getränke zwischendurch oder danach auf jeden Fall sinnvoll.

Können Eltern Kindern den Sport beibringen oder sollte der Nachwuchs eher in die Skischule?
Im Prinzip spricht nichts dagegen, dass Kinder das Skifahren von ihren Eltern lernen. Sie sollten jedoch sicher auf Skiern stehen, sodass sie ihr Kind auch beim Fahren zwischen die Beine nehmen können. Im besten Falle können die Eltern sogar rückwärtsfahren, um die Bewegungen des Kindes genau im Blick zu haben. Insgesamt macht es wahrscheinlich allen Beteiligten mehr Spaß, das Kind in die Skischule zu geben: Dort können sie mit Gleichaltrigen üben, und es sind Skilehrer vor Ort, die den Kleinen von Grund auf das Skifahren beibringen.

Brauchen die Jüngsten auch schon die volle Ski-Ausrüstung?

Ja, auch die Kleinsten brauchen bereits die Kernausrüstung, die jeder Skifahrer benötigt. Ganz wichtig ist natürlich der Helm. Dieser sollte regelmäßig erneuert werden, da bereits kleine Haarrisse die Sicherheit verringern können. Rückenprotektoren sind erst ab einer gewissen Größe erhältlich, aber auch dann sind sie bereits im Kindesalter sehr zu empfehlen. Ansonsten sollten Eltern auf Ski in der richtigen Größe und auf gute Stöcke Wert legen. Ganz kleine Kinder sind oft noch ohne Stöcke auf der Piste unterwegs, ich empfehle aber, immer gleich mit Stöcken zu fahren. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Skischuhe genau passen, nirgends drücken und keinesfalls wehtun. Außerdem ist warme Kleidung erforderlich. Wer friert hat selten Spaß auf der Piste – und den sollten Kinder auf jeden Fall haben.

Interview: Mareike Mittendorf

 

Die Do’s and Don’ts auf der Skipiste

 

Do’s

FIS-Verhaltensregeln beachten

Ein guter Maßstab für rücksichtsvolles Verhalten auf der Piste sind die FIS-Verhaltensregeln. Sie wurden unter anderem vom juristischen Beirat des Deutschen Skiverbandes (DSV) entwickelt. Nicht zuletzt für ein sicheres Miteinander im Skigebiet sollten alle Wintersportler diese Regeln beachten. Sie sind außerdem als Norm anerkannt und werden auch vor Gericht herangezogen. Die FIS-Verhaltensregeln und sämtliche DSV-Tipps finden Wintersportler unter: www.ski-online.de/sis.

Helm tragen

Auch wenn es hierzulande keine Helmpflicht gibt: Ein optimaler Kopfschutz gehört zum Skifahren dazu. Nur ein Helm hilft bei einem Unfall oder Zusammenstoß, schwerwiegende Kopfverletzungen zu vermeiden. Wichtig ist, dass der Helm optimal sitzt, gut durchlüftet ist, warm hält und der Sicherheitsverschluss geschlossen ist. Übrigens: In Italien, Österreich, Kroatien und Slowenien gilt eine gesetzliche Helmpflicht für Kinder bis zum Alter von 14 beziehungsweise 15 Jahren.

Erste Hilfe bei Unfällen leisten

Jeder Skifahrer und Snowboarder muss bei Unfällen sofort Erste Hilfe leisten oder bei schweren Verletzungen die organisierte Rettung alarmieren. Wer einen Unfall auf der Piste verursacht, macht sich durch Fahrerflucht strafbar. Auch als Zeuge eines Unfalls müssen Sie Ihre Personalien angeben. Weitere Infos finden Sie auch hier in unserem Online-Magazin.

Rücksichtsvoll fahren

Bei einem Gemeinschaftssport wie Skifahren muss es selbstverständlich sein, sich achtsam zu verhalten. Es darf zu keiner Zeit ein anderer Wintersportler gefährdet oder geschädigt werden.

 

 

Don’ts

Raserei auf der Piste

Passen Sie Ihre Geschwindigkeit Ihrem Können, dem Gelände, den Sichtverhältnissen und Wetterbedingungen an, damit Sie auch bei unvorhergesehenen Situationen noch rechtzeitig vorbeisteuern oder bremsen können.

Umweltschutzgebiete missachten

Skifahren ist ein Natursport und sollte mit großem Respekt vor der Umwelt ausgeführt werden. Beachten Sie die Winterruhe von Tieren. Mit Hinweistafeln versucht die DSV-Skiwacht nicht nur Menschen, sondern auch die Bergfauna und -flora zu schützen. Bei Missachtung der Schutzgebiete drohen vielerorts hohe Geldstrafen.

Abseits der Pisten fahren

Gerade bei frischem Pulverschnee lockt die Vorstellung, die Piste auch mal zu verlassen. Doch leider bringt das Risiken mit sich. Beachten Sie deshalb stets Pistenmarkierung und Signalisation, um sich und andere nicht zu gefährden. Mutproben sind hier alles andere als angebracht – damit bringen Sie nicht nur sich selbst in große Gefahr, sondern auch die Rettungsteams, die bei einem möglichen Lawinenabgang ausrücken müssen. Ob Lawinengefahr herrscht, ist an der roten Lawinenwarnleuchte am Pistenplan zu erkennen. Informationen zur aktuellen Lawinenwarnstufe und zum Lawinenlagebericht hängen an den Liftkassen aus.

Alkohol auf der Piste

Für viele gehört Après-Ski zum Skifahren dazu. Aber: Alkohol hat beim Pistensport nichts verloren! Anstatt an den Schirm oder die Bar auf dem Gipfel sollte es zum Feiern immer ins Tal gehen.