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Erfolgreich zuhören

„Hörst Du mir eigentlich zu?“ Diese Frage hat wohl fast jeder schon mal gestellt oder selbst zu hören bekommen. Denn oft ist genau das nicht der Fall. Im hektischen Alltag stößt unsere Aufnahmekapazität immer wieder an ihre Grenzen. Statt unserem Gegenüber ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken, beschäftigen wir uns gleichzeitig noch mit anderen Dingen. Doch es lohnt sich „ganz Ohr“ zu sein, denn richtiges Zuhören beugt Missverständnissen, Stress und Streitereien vor – sowohl beruflich als auch privat.

„Der Zuhörer ist ein schweigender Schmeichler“, wusste schon Immanuel Kant. Anderen Menschen die ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken, bedeutet sich selbst komplett zurückzunehmen. Gar nicht so einfach. Schließlich haben wir meist das genaue Gegenteil gelernt. Gerade im Beruf geht es oft darum, gute Argumente zu haben und seine Standpunkte zu verteidigen. Mit dem Ergebnis, dass wir ständig mit uns selbst beschäftigt sind – auch wenn gerade jemand anderes redet. Ablenkungen durch Smartphones und Laptops kommen erschwerend hinzu. Doch Zuhören lohnt sich und kann sogar vorteilhaft für den eigenen Erfolg sein.

Effizienter verhandeln
Der Harvard-Professor William Ury etwa hat herausgefunden, dass sich durch richtiges Zuhören bessere Ergebnisse in Verhandlungssituationen erzielen lassen. Demnach kommen gute Zuhörer schneller und effizienter zu einem Verhandlungserfolg als Menschen, die sich vor allem mit ihren eigenen Argumenten beschäftigen. Der Grund liegt nahe. Erst wenn man versteht, was das Gegenüber denkt und warum, lohnt sich auch der Versuch, den anderen umzustimmen.

Probleme lösen
Auch in anderen beruflichen Situationen ist das Zuhören der Schlüssel zum Erfolg. Denn oft scheitert das gemeinsame Lösen von Problemen daran, dass es kein richtiges Miteinander gibt. Und das Zuhören ist ein Teil davon. Für eine lösungsorientierte Verständigung ist dies die Grundvoraussetzung, denn nur so lassen sich Schwierigkeiten gemeinsam bewältigen.

Sympathien gewinnen
Viele befürchten, dass man sie übersieht, wenn sie sich nicht regelmäßig lautstark zu Wort melden. Doch aktiv zuzuhören bedeutet nicht, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Eher im Gegenteil. Da sich durch Zuhören die Kommunikation insgesamt verbessert, können auch die eigenen Ideen besser Gehör finden. Außerdem ist gutes Zuhören ist der beste Weg, um Vertrauen und Sympathien zu gewinnen. Davon profitiert auch die Beziehung zu Kollegen, Chefs, Kunden und natürlich auch dem eigenen Partner. 

Verschiedene Zuhörtypen
Doch steht es wirklich so schlimm um unsere Zuhöreigenschaften? Hört keiner dem anderen zu? Der amerikanische Autor Anthony Alessandra unterscheidet vier verschiedene Typen von Zuhörern: den Weghörer, den selektiven Zuhörer, den bewertenden Zuhörer und den aktiven Zuhörer. Die meisten Menschen sind jedoch eine Mischung dieser Typen, wobei meist ein Typ am stärksten ausgeprägt ist.

