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Gesundheit & Fitness

KoNaSchu: Wenn Schmerzen dreifach nerven

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KoNaSchu – was wie eine asiatische Kampfsportart klingt, ist die unangenehme Mischung aus Kopf, Nacken- und Schulterbeschwerden. Doch was hilft gegen KoNaSchu und wie können wir uns dagegen schützen?

Beschwerden im Kopf-Nacken-Schulter-Bereich – dafür steht die Abkürzung „KoNaSchu“. Das weit verbreitete Krankheitsbild wird durch sitzende Tätigkeiten, anhaltenden Stress und zu wenig bewegte Auszeiten begünstigt. Was früher bereits ein Problem war, wurde durch die Corona-Pandemie noch verstärkt: Die Arbeit im Homeoffice, der zeitweise Wegfall von Sportmöglichkeiten, Quarantäne und ähnliches sorgen bei vielen Menschen für einen akuten Bewegungsmangel und jede Menge Anspannung.

Privatdozent Dr. David-Christopher Kubosch, leitender Orthopäde und Wirbelsäulenchirurg der Gelenk-Klinik Gundelfingen, erklärt: „Verspannte Nacken und Schultern sind ebenso wie etwa Arthrose oder Bandscheibenvorfälle häufige Folgen des Dauersitzens, der Zwangshaltung und permanenter Bewegungslosigkeit. Eine orthopädische ‚Todsünde‘ ist stundenlanges Verharren in derselben Sitzposition. In heutigen Zeiten stellt das stundenlange Starren auf Handys ebenfalls eine extreme Belastung der Nackenmuskulatur dar, man schaue nur mal in der Bahn oder Bus um sich. Kommen noch Stress oder Mehrfachbelastungen hinzu, so steigt das Risiko eines KoNaSchu-Befundes erheblich.“

Der dreifache Schmerz

Der Zusammenhang zwischen Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen ist dabei jedoch kein neues Phänomen. Relativ neu ist nur der Begriff KoNaSchu, der die unangenehmen Symptome dieses Krankheitsbildes prägnant zusammenfasst. Da Kopf, Nacken und Schultern über Muskeln und Nerven miteinander verbunden sind, sind bei Schmerzen oft alle drei Bereiche betroffen. „Sehr häufig verursachen etwa Muskelverhärtungen im Nackenbereich, die sogenannten Triggerpunkte, auch Kopfschmerzen. Ebenso belastet beispielsweise eine permanente gesundheitsschädliche Kopfhaltung nicht nur die Nackenmuskulatur stark – auch die Halsmuskeln können dadurch überdehnen. Mögliche Folgen: ein steifer Nacken und Kopfschmerzen“, führt Dr. Kubosch aus.

KoNaSchu vorbeugen

Eine gute Mischung aus regelmäßiger Bewegung und gezielter Entspannung kann Kopf-, Nacken- und Schulterbeschwerden vorbeugen. Dr. Kubosch empfiehlt Ausdauersport wie Schwimmen: „Diese Sportart hat den Vorteil, dass sie die Brust- und Schultermuskulatur stärkt und man den Körper relativ kontrolliert bewegt. Dadurch beuge ich Nackenschmerzen vor – vorausgesetzt, ich halte den Kopf nicht ständig über Wasser.“ Auch systematische Entspannungsmethoden wie etwa die Progressive Muskelrelaxation haben sich laut des Orthopäden bewährt. Hilfreich seien zudem kleine praktische Übungen für Zwischendurch: „Setzen Sie sich aufrecht hin und drücken Sie die linke Hand ganz leicht gegen Ihr linkes Ohr. Nach ein paar Sekunden das Ganze mit der anderen Seite wiederholen. Durch diese und ähnliche Übungen entspannt die Nackenmuskulatur.“ Auch für den Handy-Gebrauch hat der Mediziner einen Tipp, um Schmerzen vorzubeugen: „Halten Sie das Gerät möglichst stets so hoch, dass der Kopf in aufrechter Position bleibt.“

Bei akuten KoNaSchu-Beschwerden

„Aufgrund der vielfältigen Symptome benötigt eine fundierte ärztliche Diagnose meist einige Zeit“, erklärt Dr. Kubosch. „Je nach Beschwerdebild kann eine multimodale ganzheitliche Therapie sinnvoll sein. Diese umfasst eine medikamentöse Behandlung ebenso wie physiotherapeutische und eventuell psychologische Unterstützung. Bei akuten Beschwerden helfen Schmerzmittel.“  Betroffene können jedoch auch selbst tätig werden und, wie oben bereits erwähnt, mit Bewegung für die Stärkung der Muskulatur sorgen. Zudem sorgt gezielte Entspannung für die Entlastung von Schultern, Nacken und Rücken. „Dehnungsübungen beispielsweise durch Öffnen und Schließen des Mundes sowie Lockerungsübungen für den Nacken sind ein wichtiger Schritt“, sagt Dr. Kubosch. „Generell sind Kraft- und Ausdauersport sowie das Erlernen von Stressbewältigungsmethoden hilfreich. Ein warmes Bad fördert ebenfalls die Entspannung der Nacken- und Schultermuskulatur.“

 

 

Praktische Übung gegen KoNaSchu

 

Ziehen Sie langsam die Schultern hoch- und runter. Starten Sie mit kleinen Bewegungen, die zunehmend größer werden. Achten Sie dabei unbedingt auf ihre Atmung: Beim Hochziehen der Schultern ein-, beim Absenken ausatmen. Das Ganze 10 bis 15 Mal durchführen und nach einer Pause von etwa 60 Sekunden die Übung zweimal wiederholen.

Wann behandeln lassen?

KoNaSchu ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch chronisch werden. Deswegen empfiehlt sich die frühzeitige Abklärung durch eine Ärztin oder einen Arzt. „Tritt nicht innerhalb von zwei Wochen eine Besserung ein, so sollte eine Orthopädin oder ein Orthopäde aufgesucht werden“, rät Dr. Kubosch. „Dieser klärt, ob hinter den Beschwerden eventuell eine behandlungsbedürftige Erkrankung steckt. Nehmen die Schmerzen zu oder kommt es zu weiteren erheblichen Beschwerden, wie etwa akuten Lähmungserscheinungen oder Gefühlsstörungen, so ist umgehende ärztliche Hilfe erforderlich. Je nach Symptomatik bietet die Kooperation von Orthopäden und Neurologinnen eine bestmögliche Behandlung.“

Nina Alpers