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Ganz schön süß – 6 Zucker-Alternativen

Was taugt der Zuckerersatz?
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Agavendicksaft, Kokosblütenzucker und Stevia: Alternativen zum Haushaltszucker werden immer beliebter. Sie geben uns das Gefühl, etwas für unsere Gesundheit zu tun. Doch sind die vermeintlich natürlichen Produkte tatsächlich die bessere Wahl? Wir stellen sechs Zucker-Alternativen vor.

Zuviel Zucker ist ungesund, das hat sich längst rumgesprochen. Doch auf Süße mag kaum jemand verzichten, deswegen greifen immer mehr Menschen auf Alternativen zum herkömmlichen Haushaltszucker zurück. Doch was steckt eigentlich drin im Zuckerersatz und ist dieser tatsächlich gesünder? Wir haben uns die folgenden sechs Produkte mal genauer angesehen.

Honig

Honig ist ein Naturprodukt, das man noch dazu aus der Region kaufen kann. Im Gegensatz zum Haushaltzucker punktet Honig mit einigen wertvollen Inhaltstoffen darunter Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und Aminosäuren. Außerdem hat Honig eine antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung und wird deswegen auch gerne bei Halsschmerzen eingesetzt. Soviel zu den Pluspunkten. Doch auch Honig besteht zu etwa 80 Prozent aus Zucker. Den größten Anteil machen Fructose (Fruchtzucker) und Glucose (Traubenzucker) aus, dazu kommen Saccharose, Maltose und weitere Mehrfachzucker, sodass Honig nur einen minimal niedrigeren Kaloriengehalt als Haushaltszucker aufweist. Auch bei Honig sollte deswegen unbedingt auf einen maßvollen Genuss geachtet werden. Ganz wichtig: Für Säuglinge ist Honig nicht geeignet, da der Erreger des Säuglings-Botulismus enthalten sein kann.

Was ist eigentlich Haushaltzucker?

Wenn wir umgangssprachlich von Haushaltzucker, Kristallzucker oder einfach nur Zucker sprechen, meinen wir Saccharose. Diese setzt sich zu gleichen Teilen aus Glucose und Fructose zusammen, die wir als Traubenzucker und Fruchtzucker kennen. Saccharose ist also ein Doppelmolekül, ein sogenannter Zweifachzucker oder Disaccharid. Gewonnen wird der feine, raffinierte Zucker aus der Zuckerrübe oder Zuckerrohr. Damit ist er grundsätzlich auch ein Naturprodukt, doch bei der Verarbeitung gehen fast alle Mineralien und Vitamine aus der Rübe verloren. Übrig bleiben nur sogenannte leere Kalorien. Die Farbe des Zuckers sagt übrigens nichts über seine Vorteile für die Gesundheit aus. Denn bei braunem Zucker handelt es sich meist um eingefärbten weißen Zucker und nicht um Vollrohrzucker, der unraffiniert ist und zumindest noch die mineralstoffhaltige Melasse enthält.

Agavendicksaft

Zu einer besonders beliebten Zuckeralternative hat sich der Agavendicksaft entwickelt. Wie der Name vermuten lässt, wird dieser aus der mexikanischen Agavenpflanze gewonnen.Der Dicksaft ähnelt Honig, ist aber weniger zähflüssig, sehr mild im Geschmack und deswegen vielseitig einsetzbar. Wie bei allen unraffinierten Produkten hat Agavendicksaft einen höheren Gehalt an Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen als Haushaltszucker. Was dazu führt, dass er oft als „gesunder Zuckerersatz“ angepriesen wird. Doch dem steht ein sehr hoher Zuckergehalt entgegen, der überwiegend aus Fructose besteht und zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen kann. Eine hohe Fruchtzuckeraufnahme kann den Stoffwechsel stören und eine Insulinresistenz fördern. Zudem bekommen einige Menschen Verdauungsprobleme beim Verzehr hoher Fruchtzuckermengen. Auch aus ökologischer Sicht ist Agavendicksaft als Zuckerersatz wenig sinnvoll, da er aus Übersee importiert werden muss.