Vier Zuhörer-Typen

  1. Der Weghörer Ein eher introvertierter Mensch, der sich nur schwer auf andere einlassen kann. Sein Verhalten wird oft als abweisend oder unhöflich wahrgenommen, es handelt sich aber eher um ein zwischenmenschliches Problem.
  1. Der selektive Zuhörer Dieser Typ hört nur oberflächlich zu. Geht ein Gespräch in die Tiefe, schaltet er ab oder wendet sich bereits neuen Themen zu. Selektive Zuhörer hören nur, was sie hören wollen, sie stellen selten Fragen und versuchen nicht, sich in ihren Gesprächspartner hineinzuversetzen. Das meiste des Gesagten vergessen sie schnell.
  1. Der bewertende Zuhörer Diskussion statt Dialog ist es, was dieser Typ anstrebt. Immer bereit, Argumente sofort zu entkräften und in einen Schlagabtausch einzusteigen, da Gesagtes sofort bewertet wird. Bewertende Zuhörer sind meist sehr gut darin, Zahlen, Fakten und Gesprächsthemen zu verstehen. Sie sollten sich aber mehr Mühe geben, vorurteilsfrei in ein Gespräch zu gehen und den Standpunkt des Gegenübers zu respektieren.  
  1. Der aktive Zuhörer Dieser Typ ist der ideale Zuhörer. Er ist aufmerksam, hinterfragt, achtet auf Tonlage, Wortwahl und Körpersprache. Informationen kommen bei ihm an, er kann sich noch lange an Gespräche erinnern und dadurch erworbenes Wissen nutzen.

Sich selbst zurücknehmen
Die meisten Menschen neigen dazu, gerne und viel über sich selbst zu reden. Dafür gibt es sogar eine wissenschaftliche Erklärung. Neurowissenschaftler der Universität Harvard fanden heraus, dass beim Reden die gleichen Gehirnareale aktiviert werden wie bei so existenziellen Themen wie Nahrung, Geld und Sex. Ein Gespräch zu dominieren anstatt einfach mal zuzuhören, ist für das Gehirn also besonders befriedigend. Hier hilft dann nur aktiv entgegenzusteuern und sich selbst zurückzunehmen, doch das ist harte Arbeit. Während das Sprechen Energie freisetzt, macht das Zuhören eher müde.

Zuhören lernen
Doch richtiges Zuhören kann man üben, man muss nur wollen. Zuerst sollten wir uns überlegen, warum wir oft nicht richtig hinhören. Bin ich abgelenkt? Mag ich mein Gegenüber nicht? Ist ein Vortrag zu langweilig? Sobald wir den Grund benennen können, können wir auch versuchen, ihn auszublenden, um uns dann voll und ganz auf den Sprechenden einzulassen. Doch Achtung, zuhören sollte nicht mit schweigen verwechselt werden. Auch Zuhörer können aktiv sein. Stellen Sie ruhig Fragen, zum Beispiel, wenn Sie etwas nicht verstanden haben, oder wiederholen Sie in eigenen Worten, was Sie gehört haben. So stellen Sie sicher, dass Sie das Gesagte wirklich verstehen.

7 Tipps für besseres Zuhören

1. Still sein

Sprechen und zuhören zur selben Zeit funktionieren nicht. Versuchen Sie doch einfach einmal in einem Gespräch länger zuzuhören als selbst zu sprechen. Ihre Gesprächspartner werden es zu schätzen wissen.

2. Auf die Körpersprache des Redners achten

Konzentrieren Sie sich voll und ganz auf ihren Gesprächspartner. Denn nicht nur das Gesagte ist wichtig, rund 60 Prozent einer Kommunikation verlaufen nonverbal.

3. Blickkontakt halten

An ihrer Körpersprache kann ihr Gegenüber schnell feststellen, ob Sie auch wirklich zuhören. Ungeduldiges Herumrutschen auf dem Stuhl oder Umherschauen im Raum verraten, dass Sie nicht ganz bei der Sache sind. Versuchen Sie, während eines Gesprächs konzentriert zu bleiben und nach Möglichkeit den Blickkontakt zu halten.

4. Ablenkungen vermeiden

Auch wenn es schwerfällt, legen Sie Ihr Smartphone beiseite.

5. Fragen stellen

Stellen Sie durch Rückfragen sicher, dass Sie alles richtig verstehen. Außerdem geben Sie dem Redner eine Möglichkeit, weitere Gedanken zu formulieren.

6. Nicht unterbrechen

Versuchen Sie Ihren Gesprächspartner stets ausreden zu lassen, auch wenn Sie bereits wissen, was er Ihnen sagen möchte.

7. Pausen machen

Machen Sie vor Ihrer Antwort erstmal eine kurze Pause. Ihr Gesprächspartner hat so die Möglichkeit, noch etwas zum Gesagten hinzuzufügen und sie selbst können sich sammeln und in Ruhe ihre Worte formulieren.

Nina Alpers