Ahornsirup

Traditionell wird Ahornsirup in Kanada hergestellt. Um den Sirup zu gewinnen, werden die Stämme des Zuckerahorns angezapft. Der so gewonnene Saft wird durch Erhitzen eingedickt.Für einen Liter Sirup benötigt man rund 40 Liter Baumsaft.Wie jeder Pflanzensirup enthält auch Ahornsirup kleine Mengen an Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen. Darüber hinaus besteht er hauptsächlich aus Wasser, Saccharose und Fructose. Durch den recht hohen Wasseranteil hat Ahornsirup zwar weniger Kalorien als Haushaltzucker, verfügt aber auch über eine geringere Süßkraft als Zucker. Möchte man die gleiche Süßkraft wie Zucker erreichen, braucht man mehr Ahornsirup – und erhält dann auch ähnliche Kalorienwerte.

 

 

Kokosblütenzucker

Kokosblütenzucker ist eine der teuersten Zuckeralternativen. Der sogenannte „Luxuszucker“ wird in aufwendiger Handarbeit aus den Blüten der Kokospalme gewonnen. Kokosblütenzucker verfügt über einen niedrigen glykämischen Index. Dadurch schnellt der Blutzuckerspiegel nicht so stark in die Höhe und der Insulinspiegel bleibt konstanter. Das verhindert Heißhungerattacken. Außerdem soll Kokosblütenzucker mehr Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Doch dadurch handelt es sich bei dieser Zuckeralternative noch lange nicht um ein gesundes Produkt. Denn mit 390 Kalorien und über 90 Gramm Kohlenhydrate pro 100 Gramm besitzt Kokosblütenzucker annähernd die gleichen Werte wie normaler Zucker. Gleichzeitig kostet er aber mehr als 20-mal so viel und wird einmal um die halbe Welt geflogen.

Birkenzucker und Xylit

Birkenzucker wurde früher tatsächlich aus der Rinde der Birke hergestellt. Heute gewinnt man die Zuckeralternative, die auch als Xylit oder Xylitol bekannt ist, zumeist aus Stroh, Getreidekleie und Maisspindeln. Es kann sich dabei auch durchaus um genveränderten Mais handeln. Deswegen sollten Verbraucher genau auf die Packungsangaben achten. Der Zuckeraustauschstoff Xylit ist ein Zuckeralkohol, das von Natur aus in vielen Pflanzen vorkommt und auch im menschlichen Körper als Zwischenprodukt bei der Verstoffwechselung von Kohlenhydraten entsteht. Studien weisen darauf hin, dass Xylit vor Karies schützen kann. Aus diesem Grund wird der Zuckeraustauschstoff in zahnfreundlichen Süßigkeiten verwendet. Xylit hat einen niedrigen glykämischen Index und enthält etwa 40 Prozent weniger Kalorien als Haushaltszucker bei gleicher Süßkraft. Doch Vorsicht: Wie alle Zuckeralkohole wirkt Xylit bei zu hoher Aufnahme abführend und kann Blähungen verursachen.

Stevia

Der Zuckeraustauschstoff Stevia stammt aus den Blättern der gleichnamigen Pflanze, ist aber dennoch kein Naturprodukt. Stattdessen bestehen die Produkte aus isolierten Steviolglycosiden – das sind die süßschmeckenden chemischen Verbindungen der Pflanze. Um diese zu extrahieren muss ein aufwendiges chemisches Verfahren angewandt werden. Für den Biohandel ist Stevia deswegen nicht zulässig. Dennoch ist Stevia in den letzten Jahren immer beliebter geworden, denn es beeinflusst den Insulinstoffwechsel nicht und hat keine Kalorien, dafür aber eine sehr viel höhere Süßkraft als Zucker. Stevia wird deswegen gerne in Erfrischungsgetränken eingesetzt. Doch beim Kauf dieser Produkte lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Da Stevia ein geringes Volumen und einen leicht metallischen Geschmack hat, werden meist zusätzlich noch andere Zucker verwendet, so dass die Produkte trotzdem über einen hohen Kaloriengehalt verfügen. Außerdem ist nach wie vor umstritten, ob Stevia ab einer gewissen Menge gesundheitsschädlich ist. Deswegen sollte es nur in Maßen konsumiert werden.

Wir essen zu viel Zucker!

Die Deutschen verzehren laut Statistischem Jahrbuch täglich rund 90 Gramm Weißzucker. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt im Mittel jedoch nicht mehr als 25 Gramm Zucker pro Tag, das entspricht etwa sechs Teelöffeln. Den meisten Zucker, rund 83 Prozent, verspeisen wir mit verarbeiteten Lebensmitteln wie Süßigkeiten, Backwaren, Milchprodukten oder Fertiggerichten. Dadurch gewöhnt sich der Körper an die durch diese Produkte vorgegebene Süße.

Nina Alpers